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Kevin-Prince Boateng Unter Brüdern

Kevin-Prince Boateng wird geehrt und trifft am Samstag gegen die Bayern auf Jerome.

Boateng
Auf Schalke: Kevin-Prince Boateng (li.) im Duell mit Jerome. Foto: imago

Am morgigen Donnerstag wird Kevin-Prince Boateng in Bochum für sein Engagement gegen Rassismus mit einem Sonderpreis geehrt. Die Trophäe verleiht der Radiosender 1Live des WDR, es soll der größte Radiopreis in Deutschland sein. „Mit diesem Preis ausgezeichnet zu werden, heißt, dass die Menschen hinhören und dass es noch viele gibt, denen das Thema wichtig ist. Das ist sehr erfreulich und ich bin glücklich, immer mehr Leute zu erreichen und mit ihnen den Kampf gegen Rassismus fortzusetzen“, ließ der Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt vorab mitteilen.

Sein Engagement gegen Rassismus währt schon lange, auch weil er früh, bereits als Kind, unter den täglichen Anfeindungen hatte leiden müssen, manchmal wurde er in Jugendspielen sogar angespuckt von den Eltern der generischen Mannschaft oder ihm wurde zugerufen, für jedes Tor erhalte er eine Banane. So etwas, hat Boateng unlängst in einem langen Interview mit dem Jugendmagazin „jetzt“ der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt, „verletzt einen sieben-, oder achtjährigen Jungen aufs Tiefste. Ich habe viel geweint in der Zeit.“ Das seien Situationen gewesen, in dem ihm, der in Berlin-Wedding geboren und groß geworden ist, das Gefühl genommen worden sei, „Deutscher zu sein.“

Anfeindungen nicht einfach schlucken

Derlei Ressentiments habe Boateng im Laufe seines Lebens immer wieder gespürt, sei es, dass er in seinem Auto sitzend schief angeguckt wurde: „Dann weiß ich, was die denken: Wie kann ein Schwarzer in so einem Auto sitzen? Das ist bestimmt ein Drogendealer.“ Oder sei es, dass er im Supermarkt einer Frau behilflich sein will, und sie stellt die ihr von Boateng gereichte Packung Reis zurück ins Regal, um sie sich dann vom Angestellten geben zu lassen. „Das kann 50 Mal im Jahr passieren, es kann aber auch sein, dass ein Jahr lang gar nichts passiert“, hat der 30-Jährige der „jetzt“-Redaktion erzählt. Rassismus sei aber latent vorhanden.

Entscheidend sei, derlei Anfeindungen nicht einfach zu schlucken, sondern dagegen aufzubegehren. Als Boateng in Italien für den AC Mailand spielte und während eines Freundschaftsspiels Affenlaute intoniert wurden, ist er aus Protest vom Platz gegangen, die Milan-Kollegen haben sich ihm angeschlossen, das Spiel wurde abgebrochen. Daraufhin wurde dieses Thema in Italien vehement diskutiert. Ein paar Monate später, 2013 war das, hat Kevin-Prince Boateng vor den Vereinten Nationen in Genf eine Rede über seine Erfahrungen mit Rassismus gehalten. Das hat ihm viel Reputation eingebracht, geändert freilich hat es nicht viel. Unlängst hat er den Vorschlag unterbreitet, in Bundesliga-Stadien Videotechnik einzusetzen, um rassistische Schreier identifizieren zu können.

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