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Kevin-Prince Boateng „Skandale wird es nicht mehr geben“

Neuzugang Kevin-Prince Boateng spricht über sein Image, Schubladen, in die er nicht gesteckt werden will, und warum er in Frankfurt so hart arbeiten muss wie noch nie.

Training
Will das Eintracht-Team anführen: Kevin-Prince Boateng. Foto: Jan Huebner

Pressetermine erledigt der Prince im gesetzten Alter mit großer Souveränität und Abgeklärtheit. Kevin-Prince Boateng, weitgereist und begleitet von einem Ruf wie Donnerhall, gibt sich cool, streut einige Späßchen ein, es wird viel gelacht. Der ausgebuffte Starspieler wirkt mitunter aber auch ernst und reflektierend. Bei seinem ersten großen Medientermin in Frankfurt spricht der 30-Jährige über...

... seine Anfangszeit in Frankfurt: Es ist immer schwierig, zu einem neuen Verein zu kommen. Ich habe das schon oft miterlebt, das ist meine achte Station. Aber hier war es eigentlich nicht so schwer, weil es ja generell viele neue Spieler gab, elf an der Zahl. Jeder versucht da natürlich, Halt zu finden. Und dann unterstützt man sich gegenseitig. Die Integration ging sehr, sehr schnell, nach drei Tagen war ich hier schon angekommen. Es ist eine coole Truppe. Die Jungs sind alle lustig drauf, aber wenn es ums Arbeiten geht, sind alle hundertprozentig professionell.

... seine Führungsrolle im Team: Wenn ein Trainer sagt, man solle der Leader sein, gibt es nur wenige, die sagen: „Das nehme ich nicht an.“ Das probiert man natürlich. Ich denke, dass viele Spieler ein bisschen zu mir hochschauen können, weil ich eine ganz gute Karriere hinter mir habe. Ich bin auch hier, um den Jungen zu helfen. Es gibt viele junge Spieler, die man heranführen möchte an die Bundesliga. Und wenn ich da gebraucht werde, bin ich gerne da.

... über seine Karriere in der Rückschau, den Ruf als Skandalnudel und das Gefühl, in den falschen Schubladen zu stecken: Sehen Sie, Schubladen kann man immer wieder aufmachen, und es gibt viele, die machen das gerne. Fehler habe ich in meinem Leben gemacht, klar, aber ich schaue nicht mehr zurück. Wenn ich heute lese: „Bad Boy.“ Das schreibt jemand, der einfach nur die Schublade aufmacht, weil er keine andere Idee hat. Wenn man mich jetzt kennenlernt, sollte man was anderes schreiben, um sich selbst auf ein anderes Level zu hieven. Das Bad-Boy-Zeug wurde alles schon geschrieben, da muss man nur bei Google gucken und da steht alles. Wenn es jetzt einen Skandal geben würde, kann man das ja schreiben. Aber es wird keinen Skandal mehr geben, ich bin älter und ruhiger geworden. Das ist ja auch normal. Wenn du im Alter nicht reifer wirst, dann hast du wirklich ein Problem. Ich habe mich weiterentwickelt. Ich sage den jungen Spieler auch, ihr könnt Fehler machen. Aber ihr müsst daraus lernen. Ich habe vielleicht etwas zu spät gelernt, erst mit 23, 24. Und doch sage ich: Mit mir wird es nicht langweilig.

... über die Unterschiede zu früheren Zeiten und verschleudertes Talent: Wenn du heute zweimal Fehler machst, bist du weg vom Fenster. Früher hast du eine Lobby gehabt, da hat man gesagt: „Lass’ den Jungen, der hat Talent.“ Wenn du heute ein Riesentalent hast, das aber weniger macht als ein anderer, der vielleicht weniger begabt ist, sich dafür aber mehr einbringt und alles gibt, dann sagt der Trainer: „Ich lasse den spielen, der das macht, was ich sage. Der andere bringt mir nur Probleme.“ Heute musst du mit 19 so sein wie wir mit 27.

... über seine veränderte Einstellung: Als junger Spieler war ich der Talentierteste. Das hat mir geholfen, ich konnte mal weniger laufen oder so. Aber ich bin auch an diesen Punkt gekommen, an dem ich merkte, so geht es nicht weiter. In Tottenham etwa hatten alle Talent. Da ging es darum, wer will es mehr, wer arbeitet mehr. Ich war der, der nicht mehr arbeiten wollte – und dann war ich auf der Tribüne. Heute ist es noch extremer.

... die Intensität unter dem Trainer Niko Kovac: Das ist meine erste Station, in der ich wirklich viel arbeite. In Spanien herrscht eine andere Kultur, da ist alles mehr fußballerisch. Hier laufen wir mehr, es geht mehr um Fitness. Das ist für mich eine Riesenumstellung. Aber sie geben mir Zeit. Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, aber in zwei, drei Wochen werde ich es sein. Niko war als Spieler ein Vollprofi, das ist er als Trainer noch mehr. Er ist jeden Tag unter Strom und will, dass wir das Beste geben. Er fordert viel, er fordert, dass wir jeden Tag 100 Prozent geben. Es gibt Trainer, die machen es lautstark und Trainer, die etwas ruhiger sind. Er hat so eine Mischung. Ich denke aber nicht, dass ihn die Mannschaft mal richtig sauer sehen möchte. Denn ich kenne ihn sauer (lacht). Er sagt uns immer, wir haben zwölf, 13 Jahre in diesem Job, deshalb sollen wir in dieser Zeit alles geben.

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