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Kevin-Prince Boateng Klassenfahrt in die Heimat

Kevin-Prince Boateng steht vor einem der größten Spiele seiner Karriere. Mit der Eintracht kehrt er zurück zu seinen Wurzeln, zum Pokalfinale nach Berlin.

Schalke-Frankfurt
Noch einmal alles reinwerfen: Kevin-Prince Boateng im Kopfballduell mit dem Schalker Weston McKennie. Foto: afp

Etwas mehr als eine halbe Stunde muss eingeplant werden, um mit dem Auto aus dem Berliner Stadtteil Wedding zum Olympiastadion zu gelangen. Vorbei an der Charité, dem ältesten Krankenhaus der Stadt, vorbei am Tiergarten, über Charlottenburg bis zur Arena. Kevin-Prince Boateng kennt diesen Weg. Er hat ihn oft zurückgelegt. Geboren 1987 in Berlin, aufgewachsen in eben jenem rauen Arbeiterviertel Wedding. In einem Hochhaus, viele Wohnparteien, vergilbte, einst weiße Fassade. Hier ist der Mittelfeldspieler der Frankfurter Eintracht groß geworden. Hier hat er gelernt, sich durchzubeißen. 

„Ein Finale in Berlin, das wollte ich schon immer spielen, konnte es bisher aber nur im Fernsehen verfolgen“, sagt Boateng, der heute mit dem Eintracht-Tross in seine Heimatstadt reist, um am Samstag im Pokalendspiel gegen den großen FC Bayern zu triumphieren. Er hätte alleine eine halben Block voll bekommen können, so viele Kartenanfragen seien bei ihm eingetrudelt, berichtet Boateng. „Das Spiel wird emotional.“

Auch wenn Boateng sagt, dass er nach seiner Karriere lieber „aufs Land“ ziehen wolle, als in einer hektischen Metropole zu leben, so lässt sich die Geschichte des 31-Jährigen nicht ohne Berlin erzählen. Dort begann alles, dort wurde er zum Profi, dort zieht es ihn heute noch hin. Im Wedding wurden Kevin und sein fünf Jahre älterer Bruder George von ihrer deutschen Mutter aufgezogen. Den Vater, einen Ghanaer, lernte Kevin erst mit neun Jahren richtig kennen. Seine Halbbruder Jérôme, verletzter Abwehrchef beim Finalgegner aus München, wuchs einige Kilometer entfernt im bürgerlichen Wilmersdorf auf. In seiner Biografie „Ich, Prince Boateng“ schrieb der Frankfurter Mittelfeldspieler einst über sein Wedding: „Wir sind Ghetto-Kids. Dort, wo wir herkommen, wirst du entweder Gangster, Drogendealer oder Fußballspieler.“

Boateng wurde Fußballspieler, ein ziemlich guter. Weil er früh lernte, sich auf den Bolzplätzen durchzusetzen. Auch, weil er Talent hatte. Und vor allem, weil ihn mit sieben Jahren die Hertha entdeckte. Fortan durchlief Boateng die Jugendteams der Berliner, mit 18 debütierte er in der Bundesliga, ausgerechnet gegen die Eintracht. Seine späteren Stationen: Tottenham Hotspur, Borussia Dortmund, FC Portsmouth, AC Mailand, Schalke 04 und UD Las Palmas. Manche meinen, Boateng hätte mehr aus seinem Talent machen können. Das sagt er sogar selbst. Zu sehr habe er zwischenzeitlich den Fokus auf teure Autos, wilde Partys, auf das Leben als „Bad Boy“ gelegt. „Aufpassen! Das bin ich auch heute noch“, antwortet Boateng, mit zerrissene Hose und Brillis in den Ohren, auf Nachfrage zu seinem Image. Dann lacht er, alles nur ein Scherz. „Es war nicht einfach, ein anderer Mensch zu werden“, fügt er kurz darauf ernst hinzu, „aber so gefällt es mir besser.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Pokalfinale

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