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Jonathan de Guzman Schöne Erinnerung, harte Realität

Jonathan de Guzman ist bei der Eintracht ins Hintertreffen geraten – das war mal anders.

Jonathan de Guzman
Will für die Eintracht wieder mehr spielen: Jonathan de Guzman. Foto: Jan Huebner

An den mächtigen Fußballtempel im Herzen des Ruhrpotts hat Jonathan Alexander de Guzman, den alle Welt nur Johnny nennt, beste Erinnerungen, so gute sogar, dass der Eintracht-Profi einmal sogar lauthals lachen muss, als ein gewitzter Reporter ihm vorschlägt, er solle doch seinem neuen Trainer Adi Hütter mal das Video des letzten Eintracht-Spiels in Dortmund vorspielen – dann hätte er gewiss ganz formidable Chancen, sich mal wieder ein Plätzchen in der Anfangsformation der Frankfurter zu sichern. Damals, im März dieses Jahres, zeigte er bei der höchst unglücklichen 2:3-Niederlage eine ungeheuer starke Leistung. Doch in der Neuzeit, im Sommer 2018, ist er so ein bisschen ins Hintertreffen geraten. Zur ersten Elf gehörte de Guzman in den ersten beiden Bundesligabegegnungen nämlich nicht. Sehr wohl eine kleine bis mittlere Überraschung.

Der Niederländer mit kanadischen Wurzeln, der morgen seinen 31. Geburtstag feiern wird, will diesen Zustand ändern, so schnell es geht und mit allen Mitteln, aber er wird seinem Coach keine visuelle Überzeugungshilfe an die Hand geben. De Guzman vertraut eher auf seine Fähigkeiten auf dem Platz. „Ich werde weiter hart arbeiten“, sagt der Mittelfeldspieler. Natürlich sei er nicht erfreut darüber, bisher genau 39 Minuten gespielt zu haben (22 gegen Bremen und 17 in Freiburg, die ihm genügten, um Sebastien Haller perfekt zum 2:0 aufzulegen). „Das ist nicht das, was ich will. Jeder will spielen“, sagt der Routinier. „Aber man hat die Entscheidung des Trainers zu respektieren.“

Er wird nun die Flinte ganz sicher nicht ins Korn werfen, was ja nach zwei Spieltagen und mit dem bevorstehenden Mammutprogramm der Eintracht sowieso Quatsch wäre, sondern einfach die Zeit und, dies zuvorderst, seine unbestrittene Qualität für sich arbeiten lassen. „Es ist eine lange Saison, wir stehen erst ganz am Anfang. Ich werde meine Spiele machen.“ Daran bestehen, über kurz oder lang, nur wenige Zweifel. „Es geht nur über das Training, ich gebe jeden Tag mein Bestes.“ Das Verhältnis zu Coach Hütter sei ungetrübt. „Wir haben einen guten Draht zueinander.“

Der frühere niederländische Nationalspieler, dessen Bruder Julian zwischen 2002 und 2005 für Hannover 96 auflief und anders als Jonathan für die kanadische Nationalelf spielte, ist auch so ein bisschen Opfer des Systems geworden. Hütter baute nach den beiden empfindlichen Schlappen im Supercup gegen die Bayern (0:5) und im Pokal bei Regionalligist Ulm (1:2) das Team um, setzt seitdem auf zwei klassische Außenstürmer (zuletzt Filip Kostic und Nicolai Müller) und zwei nominelle defensive Mittelfeldspieler. Die beiden Sechser-Positionen waren zuletzt an den zweikampfstarken Lucas Torro und den Dauerläufer Gelson Fernandes vergeben. De Guzman, der zwar auch auf der Sechs spielen kann, sich aber auf der Halbposition wohler fühlt, war erst einmal raus.

Dabei, und das ist das Kuriose, kann der feine Techniker ein Spiel prägen, es fußballerisch auf ein anderes Niveau heben. Der Routinier ist ein Akteur, der Ruhe, Spielintelligenz und Übersicht einbringt, ein Vollblutfußballer eben, der nicht mehr taufrisch ist, aber aus Erfahrung gut. 

Fragiles Gebilde

Es ist durchaus erstaunlich, dass für einen wie de Guzman im aktuellen Eintracht-Ensemble kein Platz ist. Das trifft genauso auf Makoto Hasebe zu. Beide sind zwar etwas älter und sicher keine Sprintertypen, aber absolute Vollprofis, die verstehen, wie das Spiel funktioniert, die Fußball leben und lesen können.

Ihre Nichtberücksichtigung zeigt aber auch, wie fragil das Frankfurter Gebilde insgesamt noch ist. Trainer Hütter, der angetreten war, um offensives Pressing spielen zu lassen, musste erst einmal zurückrudern und zusehen, eine gewisse Kompaktheit und Ordnung auf das Feld zu bekommen. Die Bundesliga, das ist klar, verzeiht nicht viele Fehler, Naivität sowieso nicht.

Hütter war schlau genug, das schnell zu erkennen. Da läuft das Rustikale der Finesse schnell mal den Rang ab, da kann es durchaus vorkommen, dass eher fußballerisch beschlagene Akteure keinen Platz in der Mannschaft finden. Auf Strecke gesehen wird sich das ändern, da wird der Österreicher die Mischung finden müssen.

Zumal de Guzman, der in der Sommerpause seinen Urlaub in Florida verbrachte und dort gemeinsam mit Mitstreiter Timothy Chandler und Eintracht-Legende Alex Meier ein von einer Fachkraft ausgearbeitetes Trainingsprogramm durchzog, das es in sich hatte, über eine Fähigkeit verfügt, die heutzutage sicher nicht zu unterschätzen ist: Seine Standards, einerlei, ob Ecken oder Freistöße, sind echte Waffen.

Auf die Partie in Dortmund freut sich de Guzman, doch auf ein Bewerbungsvideo an den neuen Coach verzichtet er wohlweislich. 

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