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Joel Gerezgiher Filigran auf die Pauke gehauen

Nachwuchskicker Joel Gerezgiher ist ein kleiner Gewinner des ersten Trainingslagers von Eintracht Frankfurt im Stubaital.

Ein Anriss des Syndesmosebandes, den er sich nach einer Grätsche von Bastian Oczipka im Training zugezogen hatte, sowie zwei Muskelfaserrisse verhinderten, dass er in der vergangenen Saison zu einem Bundesligaeinsatz kam. Foto: Heiko Rhode

Natürlich war das nur ein Test und der Gegner ein österreichischer Drittligist. Aber es war schon erstaunlich, wie sich das Blatt in der zweiten Halbzeit drehte: Da kam der 19 Jahre alte Joel Gerezgiher ins Spiel. Zuvor hatte Eintracht Frankfurt sich gegen den SC Schwaz schwergetan, hatte nur durch ein Eigentor geführt, doch in der zweiten 45 Minuten war alles anders. Das lag an Gerezgiher, der den rechten Flügel beackerte. Er war an allen fünf Toren beteiligt, erzielte zwei Treffer selbst, dazu bereitete er drei weitere vor. Vor allem seine Standards waren klasse, ganz anders als die im ersten Abschnitt von Marc Stendera. Trainer Armin Veh lobte den Deutsch-Eritreer. „Joel war auffällig.“ Dass der Junge kicken kann, wusste der Fußball-Lehrer ohnehin. „Ich habe ihn doch geholt.“

Es ist die zweite Profisaison für Gerezgiher bei Eintracht Frankfurt. Auch Thomas Schaaf hatte schon die Fähigkeiten des filigranen Technikers entdeckt, er hat ihn unter seine Fittiche genommen, doch schwere Verletzungen hatten ihn aus der Bahn geworfen. Ein Anriss des Syndesmosebandes, den er sich nach einer Grätsche von Bastian Oczipka im Training zugezogen hatte, sowie zwei Muskelfaserrisse verhinderten, dass er in der vergangenen Saison zu einem Bundesligaeinsatz kam. „Junge Spieler brauchen Spielpraxis“, sagen Veh und Sportdirektor Bruno Hübner unisono. Sie denken darüber nach, Gerezgiher, der noch einen Vertrag bis 2018 hat, auszuleihen. Vielleicht schafft er es aber auch bei der Eintracht.

Gerezgiher, dessen Eltern 1985 aus Eritrea kamen und der in der Nordweststadt aufwuchs, ist ein typischer Straßenfußballer. Er hat früh gelernt, die Ellenbogen auszufahren und sich durchzusetzen. Gerezgiher kickte auch im Käfig. „Er macht Sachen, die du den Jungs nicht beibringen kannst“, schwärmte einst sein ehemaliger A-Jugendtrainer Daniyel Cimen über den feingliedrigen Mittelfeldspieler. Er muss allerdings robuster werden.

„Ohne Risiko kann man nichts erreichen“, findet Gerezgiher, der vor dem Unterschreiben des Profivertrags sein Abitur gebaut hatte. Über den SV Niederursel und den FSV Frankfurt kam er vor drei Jahren zur Eintracht, die er in der A-Jugend als Kapitän aufs Feld führte. Armin Veh jedenfalls hat ein Auge auf den Jungen geworfen. Nach seiner Gala schüttelte er ihm in der Kabine die Hand, tätschelte ihm die Wange, fand lobende Worte für den Auftritt. „Er kann vorne, links und rechts spielen, und auch im Mittelfeld“, grinste Veh. Jetzt muss Joel Gerezgiher nur am Ball bleiben. Und sich nicht verletzen.

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