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Jermaine Jones Der sanfte Rüpel

Der Frankfurter Jermaine Jones beendet seine schillernde Karriere - und kehrt vielleicht zurück.

Jermaine Jones
Die wilde 13: Jermaine Jones, US-Nationalspieler. Foto: rtr

Der Sportplatz des SV Bonames, dort, wo Jermaine Jones vor bald 30 Jahren mit dem Fußballspielen begann, als F-Jugend-Knirps, war damals ein übler Ascheplatz im Frankfurter Norden, dazu lag er in einer Kuhle. Im Sommer hinterließ der Ball eine staubige Wolke, im Winter war er knüppelhart gefroren. Heute rennen große und kleine Fußballer auf einem gepflegten Kunstrasen dem Ball hinterher, Jermaine Jones weiß das natürlich, er hat den Kontakt zu seinen Wurzeln nie abgebrochen, auch wenn er schon eine lange Weile nicht mehr da war. Jermaine Jones, der Frankfurter Bub aus dem Ben-Gurion-Ring, nicht die feinste Adresse, ist früh hinausgezogen in die weite Welt, nicht nur Fußball-Welt. Er lebt jetzt mit Frau und den fünf Kindern in den USA, in Los Angeles, bis zum Wochenende spielte er dort auch Fußball. Das ist jetzt vorbei: „Nach 18 Jahren sage ich auf Wiedersehen. Nach ein paar Monaten der Konzentration, habe ich eine klare Vorstellung davon, was als nächstes kommen wird“, schrieb Jermaine Jones auf Instagram und postete ein Bild von sich - in einem alten Trikot von Eintracht Frankfurt.

Jermaine Jones hat nie den Ruf des Bad Boys abstreifen können, des Rüpels und Ghetto-Kids. Er hat dafür auch eine Menge getan, hat Marco Reus mal mit voller Absicht auf seine gerade ausgeheilte Fußzehe getreten, das empfand er selbst, wie er später einräumte, als „schlicht und einfach asozial“. Er ist in seiner Karriere zwölfmal vom Platz gestellt worden. Der Junge mit den vielen Tattoos hat sich nie angepasst, pflegte einen extravaganten Lebensstil und eine große Klappe. Er fand es cool, der harte Junge zu sein, viele seiner Kumpel sind auf die schiefe Bahn geraten. Er nicht, er hat die Kurve gekriegt. Zu seinen Fehler hat er stets gestanden, ehrlich, rau, herzlich. 

Vor seinem Wechsel von Frankfurt nach Schalke hat er in der Kabine brühwarm erzählt, wie viel mehr er nun verdiene, den Fans der Eintracht hatte er per Internet („Nichts als die Wahrheit“) als „JermaineJuniorJones“ auf der Eintracht-Homepage weismachen wollen, sein Abschied aus seiner Geburtsstadt sei nicht von langer Hand vorbereitet worden. Das haben ihm die Anhänger nie verziehen. Bei Spielen im Stadtwald wurde er im gegnerischen Trikot gnadenlos ausgepfiffen.
Jermaine Jones war auf dem Feld ein Malocher, ein Kämpfer, der weder Gegner noch sich schonte. Er war der Mann fürs Grobe, für die Drecksarbeit, für das Kernige. Diverse Verletzungen steckte er weg, oft spielte er mit Schmerztabletten, aber er haute sich immer voll rein, anfangs erst als Stürmer, später als defensiver Mittelfeldmann, dort, wo seine wahren Stärken am besten zum Tragen kamen. Es war Armin Reutershahn, heute wie damals Assistenztrainer, der den mittlerweile 36-Jährigen auf die Position des Sechsers schob.

Versöhnung mit dem Vater

Mit Schalke, wo er sieben Jahre kickte,  wäre er 2011 fast Meister geworden. Er spielte Champions League und 165-mal Bundesliga, neben zwölf Jahren bei der Eintracht war er zudem bei Bayer Leverkusen unter Vertrag. 2014 wechselte er ins Ausland, zu Besiktas Istanbul. Dann ging er in die USA, dem Land seines Vaters, ein ehemaliger GI, der die Familie früh verließ,und den er nach fast drei Jahrzehnten wieder fand. In den USA nahm seine Karriere noch einmal Fahrt, dort spielte er mit langen Rastalocken und der Nummer 13, seiner Nummer in Frankfurt. New England Revolution, Colorado Rapids und Los Angeles Galaxy waren weitere Stationen. Dazu machte er 69 Spiele für die US-Nationalelf, deren Kapitän er zeitweise war. Bei der WM in Brasilien gelang ihm nicht nur ein wunderschönes Tor, er spielte auch gegen Deutschland im dritten Spiel der Vorrunde. Für die DFB-Auswahl machte das Èntfant terrible indes lediglich drei Spiele.

Manches deutet darauf hin, dass Jermaine Jones, die wilde 13, in absehbarer Zeit nach Deutschland kommt. Auf Twitter schrieb er noch: „Man sieht sich.“ Womöglich auch in Bonames. 

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