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Jan Zimmermann Für Zimbo schließt sich der Kreis

Der neue und alte Eintracht-Torwart Jan Zimmermann hat schon vieles erlebt und sogar einen Tumor besiegt.

Jan Zimmermann
Jan Zimmermann im Januar 2017 - noch im Dress von 1860 München. Foto: Imago

Jan Zimmermann, das dürfte in der Branche mittlerweile bekannt sein, ist ein Fußballprofi, der nicht dem gängigen Klischee entspricht. Der 32-Jährige ist ein kluger Mensch, integer, höflich, trotzdem meinungsstark. Ein Charakterkopf, der sich nicht nur Gedanken über Flanken und Hechtsprünge macht, sondern das Leben und seine Kapriolen zu bewerten weiß. Er ist eloquent, vermeidet Sprechblasen, der Einheitsbrei der auf aalglatt getrimmten Berufssportler ist ihm fremd.

Und so verkaufte sich der Torwart in seinem Rückkehrer-Interview mit dem klubeigenen „Eintracht-TV“ entsprechend teuer. Die Eintracht, sagte er also, sei ihm in den ganzen Jahren nicht „aus dem Kopf und dem Herzen“ gewichen. Das Gefühl, nach Hause zu kommen, sei großartig. „Dass ich wieder ein Adler bin, erfüllt mich mit Stolz.“ Zimmermann, nur mal am Rande, nennt die Arena im Stadtwald noch immer „Waldstadion“. So was kommt gut an.

Am Freitag hat Schlussmann bei seinem Heimatverein einen Vertrag bis 2019 unterschrieben – sieben Jahre, nachdem er den Klub verlassen hatte, weil der damalige Trainer Michael Skibbe auf Ralf Fährmann, Oka Nikolov und Markus Pröll setzte. Für Zimbo, wie ihn die halbe Welt ruft, war kein Platz mehr. Er ging als Nobody, war zunächst arbeitslos, ehe er sich Schritt für Schritt ins Fußballleben zurückkämpfte. „Ich bin als Bub gegangen und komme als Mann wieder“, sagte er jetzt. Für ihn schließt sich der Kreis.

Es wäre übertrieben zu behaupten, dem gebürtigen Offenbacher sei vieles in den Schoß gefallen. So ziemlich das Gegenteil ist der Fall. Seine erste Eintracht-Zeit stand unter keinem guten Stern, der Mann aus dem eigenen Stall vom Riederwald war meistens die Nummer zwei, manchmal nur dritter Mann, er war oft verletzt, nur fünfmal durfte er in der Bundesliga das Allerheiligste hüten, fünfmal verließ die Eintracht als Verlierer das Feld, viermal ohne ein eigenes Tor geschossen zu haben. „Hinter meiner Karriere stand ein großes Fragezeichen“, sagte er einmal. Das Bittere damals: Er war an den Niederlagen schuldlos, hatte nie die Möglichkeit, sich auszuzeichnen.

„Meine Karriere hätte einen anderen Weg genommen, wenn 20 Schüsse aufs Tor gekommen wären und ich 18 gehalten hätte.“ Doch zaudern war nie sein Ding. „Es kommt, wie es kommt.“
Seine Laufbahn hat dann doch noch mal Fahrt aufgenommen, mit Darmstadt stieg er in die zweite Liga auf, war Kapitän, Sprachrohr, Kopf des Teams. Als ihn der damalige Trainer Dirk Schuster die Kapitänsbinde abnahm und sie an Aytac Sulu weiterreichte, zog er bald weiter nach Heidenheim. Ein böses Wort hat er über seine Degradierung nie verloren, auch Jahre später nicht.

Erkrankung als Mahnmal

Der Obertshausener ist zu einem besseren Torwart geworden, gereift, stärker, er hat 114 Partien in der dritten und 69 in der zweiten Liga absolviert, zuletzt saß er beim größten Chaosklubs Deutschlands, 1860 München, nur noch auf der Bank. Auch in Frankfurt wird er diese Rolle erneut einnehmen, er ist als Nummer zwei eingeplant – entweder hinter Stammkeeper Lukas Hradecky oder hinter einer neuen Nummer eins, falls der Finne den Klub verlässt. Zimmermann hat damit keine Probleme. Er könne garantieren, jeden Tag 100 Prozent zu geben, „weil ich mich zu 100 Prozent mit dem Verein identifiziere“. Auch als Reservist.

Für den Kämpfer Zimmermann haben sich die Prioritäten sowieso verschoben, er hat einiges erlebt in seinem Leben. Er habe in den vergangenen Jahren einen „Riesenentwicklungsschritt“ genommen, betonte er. „Es gab Erlebnisse, die mich gezwungen haben, mich weiterzuentwickeln.“ Er meint natürlich die niederschmetternde Diagnose im November 2014, als bei ihm ein Gehirntumor diagnostiziert wurde. Zufälligerweise, weil ihm der St. Paulianer Ante Budimir gegen den Kopf getreten hatte und in der nachfolgenden Untersuchung der Tumor festgestellt wurde. Das Geschwulst war ordentlich groß, wurde operativ entfernt. „Ich bin so glücklich darüber, dass er mich getreten hat“, befand Zimmermann. „Den Namen Ante Budimir werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“ Er hat ihm, wenn man so will, das Leben gerettet.

Er gilt als geheilt, muss aber jedes Jahr zur Kontrolle. Der Schicksalsschlag habe sein Leben nicht radikal verändert. „Es ist ein Mahnmal, ein Antrieb, das Leben zu genießen“, bedeutete er der FR. „Wenn man so etwas überleben darf, dann muss man das Leben positiv sehen. Ich bin dankbar und stehe jeden Tag glücklich auf. Und wenn jetzt bei einer harten Trainingseinheit ein paar Spieler zu stöhnen beginnen, muss ich immer anfangen zu lachen.“

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