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Interview Philip Holzer „Das Weltoffene passt zu uns“

Aufsichtsrat Philip Holzer über die Internationalität der Eintracht, die Entwicklungen in den USA und China und seinen Traum von der Champions League.

Fussball 1.Bundesliga, Aufsichtsrat Philip Holzer (Eintracht Frankfurt)
Im Wohnzimmer: Aufsichtsrat Philip Holzer hat mit der Eintracht viel vor. Foto: Jan Hübner

Zur Begrüßung fragt Philip Holzer mit gespielter Verwunderung sogleich , wo denn der Wirtschaftsredakteur der FR sei. Er, der Herr der Zahlen, habe schließlich sehr viel über die wirtschaftlichen Zusammenhänge in der globalen Fußballwelt zu berichten. Die FR-Sportreporter haben dann trotzdem alles verstanden. 

Der 52-Jährige sitzt seit acht Jahren im Aufsichtsrat der Frankfurter Eintracht, der frühere Oberligatorwart der Spielvereinigung Bad Homburg gilt als einflussreicher Netzwerker, als kluger Kopf im Hintergrund, der wirtschaftliche Zusammenhänge schnell versteht und entschlüsselt. Das war jahrelang sein Job, der Sohn des 2016 verstorbenen früheren FR-Chefredakteurs Werner Holzer war erfolgreicher Investmentbanker bei Goldman Sachs, 2014 schied er auf eigenen Wunsch aus. 

Holzer sitzt – gemeinsam mit Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing und Vereinspräsident Peter Fischer – im Hauptausschuss, der auf kurzem Wege wichtige Entscheidungen absegnen kann. Er gilt als designierter Nachfolger von Steubing, der in zwei Jahren abdanken wird. Der passionierte Tischtennisspieler engagiert sich überdies für soziale Projekte.

Herr Holzer, unser erstes großes Interview liegt nun fünf Jahre zurück, damals lautete eine Ihrer Botschaften und unsere Überschrift: „Wir sollten uns am FC Arsenal orientieren.“ Wie weit ist Eintracht Frankfurt in diesem Bemühen gekommen?
Damals habe ich mir deswegen schon einige Sprüche anhören müssen. Heute sage ich: Wir spielen jetzt mit Arsenal zusammen in der Europa League (lacht). Aber im Ernst: Was ich eigentlich sagen wollte: Mir ging es um die Gesamtstruktur des Vereins, die Wirtschaftlichkeit, das Scouting, die Philosophie. Sehen Sie, Arsene Wenger war dort 22 Jahre Trainer, er hat unzählige Spieler entwickelt und besser gemacht. Er hat nie das Optimum für den Sportetat gefordert, ihm ist ja sogar vorgeworfen worden, dass er keine teuren Transfers getätigt hat. Heute würde ich aber sagen, wir sollten Tottenham genauer anschauen. Überragender Trainer, der viele junge Spieler geholt hat, die unter ihm englische Nationalspieler geworden sind. Das kann ein Beispiel sein, ohne aber vermessen klingen zu wollen. Die nächste Überschrift soll nicht lauten: „Wir sollten uns an Tottenham orientieren.“ 

Und der FC Liverpool?
Wenn ich als Investor auf den Fußball schauen und mich fragen würde, welcher Trainer die meisten Mehrwerte geschaffen hat, dann würde ich sicher sagen: Jürgen Klopp. Er ist mit einem ambitionierten Zweitligaklub, Mainz 05, aufgestiegen und hat ihn in der Bundesliga etabliert. Er hat aus Borussia Dortmund einen deutschen Meister gemacht und war mit dem Verein in der Champions League sehr erfolgreich. Und er hat Liverpool auf Platz acht übernommen, den Verein ins Champions-League-Finale geführt und steht jetzt auf Platz eins in England. Er wird Liverpool weit vorne in der Champions League etablieren. Das hat für die Bewertung eines Fußballklubs eine überragende Bedeutung. 
 
Der FC Liverpool gehört einer US-amerikanischen Investorengruppe. 
Interessant, dass Sie das ansprechen. Ich möchte da gerne etwas weiter ausholen. Fußball ist der einzige globale Sport der Welt. Die beiden größten Blöcke der Welt, China und die USA, haben den Fußball für sich entdeckt. China will Fußball groß machen, die Nationalmannschaft unter die Top Ten bringen, vielleicht mal ins Halbfinale einer WM. Viele mächtige Männer dort haben sehr viel Geld in den Fußball gesteckt. Das hat zu einer interessanten Entwicklung und auch zu einer Preisinflation geführt. Nun ist die erste große Welle der Begeisterung in China abgeebbt, der eine oder andere hat sich dort auch ein bisschen die Finger verbrannt. Das sieht man am AC Mailand, da sind die Chinesen wieder ausgestiegen und ebenfalls Amerikaner eingestiegen. Die Amerikaner verstehen Sport-Franchising. Fußball ist dort nach American Football, Basketball, Baseball und Eishockey die fünftwichtigste Sportart. Was denken Sie, wie der Wert eines Major-League-Soccer-Klubs in den letzten zehn Jahren pro Jahr angestiegen ist?

Sagen Sie es uns.
Um 16 Prozent. Das ist eine Folge der deutlich gestiegenen Medienerlöse, gerade wegen des Live-Sports. Google, Amazon, Facebook und Netflix sind derzeit die größten digitalen Plattformen der Welt, haben aber keinen eigenen Content. Das Konsumentenverhalten hat sich gravierend verändert in der Hinsicht, dass jeder selbst entscheidet, was, wann und wo er etwas sehen will. Nur bei Live-Sport ist diese Disruption nicht gegeben. Und deshalb sind diese Werte so in die Höhe geschnellt und werden auch weiterhin steigen. Das sind also mit die besten Investments, die du in den letzten zehn Jahren tätigen konntest. Deshalb sind US-Klubs ein gutes Investment. 

Was bedeutet das für Europa? 
Es ist kein Zufall, dass sich einige Amerikaner bei ManUnited, AS Rom oder aktuell bei Olympique Marseille eingekauft haben. Diese Unternehmer bekommen deutlich mehr raus, als sie reingesteckt haben. Ein Beispiel aus der arabischen Welt: Der Scheich bei Manchester City hat 1,3 Milliarden investiert, er hatte damals 160 Millionen für den Klub gezahlt. Ich würde mal sagen, da ich mich mit der Bewertung eines Klubs ganz gut auskenne, Manchester City ist heute zwei bis 2,5 Milliarden wert. Sie machen also Geld mit ihren Investitionen. Ob man diese Entwicklung gut findet oder nicht: Das ist die Realität. 

Aber von diesen Verhältnissen sind wir in Deutschland ja weit entfernt. 
Das stimmt, einerseits. Andererseits hat der Wettbewerb um Kapital in der Bundesliga längst begonnen, und zwar sehr intensiv. Jeder Klub hat sich mit Wachstumsfinanzierungen von außen beschäftigt. Völlig unabhängig von 50+1. Da gibt es ja auch noch andere 49 Prozent. Und sehen Sie sich den FC Bayern an: Die Münchner haben 2001 zehn Prozent ihrer Anteile für 100 Millionen Euro an Adidas verkauft, dann kam Audi für 130 Millionen und anschließend die Allianz. Das war eine Wachstumsfinanzierung, die die Bayern nach vorne katapultiert hat – zu einer Zeit, als die anderen sich gerade mal sortiert haben, in welcher Rechtsform sie eigentlich unterwegs sind. Der FC Bayern ist heute bis zu drei Milliarden Euro wert. Sie würden für zehn Prozent ihrer Anteile also 300 Millionen Euro bekommen. 

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