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Interview Evan Ndicka „In Frankreich geht es ruhiger zu“

Warum der neue Eintracht-Verteidiger Evan Ndicka schon früh auf sich allein gestellt war, was er von Geisterspielen hält und warum er sich in einem Punkt absolut sicher ist: Von nichts kommt nichts.

Dortmund Germany 14 09 2018 1 Bundesiga 3 Spieltag BV Borussia Dortmund Eintracht Frankfurt
Lässt sich so schnell nicht einschüchtern: Evan Ndicka. Foto: imago

Evan Ndicka wirkt wahrlich nicht wie ein gerade 19 Jahre alt gewordener Teenie. Er ist ein ordentlicher Brocken, 1,92 Meter groß, muskulös, und es sieht so aus, als könne den Jungen nicht viel erschüttern. In seinen ersten beiden Bundesligapartien spielte er erstaunlich souverän auf, fast schon abgeklärt, in Dortmund geriet allerdings auch der gebürtige Pariser mit kamerunischem Pass in die Bredouille. Gut 5,5 Millionen Euro, so viel wie noch für keinen so jungen Spieler, hat Eintracht Frankfurt nach Auxerre überwiesen und den Franzosen mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet.

Sportliche Führung hält große Stücke auf Evan Ndicka

Die Sportliche Führung hält also große Stücke auf den auch taktisch gut ausgebildeten Ndicka, der seine komplette fußballerische Ausbildung in Frankreich erhalten und alle Auswahlteams der Equipe Tricolore durchlaufen hat. Heimweh wird der Stopper eher selten verspüren, seine Landsleute Sebastien Haller und Simon Falette sind um ihn herum und das selbständige Leben hat er früh gelernt: Schon mit 13 Jahren verließ er das Elternhaus, um in Auxerre ins Internat zu gehen und zu kicken. Es hat ihn schnell reifen lassen. 

Herr Ndicka, bei Ihrer Rückkehr nach Frankreich gelingt Ihnen und der Eintracht ein kaum für möglich gehaltener Auswärtssieg in Marseille. Erzählen Sie doch mal.
Es war unglaublich. Wir haben nie aufgehört, an uns zu glauben, obwohl wir dann ja sogar eine halbe Stunde in Unterzahl waren. Aber wir haben trotzdem unsere Chance gesucht – und am Ende zugeschlagen. Das ist ein wunderschönes Gefühl, so in die Gruppe gestartet zu sein. Und es ist auch ein wichtiger Sieg für die Moral gewesen. 

Sie als Franzose wissen ja, wie die Stimmung im Stade Vélodrome normalerweise ist, ziemlich energetisch. Das war ja jetzt, ohne Zuschauer, ganz anders. Eine skurrile Atmosphäre. Wie haben Sie es erlebt? 
Jeder Fußballer träumt davon, in Marseille in einem vollen Stadion zu spielen. Es ist wirklich sehr laut, sehr stimmungsvoll, fast explosiv. Es ist eine großartige Kulisse, eine Art Hexenkessel. Jetzt, ohne Fans, das war schon komisch. Eine merkwürdige Atmosphäre. Aber vielleicht war es ein Vorteil für uns. 

Haben Sie vorher schon mal im Velodrome gespielt?
Nein, aber in Frankreich guckt jeder die Spiele von Marseille oder PSG, diese Spiele genießen immer viel Aufmerksamkeit. Deshalb weiß man, wie es in Marseille abgeht. Schade, dass keine Zuschauer zugelassen waren, sehr schade. 

Hatten Sie schon einmal in einem leeren Stadion gespielt, ein Geisterspiel erlebt?
Nein, auf diesem Niveau noch nicht. Wie gesagt, sehr seltsam. Das ist nicht das, was man sich als Fußballer wünscht. 

Wie hat Ihr Vater, Ihr größter Fan, das Spiel verfolgt? Ist er mal vorbeigekommen, um Sie zu besuchen?
Nein, das ging nicht vom Ablauf her. Aber mein Vater ist ein riesengroßer Fan von Olympique Marseille. Umso ärgerlicher für ihn, dass er nicht live vor Ort sein konnte. Er hat das Spiel im Fernsehen gesehen. Er sieht sich jedes meiner Spiele im Fernsehen an, also nicht erst, seit ich in Frankfurt bin. Er verpasst kaum eine Partie. Mein Vater ist ein Fußballnarr.

Hat er selbst ordentlich gespielt?
Nein (verschämt lächelnd, d. Red.). Er war nicht so gut...

Sie sind also deutlich talentierter?
Ja, ein bisschen, würde ich sagen (lacht). 

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