Lade Inhalte...

Heimspiel Viel mehr als nur Haudrauf

Eintracht Frankfurt verfügt über individuelle Qualität - und kann deshalb der Statistik trotzen.

Cheftrainer Adi Huetter Eintracht Frankfurt und Co Trainer Armin Reutershahn Eintracht Frankfurt
Stark im Kollektiv: Die Mannschaft von Adi Hütter. Foto: imago

Vor ein paar Tagen wurden ein paar statistische Erhebungen unters Fußballvolk gestreut, die ganz interessant waren, nicht nur, aber gerade aus Frankfurter Sicht. Die Eintracht, national mit zehn Punkten sehr manierlich auf Rang sieben parkend und international mit weißer Weste als Tabellenführer unterwegs, kommt da, vordergründig betrachtet, nicht ganz so gut weg. Sie hat mit 70 Prozent angekommener Bälle die schlechteste Passquote der gesamten Liga, sie spielt zudem die meisten Langhölzer, in 21,5 Prozent der Gelegenheiten ziehen es die Spieler vor, den Ball mit einem beherzten Schlag weit weg zu befördern. Das führte gar dazu, dass in Frankfurt zumindest eine leise, dezente Diskussion einsetzte mit der übergeordneten Frage: Wie man denn, bitte schön, mit einem solchen Rumpelfußball so erfolgreich sein könnte? Das ist, mit Verlaub, völliger Nonsens. 

Die nackten Zahlen sagen sehr wohl etwas über die Spielweise aus, sie ist gewiss keine zum Zunge schnalzen, keine, die das feine Florett ins Gefecht führt. Es ist das Gegenteil davon: Die Eintracht kommt, um im Bild zu bleiben, mit dem Säbel daher oder, wenn gar nichts mehr hilft, einfach in bester Haudraufmanier mit der Keule – und das ist mitnichten abwertend gemeint. 

Der Trainer bringt eigene Ideen ein

Zur Wahrheit gehört nämlich auch, dass die Mannschaft von Trainer Adi Hütter mehr sprintet als jedes andere Team und auch mehr Zweikämpfe führt. Gerade die Intensität, das Tempo und die Vielzahl der Läufe sind Trümpfe, die die Frankfurter ins Spiel bringen. Akteure wie Ante Rebic, Mijat Gacinovic, die Außenbahnspieler Danny da Costa und Filip Kostic sind flink und dauerhaft unterwegs, auch Profis wie Sebastien Haller, Gelson Fernandes oder Jonathan de Guzman malochen unheimlich viel für das Kollektiv. 

Der Eintracht-Fußball ist eine konsequente Fortführung der Ära Niko Kovac, Adi Hütter hat den Stil verfeinert und mit eigenen Ideen angereichert. Diese Art des Fußballs, also Druck auf den Gegner ausüben, ihn bedingungslos beschäftigen und zu Fehlern zwingen, ist übrigens genau die Lesart des Spiels, für die der Österreicher steht. Er ist kein Fan des ewigen Ballbesitzfußballs, der sich, wie die Bayern und die Nationalmannschaft zeigen, sowieso längst überholt hat. Hütter ist ein Verfechter des Gegenpressings, des permanenten Bearbeitens und Attackierens, auch so sind im Übrigen die statistischen Werte zu erklären. Das Ziel ist nicht, den Kontrahenten dauerhaft zu dominieren, sondern ihm wehzutun, zu unkontrollierten Aktionen zu zwingen. Es ist kein Zufall, dass die Hessen zumeist weniger Ballbesitz haben als ihr Opponent. Es ist eine Art Zeckenfußball, unangenehm, nicklig, nicht immer schön, aber zweckdienlich und ungemein effizient. Vor dem Tor sind die Frankfurter eiskalt, haben eine hervorragende Chancenverwertung. Auch dies ist eine Frage der Qualität. 

Für diese Interpretation des Fußballs ist gerade ein Draufgänger wie Ante Rebic prädestiniert, er ist mit seiner Wucht und seiner Furchtlosigkeit das Trumpfass. Dummerweise fehlt der Kroate gegen Fortuna Düsseldorf aufgrund seiner Gelb-Roten Karte im letzten Auswärtsspiel in Hoffenheim. 

Es war eminent wichtig und nicht nur ein Signal nach außen, dass die Sportliche Leitung um Fredi Bobic und Bruno Hübner es schaffte, den 25-Jährigen am Main zu halten. Seine Verweildauer in Frankfurt, da muss man sich nichts vormachen, wird endlich sein. Womöglich wird der Stürmer schon im kommenden Saison eine neue Herausforderung suchen, eine, die ihm andere sportliche und vor allem monetäre Voraussetzungen bietet – Vertrag bis 2022 hin oder her.

Rebic fühlt sich wohl

Rebic steht dem Vernehmen nach bei Manchester United weit oben auf der Wunschliste von José Mourinho, auch die Bayern könnten noch mal umdenken, obwohl die Verantwortlichen des Rekordmeisters zuletzt noch skeptisch gewesen sein sollen. Der Angreifer tendierte, wie die FR bereits im Sommer aus gesicherten Quellen erfuhr, bereits nach der abgelaufenen Saison gen München. Für ihn kam nur ein Engagement an der Isar oder ein Verbleib in Frankfurt in Frage. Da sich der Bayern-Wechsel zerschlug, war für Rebic alsbald klar, im Hessenland weitermachen zu wollen. Er fühlt sich in der Stadt und im Verein wohl und wertgeschätzt. Für den Angreifer ein nicht zu unterschätzendes Gut. 

Rebic ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass ein eher dem mittleren Segment zugerechneten Team wie die Eintracht erfolgreich sein kann, wenn die individuelle Qualität und die entsprechende Formstärke stimmt. 

Die Idee, mit dieser Fußball-Philosophie etwas erreichen zu können, kann nur dann durchschlagen, wenn neben den Urtugenden und der Umsetzung der Vorgaben auch die persönlichen Fähigkeiten einiger Schlüsselspieler über dem Durchschnitt liegen. Wer nur viel rennt und gut steht und kompakt verteidigt, der hat gute Chancen, die Klasse zu halten, der wird aber nicht sehr viel höher klettern. 

Die Eintracht weiß das aus der Vergangenheit, als vieles auf den Schultern von Alex Meier lastete, der niemals spektakulär spielte, aber verlässlich einnetzte.   Meier gut, so lautete die gängige Formel, Eintracht gut. Viele Spieler, die den Unterschied machen können, hatten die Frankfurter selten auf dem Platz. Der sechste Platz unter Armin Veh, als die Eintracht mit einem überraschenden und erfrischenden Offensivfußball zu Werke ging, liegt bereits mehr als fünf Jahre zurück, zuletzt näherten sich die Hessen den Europapokalplätzen über die Liga wieder an – wegen eines guten Trainers, einer verschworenen Gemeinschaft und gestiegener individueller Klasse. 

Steigerung bei Sebastien Haller

Das ist auch jetzt wieder so. Der famose Ante Rebic sticht aus dem Ensemble sicher heraus, aber auch Luka Jovic hat herausragende Qualitäten, nicht nur, aber besonders im Torabschluss. Natürlich wird die Eintracht die Kaufoption ziehen, um den jungen Serben von Benfica Lissabon final nach Frankfurt zu holen. Zwölf Millionen Euro sind heutzutage für einen Mann dieses Kalibers nicht überwältigend viel Geld. 

Und auch Sebastien Haller hat sich um Längen gesteigert, der Franzose ist in der derzeitigen Verfassung aus der Mannschaft nicht wegzudenken. Das gilt auch für Neuzugang Filip Kostic, der ganz anders auftritt, bissig und mannschaftsdienlich nämlich, als fast alle dachten. Oder auch für Danny da Costa, den Dauerbrenner auf rechts. Oder natürlich für Makoto Hasebe, der seinen dritten Frühling erlebt. 

Auch die Innenverteidigung um den alten Haudegen Marco Russ und den überraschend abgezockten Youngster Evan Ndicka steht derart überzeugend ihren Mann, dass selbst Kapitän David Abraham nicht im Ansatz vermisst wurde. Und hinten in der Kiste gibt Kevin Trapp, der Rückkehrer, den nötigen Halt, den eine Mannschaft wie die der Eintracht einfach braucht.
Das bedeutet nicht, dass die Welle immer weiter geritten wird, Rückschläge sind programmiert. Aber ein stabiles Fundament ist zumindest vorhanden. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen