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Gelson Fernandes Old school

Gelson Fernandes von Eintracht Frankfurt sieht dem Pokalfinale mit Wehmut entgegen und will gegen Schalke 04 das Europa-Ticket lösen

Eintracht Frankfurt - HSV 3:0
Will auf Schalke dieses Mal länger als 33 Sekunden dabei sein: Abräumer Gelson Fernandes. Foto: Stefan Krieger

Im Wirbel um die märchenhafte Rückkehr des Alexander Meier inklusive seines Treffers zum 3:0 gegen den Hamburger SV ist ein bisschen untergegangen, wer eigentlich die Vorarbeit zu diesem Happyend à la Hollywood geliefert hatte. Natürlich hat Stopper David Abraham die feine Flanke geschlagen, was bemerkenswert genug ist, weil das feinen Flanken nicht direkt zur Kernkompetenz des rustikalen Argentiniers zählt. Zuvor aber hatte - nach einem fast schon amateurhaft verdaddelten Konterversuch von Omar Mascarell - ausgerechnet Gelson Fernandes seine Füße im Spiel: Der Schweizer Nationalspieler schlug einen prima Pass weit hinaus auf die rechte Seite, wo dann Abraham zu seinem kleinen Solo ansetzte. Auch diesen Ball von Fernandes ist man in Frankfurt eigentlich nicht gewohnt: Der 31 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler, eine wahre Frohnatur, gehört eher in die Rubrik kerniger Abräumer, er ist einer, der den Säbel statt des Floretts führt.

Gelson da Conceição Tavares Fernandes ist old school. Er rackert, ackert, macht und tut, zerstört, klaut die Bälle, er läuft seine Gegenspieler müde. Der Mann mit kapverdischen Wurzeln spult meist die meisten Kilometer aller Eintracht-Profis ab, am Samstag gegen den HSV waren es wieder 13 Kilometer. Seine spezifischen Fähigkeiten umschreibt er so: „Erfahrung, Wille, kämpferische Qualitäten.“ Seine spielerischen Mittel sind limitiert, ein moderner Sechser, der das Spiel aufbaut, ist er wahrlich nicht. Aber er weiß sich einzuschätzen, hat sich eine angenehme Ehrlichkeit bewahrt: „Gegen mich ist es schwer zu spielen, ich verteidige gut, aber ich habe nicht so einen Spielaufbau wie Xabi Alonso.“ Für die Offensive fällt er meist aus, Tore erzielt er so gut wie nie, in den 426 Spielen seiner Karriere für die unterschiedlichsten Klubs in unterschiedlichsten Ligen in der Schweiz, England, Frankreich, Portugal, Italien und Deutschland hat er 14 Mal getroffen, das ist nicht viel. „Wenn die Mannschaft auf meine Tore warten müsste, steigen wir ab“, sagte er einmal lachend.

Und nun wird er auch noch das Pokalfinale verpassen. 33 Sekunden nach seiner Einwechslung Mitte April im Halbfinale gegen Schalke sah der immer fröhliche Eidgenosse nach einem Foul an Leon Goretzka die Rote Karte, zwei Spiele Sperre. „Lieber ich raus als die Mannschaft raus“, sagt er jetzt. „Das ist okay.“ Noch hält sich der Schmerz über das verpasste Endspiel in Grenzen, aber das wird kommen, glaubt er, so um den 19. Mai herum. „Ich werde nicht mehr viele Pokalfinals in Deutschland erleben“, sagt er, „vielleicht“, feixt er im nächsten Moment, „im nächsten Jahr.“ Fernandes will aber die Mannschaft unbedingt mit einer Motivationsrede einschwören auf diesen Saisonhöhepunkt.

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