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Friedel Rausch Der Cowboy legt die Satteltasche ab

Der ehemalige Eintracht-Trainer Friedel Rausch holte mit der Mannschaft einst den Uefa-Pokal. Berühmt wurde er auch wegen eines Vorfalls, auf den er wohl gern verzichtet hätte. Ein Nachruf.

Friedel Rausch
Im April 2001 trat er den Posten als Eintracht-Trainer in Frankfurt erneut an: Friedel Rausch im Waldstadion. Im Alter von 77 Jahren starb Rausch nun in seiner Schweizer Wahlheimat. Foto: dpa (Archiv)

Als Friedel Rausch das zweite Mal das Traineramt bei Eintracht Frankfurt übernommen hatte, 2001 war das und der Klub steckte mal wieder in einer äußerst kniffligen Situation, da sagte der Mann aus dem Ruhrpott, auf sein fortgeschrittenes Alter angesprochen, einen legendären Satz: „Einem alten Cowboy pinkelt keiner in die Satteltaschen.“

Das hat bei dem damals 61-Jährigen auch keiner getan, allerdings ist der Klub dann im Mai 2001 dennoch zum zweiten Mal abgestiegen, nach einem 0:3 beim VfL Wolfsburg. Der Cowboy hatte seine Herde auf der Weide nicht im Zaum halten können, zu viel war in dieser Saison schief gegangen, erst Felix Magath, dann Rolf Dohmen, ein Manager, der sich als Trainer versuchte, zu viel sportliche Inkompetenz an entscheidender Stelle und deshalb half Rauschs naiver Glaube an das Unmögliche nichts mehr.

Viel erfolgreicher war Friedel Rausch, der jetzt im Kreise seiner Familie an den Folgen eines Krebsleidens in der Schweiz 77-jährig gestorben ist, gut 20 Jahre zuvor. Da hat er mir Eintracht Frankfurt den Uefa-Pokal gewonnen, nach zwei Spielen im Finale gegen Borussia Mönchengladbach, 1980 war das, und es sollte bis heute der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte sein. Dabei waren die Hessen in der Liga nicht besonders gut, Tabellenplatz neun, trotz Grabowski, Hölzenbein, Nickel, Pezzey, Körbel, Cha und Borchers.

Aber international lief es prima, Sitzkopfballtor von Hölzenbein, der 5:1-Sieg im Halbfinale gegen Bayern München, das Goldene Tor von Fred Schaub im zweiten Endspiel. Und doch gab es Zwietracht auf dem Bankett nach dem Triumph.

Und das kam so: Dort im Festsaal wurde Bernd Hölzenbein zugetragen, dass Friedel Rausch im Finale geplant hatte, ihn, den Weltmeister, auszuwechseln, er hat es dann doch nicht getan, was eine gute Entscheidung war, denn der „Holz“ bereitete den Siegtreffer vor. Hölzenbein, der Frankfurter Superstar, war aber darob sauer und zog tief beleidigt von der Party ab - nicht ohne vorher den riesigen Siegerpokal mitzunehmen. Und den brachte er erst anderntags, nach allerlei Aufgeregtheiten im Klub, zurück.

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