Lade Inhalte...

Frankfurter Pokalsieg von 1981 Der Sahnetag der Diva

An den 2. Mai 1981, diesen sonnigen Samstag in Stuttgart, erinnert sich Friedhelm Funkel mit Grausen. Noch heute verdreht der jetzige Eintracht-Trainer,

Ronald Borchers machte am 2. Mai 1981 vielleicht das Spiel seines Lebens. Foto: Imago

An den 2. Mai 1981, diesen sonnigen Samstag in Stuttgart, erinnert sich Friedhelm Funkel mit Grausen. Noch heute verdreht der jetzige Eintracht-Trainer, damals noch mit respektablem Vollbart ausgestattet und als legitimer Klon von Räuber Hotzenplotz auf den Fußballplätzen unterwegs, die Augen, wenn die Sprache auf dieses DFB-Pokalfinale zwischen den Fußballmannschaften aus Frankfurt und Kaiserslautern kommt. "Das Spiel habe ich aus meinem Gedächtnis gestrichen", sagt der damalige FCK-Profi schmunzelnd. Aus gutem Grund.

Funkel erlebte seinerzeit sein persönliches Waterloo, er spielte nicht nur "grottenschlecht", er machte an diesem Tage Bekanntschaft mit einem Entfesselten, einem Losgelösten, der für ihn zum Fußball spielenden Albtraum wurde: Ronald Borchers. Funkel hatte die undankbare Aufgabe, die Kreise des Frankfurter Mittelfeldspielers einzuschränken. Man darf nun, 25 Jahre später, behaupten, dass das nicht ganz so gut klappte wie ausbaldowert. "Der Ronny war der beste Mann auf dem Feld", gesteht Funkel heute ein, "der Ronny hat damals Weltklasse gespielt." Weltklasse, wow!

Borchers trumpfte im Neckarstadion in der Tat groß auf, er zog den Ball magisch an, er war schnell, pfeilschnell, er spurtete den armen Pfälzern, Funkel, Neues, Melzer, ja auch Briegel davon, so, wie er stets zu Sprinten pflegte, mit herausgestreckter Brust und hohlem Kreuz. Borchers, der feine Techniker, der immer auf dem schmalen Grat zwischen Pomadigkeit und Extraklasse wanderte, zelebrierte an diesem Nachmittag das schöne Spiel. Der sechsfache Nationalspieler, damals 24, riss seine Kameraden mit, Nachtweih, Pezzey, Hölzenbein, Cha, den ebenfalls überragenden Nickel, die Eintracht zauberte sich in einen Rausch. "Wir hatten einen Sahnetag", erinnert er sich. "Wenn es um etwas Große ging, dann war es verdammt schwer, uns zu schlagen." Das sah damals auch die Frankfurter Rundschau so. Nach dem 3:1-Triumph schrieb sie: "Die Eintracht bevorzugt es, von Glanztat zu Glanztat über tiefe Leistungstäler zu hüpfen, um zum Ruhm zu kommen. Die Eintracht ist eine typische Kür-Mannschaft. Wehe dem, der sich, wenn sie in Laune ist, ihr in den Weg stellt."

Willi Neuberger eröffnete den Torreigen mit einem gewaltigen Schuss, der "wie ein Luftkissen über den Rasen schoss" (FR). Borchers muss lachen, wenn er an diesen mächtigen Dropkick denkt. "Das war so ein Ding zwischen Fußbruch und Wahnsinn - da war es Wahnsinn." Borchers hob kurz drauf den Ball zum 2:0 ins Netz, das 3:0 durch Cha bereitete er mit einer butterweichen Flanke vor. Die Eintracht hatte die Lauterer überrannt, "überspielt", korrigiert Borchers, der mit seinem damaligen Trainer Lothar Buchmann so manchen Strauß auszufechten hatte. Buchmann passte Borchers Wankelmut nicht, Laissezfaire war ihm zuwider. "Wenn es gegen die Bayern vor 60 000 ging, konnte ich mich auf ihn verlassen, aber wenn gegen Duisburg nur 10 000 Zuschauer da waren, hatte Ronny keine Lust." Borchers, die Diva, passte wie die Faust aufs Auge zur Eintracht.

Um den Schlendrian auszutreiben, ordnete Buchmann vor dem Pokalfinale ein Trainingslager in der Erbismühle an. Die Einheiten waren knüppelhart, "einige sind zusammengebrochen" (Bernd Hölzenbein). Buchmann scheuchte s die Spieler einen Skihang hoch und runter. "Wir dachten, der hat 'ne Meise", sagt heute Charly Körbel.

Die Lauterer indes ließen es locker angehen, sie hatten die Eintracht zwei Wochen zuvor 2:0 abgefertigt, "die Anspannung war raus", bedeutet der damalige FCK-Coach Karl-Heinz Feldkamp. Die Frankfurter Spieler hingegen hatten Schaum vor dem Mund. "An diesem Tag", sagt Borchers, "waren wir durch nichts und niemanden zu stoppen."

Es war im Übrigen das letzte Spiel von Bernd Hölzenbein, der nach Fort Lauderdale wechselte. Holz ging leer aus, weil er einmal den Ball übers leere Tor drosch - den Querpass hatte Ronny Borchers gespielt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen