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Fischer kontra AfD „Kein Platz für braune Brut“

Eintracht-Präsident Fischer kontra AfD: Die Partei kündigt „strafrechtliche Prüfung“ an.

Peter Fischer
Stemmt sich gegen Rechts: Eintracht-Präsident Peter Fischer. Foto: imago

Die Debatte ist in die nächsten Runden gegangen, und der Ton verschärft sich: Nachdem Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer zu Weihnachten deutlich gemacht hatte, keine AfD-Anhänger im Verein haben zu wollen, haben Vertreter der Partei reagiert. Darauf wiederum reagierte Fischer, was die nächste Reaktion nach sich zog.

Der Reihe nach: Im „FAZ“-Interview hatte der seit 17 Jahren amtierende Klubchef in Bezug auf die AfD gesagt: „Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt.“

Landessprecher wollen Mitglied werden

Die beiden Landessprecher der AfD Hessen, Robert Lambrou und Klaus Herrmann, kritisierten daraufhin, Fischer begebe sich „ins demokratische Abseits“. Per schriftlicher Mitteilung ergänzten sie: „Bei einer Mitgliedschaft sollte nicht die politische Überzeugung zählen, sondern die sportliche Ausrichtung.“ Zudem stellten sie, laut Selbstauskunft „demonstrativ“, Mitgliedsanträge bei der Eintracht.

Der Gießener AfD-Bundestagsabgeordnete Uwe Schulz schrieb einen Offenen Brief an Fischer, den er auf seiner Facebookseite veröffentlichte. Darin lud er den Eintracht-Präsidenten, unterfüttert von unverhohlenem Sarkasmus, zu einem persönlichen Kennenlernen ein. Das neue Jahr sei schließlich ein guter Zeitpunkt für gute Vorsätze: „Nutzen Sie die Chance, lieber Herr Fischer.“

Erika Steinbach, die vormalige Frankfurter CDU-Politikerin, schrieb: „Es wäre lohnenswerter, wenn Sie sich mehr um Ihre ziemlich radikalen Fans kümmern würden. Das ersparte unseren Ordnungshütern viel Arbeit.“ Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel twitterte: „Irgendwie belustigend, zu was sich drittklassige Proleten eines Fußballvereins so äußern.“

Fischer präsentierte sich unbeeindruckt von den Reaktionen, die auf seiner Facebookseite und in Mails an den Verein inzwischen jedes Maß verlieren. Im Interview des Hessischen Rundfunks sagte er kurz vor Jahresende: „Ich schäme mich für 13 Prozent der Bevölkerung, die die AfD gewählt haben. Ich will ihnen keinen Millimeter Fläche geben.“ Es gäbe „für die braune Brut keinen Platz. Solange ich da bin, wird es keine Nazis bei Eintracht Frankfurt geben.“

Die hessische AfD befand daraufhin: „Allerspätestens mit diesen Äußerungen wurde von Herrn Fischer eine rote Linie deutlich überschritten, die eine strafrechtliche Prüfung von unserer Seite einfach zwingend erforderlich macht.“

Fischer kündigte an, auf der Mitgliederversammlung der Eintracht am 28. Januar, bei der er zum sechsten Mal kandidieren wird, gegen die AfD Stellung zu beziehen. Die Mitgliedsanträge der beiden AfD-Politiker Lambrou und Herrmann hätten keine Erfolgsaussicht. „Die Satzung besagt, dass bei uns der Präsident und der Verwaltungsrat über die Aufnahme von Mitgliedern abstimmen. Wir stehen gegen Antisemitismus“, argumentierte der 61-Jährige im HR.

In Paragraf 11 der Satzung des Fußball-Bundesligisten heißt es unter anderem eine „ablehnende Entscheidung“ über einen Aufnahmeantrag bedürfe „keiner Begründung“.

Unter den fast 48 000 Eintracht-Mitgliedern gibt es, glaubt man sowohl den Ergüssen auf Fischers Facebook-Account als auch dem gesunden Menschenverstand, natürlich auch AfD-Wähler. Fischer ist sich dessen bewusst, „aber ich werde sehr deutlich klarmachen, was wir davon halten und dass der Verein für andere Werte und Ziele steht“. Ein Ausschluss ist laut Paragraf 14 der Satzung aber nur bei nachgewiesenem „vereinsschädigendem Verhalten besonderer Schwere, insbesondere bei Fällen von Diskriminierung, Rassismus und Gewalt“ möglich.

SPD unterstützt Fischer

In der „Frankfurter Neuen Presse“ mischte sich der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel in die Debatte ein: „Fußball lebt von Respekt und Toleranz. Die AfD steht für das brutale Gegenteil.“ Er sei Fischer deshalb „dankbar für seinen Vorstoß und seine Haltung“. Auch Roland Frischkorn vom Sportkreis Frankfurt betonte, er sei dankbar dafür, dass Fischer als Vorsitzender des größten Frankfurter Sportvereins so klare Worte gefunden habe. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte auf Anfrage der Zeitung, er wolle die „Äußerung von Herrn Fischer nicht kommentieren“.

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