Lade Inhalte...

Filip Kostic Wider alle Vorurteile

Eintracht-Profi Kostic ist ein ganz anderer Spieler, als viele gedacht haben.

1899 Hoffenheim - Eintracht Frankfurt
Fleißig: Filip Kostic (l.) legte gegen Hoffenheim ein Tor vor, sprintete 33 Mal und gewann 14 Zweikämpfe. Foto: dpa

Es könnte einer dieser taktischen Kniffe gewesen sein, der Eintracht Frankfurt rückblickend betrachtet zu einer bislang erfolgreichen Saison verholfen hat. Gemeint ist jener vom 23. September, am vierten Spieltag der Fußball-Bundesliga, die Eintracht in der eigenen Arena gegen RB Leipzig gefordert. Da konnten Reporter, Fans, vielleicht sogar der eine oder andere Spieler nicht ganz glauben, wie Trainer Adi Hütter die Frankfurter Mannschaft da angeordnet hatte. Klar, Dreier- statt Viererkette, das kannte man ja schon von Vorgänger Niko Kovac. Auch dass Hütter liebend gerne zwei echte Spitzen aufbietet, war nun wirklich keine allzu große Neuigkeit. 

Mit der Besetzung der linken Bahn dagegen hatte niemand gerechnet. Simon Falette war da in Abwesenheit des gesperrten Jetro Willems vorab in der Verlosung, auch Taleb Tawatha - sollte er denn rechtzeitig fit werden. Gar die jugendliche Variante mit Deji Beyreuther schien eine Option zu sein. Pustekuchen. Filip Kostic hieß die Hüttersche Lösung für die Problemzone. Und spontan hinterließ sie erst einmal fragende Blicke: Kostic? Das ist doch der, der so ungern nach hinten arbeitet. Der, der nur für die eigenen Glanzlichter gegen den Ball tritt. Der, der als Paradebeispiel für den unschönen Begriff Fußballsöldner steht. Adi Hütter, der österreichische Fußballlehrer aus Vorarlberg, wusste es besser. Oder er ahnte es zumindest.

„Wenn man mal in einer Schublade drinsteckt, ist es schwer, da wieder rauszukommen“, sagte Hütter am Sonntag nach dem 2:1-Erfolg der Eintracht über Hoffenheim. Er meinte damit Filip Kostic, der, um im Bild zu bleiben, in einer Schublade feststeckte, die derart knarzte, die derart verklemmt war, dass sie sich selbst unter Einsatz größter Muskelkraft anfangs nur Zentimeter für Zentimeter öffnen ließ. Bis, ja bis der Widerstand dieser elendig knarzenden, verklemmten Schublade endlich gebrochen war und sie einem quasi entgegensprang. „Man muss Filip ein Kompliment machen, wie er sich präsentiert“, sagte Hütter, „tolle Verpflichtung, guter Junge.“Zweifelsohne, seit der Verpflichtung Mitte August - Kostic wurde von der Eintracht für zwei Jahre vom Hamburger SV ausgeliehen - hat der 25-jährige Serbe nahezu alle Vorurteile eindrucksvoll widerlegt. Schon bei seinem Debüt als verkappter Linksverteidiger gegen Leipzig machte Kostic ein gutes Spiel, verursachte zwar einen Handelfmeter, wusste aber mit viel Fleiß zu überzeugen. Seitdem ist er gesetzt. Und steigert sich von Spiel zu Spiel. Mit dem Höhepunkt am Sonntag in Sinsheim. 

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen