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Fan-Reaktionen Das Denkmal zerstört

Niko Kovac verlässt Eintracht Frankfurt. Die Anhänger des Clubs zeigen auch ihm die kalte Schulter.

Bayer Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt
Die Fans der Eintracht: lautstark gegen Leverkusen. Foto: rtr

Den Auftritt der Eintracht-Fans in Leverkusen wertete der Frankfurter Vorstand Axel Hellmann kurzerhand als „bemerkenswert – das nötigt mir allen Respekt ab“. Und auch sein Kollege im Führungszirkel, Fredi Bobic, war ob des ungeheuer lautstarken Supports angetan: „Unsere Fans haben ein sehr gutes Gespür für die Situation und Feingefühl bewiesen.“ Eine durchaus befürchtete Eskalation oder Tiraden gegen den scheidenden Trainer Niko Kovac blieben aus. Ganz bewusst. Darauf hatten sich die Gruppierungen verständigt.

Selbst nach dem Abpfiff, der eine herbe 1:4-Niederlage besiegelte, gab es laute Sprechchöre und tosenden Applaus für die Spieler. Es war aber auch ein klares Signal der Kurve an den Seitenwechsler, dem sie demonstrativ die kalte Schulter zeigten. Sie pfiffen Niko Kovac nur mal kurz aus, als sein Name vom Stadionsprecher verlesen wurde, danach beschränkten sie sich darauf, ihre Mannschaft zu unterstützen, frei nach dem Motto: Der Verein steht über allem. Diese Botschaft brachten sie später singend und keineswegs plump zum Ausdruck: „SGE, wir sind da, jedes Spiel, ist doch klar, Spieler kommen, Trainer gehen – scheißegal, die SGE.“ Und natürlich wollen sie dem mittlerweile nicht mehr so frei aufspielenden Team auf den letzten Metern der langen Saison helfen und es beflügeln. Eine gekippte Stimmung wäre da nicht sehr hilfreich.

Das ändert indes nichts daran, dass die  heiße Liebesbeziehung der Anhänger zu Niko Kovac abgekühlt ist – unter den Nullpunkt sogar. Der Kroate hat es binnen kürzester Zeit geschafft, fast die gesamte Fanszene gegen sich aufzubringen.

Kovac wird gewiss nicht vorgeworfen, den Verein zu verlassen und sich den Bayern anzuschließen, was die Fans zwar nicht toll finden, aber zähneknirschend irgendwie akzeptieren könnten. Nein, es ist die gnadenlose, unterkühlte Art des 46-Jährigen, die so bitter aufstößt, und dass er seinen eigenen moralischen Ansprüchen nicht gerecht wird. Es ist die Scheinheiligkeit und die leise Ahnung, belogen und betrogen worden zu sein, die den Anhängern so zusetzt. Und auch das Gefühl, den Mann, dem sie vertrauten und glaubten und für einen besseren Menschen hielten, offenbar nie richtig gekannt zu haben. Denn Kovac ließ am Freitag seine Maske herunter und zeigte sein zweites Gesicht, das die meisten gar nicht kannten. Er hat sich binnen 36 Stunden selbst demontiert und sein fast schon errichtetes Denkmal mit einem Schlag zerstört. Schafft auch nicht jeder in dieser Rekordzeit.

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