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Europa League Hoffen auf den Brustlöser

Für Eintracht Frankfurt ist der erste Europapokalauftritt nach fast fünf Jahren Chance und Risiko zugleich: Das Team kann sich Selbstvertrauen holen oder in einen Abwärtsstrudel geraten.

Eintracht Frankfurt
Warmmachen im Stade Velodrome: Luka Jovic (vorne) und Co. üben auf französischem Untergrund. Foto: Jan Hübner

Ein paar harmlose Schleierwolken am azurblauen Himmel, die noch immer kräftige Sonne erwärmte die Atmosphäre an der Côte d’Azur auf gut und gerne 30 Grad: Doch Urlaubsfeeling kam bei den Profis von Eintracht Frankfurt keines auf, als sie mit ihrer Chartermaschine um die Mittagszeit in Marseille am Golf du Lion landeten, über den Hinterausgang das Terminal verließen und von Fahrer Rolf Gewehr mit seinem souverän ans „Tor zum Mittelmeer“ chauffierten Mannschaftsbus in Empfang genommen wurden. 

Per Eskorte ging es durch die zweitgrößte französische Stadt ins Teamhotel, die polizeiliche Sonderbehandlung machte wegen der doch arg verstopften Straßen Marseilles durchaus Sinn. Anschließend Mittagsruhe, Pressekonferenz, Abschlusstraining im mächtigen Stade Vélodrome, das gestern leer stand und auch heute beim Spiel leer stehen wird. Was dennoch deutlich zu spüren war: So langsam steigt das Fieber, es prickelt und kitzelt, die Spannung steigt im selben Maße wie die Anspannung. Spätestens seit der gestrigen Anreise riecht es nach Europapokal. „Man spürt das Kribbeln richtig“, sagt Filip Kostic. „Wir haben Bock auf die Europa League.“

Für die Eintracht ist die erste Europapokalbegegnung seit fast fünf Jahren eine ganz besondere. Es fühlt sich so ein bisschen an, als würde man nach Hause kommen. Der Verein, Uefa-Cup-Sieger 1980, hat einen internationalen Anstrich, die Stadt und die Region ebenfalls, findet Vorstand Axel Hellmann. „Man sieht sich als Metropolregion auf Augenhöhe mit Paris und London. Dahinter steckt natürlich viel Traum und Wunschvorstellung, aber das projiziert sich auf den Klub.“ Die Eintracht, nicht immer, aber sehr oft Frankfurt liebstes Kind und nach dem Pokaltriumph noch ein wenig mehr, hat sich Multikulti auf die Fahne geschrieben, das dokumentiert nicht nur die vielschichtig zusammengestellte Mannschaft mit Spielern aus allerlei Herkunftsländern.

Die Eintracht mag Europa, und die Eintracht kann Europa. Von den vergangenen acht internationalen Spielen hat sie nur eines verloren (2:4 in Tel Aviv), gerade die letzten Auftritte bleiben in bunter Erinnerung: das Fußballfest in Bordeaux, das wilde Spektakel samt heroischem Kampf gegen den großen FC Porto. „Das vergisst man als Spieler nie“, sagt Torwart Kevin Trapp. „Das sind Momente, von denen erzählst du dein Leben lang.“ Damals schloss die Eintracht die Gruppenphase als Erster ab, doch hat sie in diesem Jahr eine reelle Chance, überhaupt ins Sechzehntelfinale einzuziehen? Dazu müsste es schon ziemlich perfekt laufen. 

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