Lade Inhalte...

Es war einmal We don’t like mondays

Die FR blickt zurück auf das letzte Spiel von RB Leipzig in Frankfurt und erinnert an einen Ausnahmezustand bei der Montagsdemo im Stadtwald, Besuche an der Linie, Tennisbälle und die Folgen.

Eintracht Frankfurt - RB Leipzig
Im Bällebad: Péter Gulácsi räumt seinen Strafraum auf. Foto: dpa

Es war wahrlich kein normales Bundesligaspiel, und das lag am Gegner, dem ungeliebten RB Leipzig, es lag am ungeliebten Spieltag, einem Montag, vor allem aber lag es an dem zum Teil beeindruckenden Fanprotest, der sich weitgehend friedlich artikulierte. Und diese Partie an jenem 19. Februar dieses Jahres, das allererste Montagsspiel in der Bundesliga-Historie, sollte hohe Wellen schlagen und später Frankfurt ein Länderspiel kosten. 

Vor allem aber war es laut im Stadion, sehr laut, ohrenbetäubend laut. Selbst die Spieler unten auf dem Rasen konnten sich kaum verständlich machen. Es war so laut, dass der Leipziger Angreifer Timo Werner, der eigentlich nach der Halbzeit eingewechselt werden sollte, kniff; da gehe er nicht raus, bedeutete er. Er kam dann erst eine Viertelstunde vor Schluss in dieses Spiel. Mit 5000 Trillerpfeifen machten die Anhänger ihrem Unmut Luft, „wir pfeifen auf das Montagsspiel - wir bestimmen den Ton“, war das Motto. 

Aktionen mit dem Club abgestimmt

Der Protest brach sich aber schon vor dem Anpfiff Bahn: Da strömten mehrere tausend Fans an den Rand des Spielfeldes, standen oder knieten unmittelbar an der Außenlinie hinter dem Tor zur Nordwestkurve und an der Seite. Erst nach Minuten, das Spiel lief bereits, zogen sie sich wieder in ihre Kurve zurück. Schiedsrichter Felix Zwayer, der über alle Aktivitäten informiert war (wie auch die Leipziger), hatte angepfiffen, als sich die überwiegende Mehrzahl der Protestierenden noch im Innenraum befanden. 

Mit einiger Verzögerung begann auch die zweite Halbzeit, denn aus dem Block wurde Toilettenpapier und tausende von Tennisbällen auf den Rasen geworfen. Und als fleißige Kräfte den Strafraum halbwegs gesäubert hatten, folgte die nächste Ladung; dreimal wiederholte sich das spektakuläre Schauspiel. 

All diese Aktionen, auch der Einspieler der Boomtown Rats „I don’t like mondays“, waren mit der Eintracht abgestimmt. „Wir haben das nicht genehmigt, aber geduldet“, sagte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann hinterher, der freilich, wie die absolute Mehrheit der 36 Bundesligaklubs diesen Montagsspielen auf der Ligaversammlung der DFL ausdrücklich zugestimmt hatte. „So eine Atmosphäre ist eigentlich nicht die, die man bei einem Bundesliga-Spiel braucht“, zog Hellmann Bilanz. „Wir haben alles getan, um deeskalierend zu wirken. Die Wucht durfte nicht außer Kontrolle geraten. Letztlich war es friedlich, unvermummt, gewaltfrei, pyrofrei. Sie sind gekommen, sie sind gegangen. Und es konnten zwei Halbzeiten gespielt werden.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen