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Es war einmal Dreier-Meier und ein Ego-Trip

Eintracht Frankfurt ist gegen den VfL Wolfsburg erst „völlig neben der Kappe“, gewinnt dieses Spiel aber trotzdem.

Eintracht Frankfurt
Applaus, Applaus. Alex Meier (Mitte) und Marco Fabian (rechts) klatschen Beifall – wahrscheinlich sich selbst und das mit Recht. Foto: Imago

Kein Mensch hatte im Stadtwald nach 45 Minuten noch einen Pfifferling auf diese Frankfurter Mannschaft gegeben. Zu unterlegen waren die Hessen, zu dominant die Wolfsburger, als dass irgendeiner an diesem 24. Januar 2016 noch eine leise Hoffnung gehabt hätte, es war ein Klassenunterschied zu sehen. „Wir waren“, urteilte seinerzeit Trainer Armin Veh hart, aber treffend, „völlig neben der Kappe.“ Das Beste am Spiel, hatte Veh zur Pause seinem komplett neben den Schuhen stehenden Team gesagt, sei das Ergebnis, die Eintracht lag nur mit 0:1 hinten. 

Die Wolfsburger ließen in der ersten Halbzeit klarste Torchancen ungenutzt. Im Grunde ging es im ersten Rückrundenspiel nur noch um die Höhe der Niederlage. Nach der ersten Halbzeit, sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen später bei der Analyse, „musste einem Angst und Bange um die Eintracht werden.“ So dominant und so überlegen waren die Wölfe. „Zur Pause muss es 3:0 oder 4:0 stehen und dann gehst du hier mit einem lachenden Gesicht raus“, resümierte Dieter Hecking, damals Coach des VfL Wolfsburg. Doch am Ende lachten andere.

Was immer Trainer Veh beim Halbzeittee gesagt haben mag: Es stand im zweiten Abschnitt eine andere Eintracht-Mannschaft auf dem Platz. Eine, die sich wehrte und ihr zuvor stark klopfendes Herz in beide Hände nahm. Und es wurde die Halbzeit des Alexander Meier: Der Mann, der den Unterschied machte, schien in der ersten Stunde gar nicht auf dem Platz zu sein. Der „Lange“ war unsichtbar, nahm am Spiel nicht teil. Bis zur 66. Minute hatte der damals 33-Jährige sage und schreibe 13 Ballkontakte. Doch mit seinem 14. erzielte er das 1:1, dann sogar das 2:1, und in der Nachspielzeit das nicht für möglich gehaltene 3:2, es war sein 24. Ballkontakt, Sekunden später war die Partie beendet, die Hessen hatten eine Begegnung gewonnen, von der sie heute noch nicht wissen, wie sie das geschafft hatten. Schon mit einem 2:2 wäre jeder Frankfurter hochzufrieden gewesen. Der Sieg brachte der Eintracht ein wenig Luft im Abstiegskampf.

Es war auch das Spiel des als „pfeilschnellen Linksaußen“ angekündigten Mexikaners Marco Fabian. Er kam zur Pause für den indisponierten Haris Seferovic ins Spiel, eine pädagogische Maßnahme, wie Veh später erläuterte. Seferovic sei nicht wegen schlechter Leistung ausgetauscht worden, sondern weil er, Veh, dessen „Ego-Trip“ satt habe. „Wenn einer immer sein Ego herauskehrt, dann habe ich irgendwann die Schnauze voll.“ Aber zurück zu Fabian. Der Neue, in der Winterpause verpflichtet, fügte sich gut ein, war an allen Toren irgendwie beteiligt, aber das dritte hatte er mit einem feinen Solo direkt vorbereitet. Aber er war, und das stellte sich bald heraus, alles, nur kein Linksaußen. Er rückte sehr schnell ins zentrale Mittelfeld. Zwar erst drei Wochen in Frankfurt, hatte der für 3,7 Millionen aus Guadalajara geholte Mexikaner die wichtigste Lektion schon gelernt: „Du musst nur Alex den Ball geben, dann schießt er die Tore.“ So einfach funktionierte die Eintracht.

Mit feinem Humor feierte Marc Stendera den Matchwinner: „Wir sind alle fassungslos über Meier. Er macht ja sonst nicht allzu viel. Aber vorne ist er dann da. Das ist dann Weltklasse.“ Und auch Klaus Allofs, damals Manager beim VfL, konnte sich ein Lob für Meier nicht verkneifen. „Mit seiner heutigen Torquote hätte er bei uns sieben Tore gemacht.“ 

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