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Eintracht - Wolfsburg Eintracht kann ja doch verlieren

1. UpdateEin ungewohntes Gefühl für Eintracht Frankfurt. Nach den erfolgreichen Spielen der Vergangenheit verlieren die Hessen vor eigenem Publikum.

Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg
Enttäuscht nach sehr viel Aufwand: Filip Kostic. Foto: Heiko Rhode

Nachdem die phänomenale Serie dann tatsächlich gerissen war und Eintracht Frankfurt mal wieder spürte, wie schmerzhaft sich Niederlagen anfühlen können, ist der Frankfurter Mittelfeldspieler Mijat Gacinovic gefragt worden, wie denn nun die Stimmung im Team sei. Der serbische Nationalspieler schaute etwas verdutzt und antwortete lächelnd: „Die Stimmung ist super.“ Das war nicht mal ironisch oder hämisch gemeint, er bezog das eher auf die generelle Großwetterlage, nicht explizit auf diese bittere, aber letztlich nicht unverdiente Schlappe zu Hause gegen den VfL Wolfsburg, dieses 1:2 (0:1), das die Eintracht erstmals seit zwölf Pflichtspielen wieder leer ausgehen ließ. Ein ungewohntes Gefühl. „Aber so ist das im Fußball“, sagte Gacinovic. „Wir sind zwar enttäuscht, aber manchmal verliert man halt auch.“ Kennt man nur nicht mehr in Frankfurt. 

Das letzte Mal hatte die Eintracht vor mehr als zwei Monaten eine Niederlage hinnehmen müssen, damals waren die Tage noch länger und schön mild, die Hessen hatten sich nicht mal ansatzweise gefunden und waren Borussia Mönchengladbach beim 1:3 heillos unterlegen. Heute wird die Pleite gegen den VfL Wolfsburg als große Überraschung gewertet. 

Die Eintracht hat die Chance verpasst, mit einem Sieg, es wäre der elfte im zwölften Spiel gewesen, auf Platz zwei zu springen. Die Spieler wirkten jedoch eher trotzig denn frustriert: „Wir haben in dieser Saison, die Chance, etwas Großes zu erreichen“, sagte Jetro Willems. „Wir wussten, dass es irgendwann mal so weit sein wird und wir auch mal wieder verlieren werden, aber wir werden schon nächste Woche die richtige Antwort geben.“ Dann geht es zu Hertha BSC.

Die Niederlagen gegen den VfL war sicher kein Beinbruch, die Eintracht enttäuschte auch nicht auf ganzer Linie, aber es fehlten halt Kleinigkeiten. „Wir haben nicht so gut Fußball gespielt“, sagte Trainer Adi Hütter. „Teilweise haben wir schlampig gespielt, wird waren nicht so griffig wie in den letzten Monaten.“ Der Coach war sehr wohl enttäuscht, verloren zu haben. „Aber ich ordne die Niederlage so ein wie die Siege zuvor.“ Womöglich, befand der Österreicher, habe ein bisschen die Frische gefehlt. „Wir waren nicht so spritzig, entschlossen und griffig wie zuletzt.“ Er meinte vor allem die mentale Beschaffenheit seines Teams. Generell sei er aber absolut einverstanden mit dem Leistungsbild. „Wir sind in einem Entwicklungsprozess, der noch nicht abgeschlossen ist.“ Ändern wird er nun nichts, weshalb auch? 

Russ lässt sich weglocken

Die Eintracht traf auf einen Kontrahenten, der sich sehr abgezockt präsentierte, zweikampfstark, nickelig und standhaft. „Wir haben eine andere Note gezeigt“, resümierte VfL-Trainer Bruno Labbadia. „Wir haben brutal vereidigt.“ Normalerweise sind die „Wölfe“ eher offensiv ausgerichtet. 

Vor allem kamen die drei Klassestürmer der Eintracht nicht so zum Zuge (siehe Bericht auf den nachfolgenden Seiten), Luka Jovic wirkte irgendwie schlapp und fast schon pomadig, auch wenn er die Eintracht mit seinem Anschlusstreffer spät ins Spiel zurück brachte (87.). Da lagen sie aber schon mit 0:2 hinten. Das war zu viel. 

Dabei legten die Frankfurter genau so los, wie man es von ihnen gewohnt ist, mit offenem Visier und rasantem Offensivfußball. Nach nur neun Minuten lag das erste Tor in der Luft, VfL-Verteidiger William hatte Eintracht-Angreifer Ante Rebic mit hohem Bein erwischt, Schiedsrichter Sascha Stegemann zögerte nicht lange und entschied auf Strafstoß für die Eintracht – das war freilich bevor sich der Videoassistent aus Köln zuschaltete und den Tatort vor die Sechzehnmeterlinie verlegte. Freistoß statt Elfmeter, Schuss in die Mauer von Filip Kostic statt Führungstreffer durch Sebastien Haller. Kann passieren. 

Die Hessen blieben aber am Ball, okay, sie zündeten nun ganz gewiss kein Feuerwerk, vieles blieb im Ansatz stecken, dieser unbändige Willen, diese Gier und dieser Hunger – all das war lange nicht so wirklich zu erkennen. Die Körpersprache von Luka Jovic etwa ließ durchaus zu wünschen übrig, auch Ante Rebic und Sebastien Haller fanden nicht so den rechten Zugriff aufs Spiel. Die Platzherren hätten dennoch führen können, nach einem Zuspiel von Kostic traf Jonathan de Guzman nur den Pfosten (14.) und nach einer Flanke von Rebic köpfte Jovic am Tor vorbei (26.). Doch insgesamt war das zu überhastet, nicht klar und zielstrebig genug. Konnte der Schuss von Wout Weghorst (27.) noch als Warnsignal verstanden werden das die Frankfurter offenbar nicht als solches interpretierten, klingelte es nur kurz darauf. Rebic vertändelte im Mittelfeld den Ball, Marco Russ ließ sich von seinem Gegenspieler weglocken, und Sekunden später hatte Admir Mehmedi den Ball zur Führung der Wolfsburger im Frankfurter Netz verstaut (31.). 

Die sehr abgezockten Wolfsburger machten das in der Folge sehr clever, sie nahmen den Druck aus dem Spiel, verzögerten, blieben auch mal etwas länger auf dem Rasen liegen als unbedingt nötig. „Sie haben uns sehr provoziert“, klagte etwa Makoto Hasebe. Sicher nicht die feine Englische Art, aber sehr zweckmäßig, sie nervten die Platzherren, nahmen den Rhythmus aus dem Eintracht-Spiel, die Hessen waren mehr mit sich, dem Gegner und ständigem Reklamieren beschäftigt, als sich wirklich an ihr taktisches Grundkonzept zu halten. 

Die Eintracht wirkte erstmals etwas müde, körperlich, aber vor allem geistig. Und der VfL war vorne eiskalt, Daniel Ginczek stellte auf 2:0 (68.), und es war zu spüren, dass die Eintracht sich davon nicht mehr würde erholen können – der Treffer von Jovic kam zu spät (87.). Dass diese Niederlage die gefestigten Frankfurter aus den Schuhen kippen wird, ist dennoch eher nicht zu erwarten. 

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