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Eintracht Veh meiert Seferovic ab

Eintracht-Trainer Armin Veh zürnt: „Irgendwann habe ich die Schnauze voll“. Grund für die Aufregung ist Stürmer Haris Seferovic.

Harte Zeiten: Haris Seferovic (re.), hier gegen Max Kruse. Foto: pressehaus/heinen

Armin Veh war nach diesem ziemlich wahnwitzigen Bundesligaspiel im Stadtwald eigenem Bekunden zufolge „total happy“. Mitgenommen, aber glücklich. So ein nie für möglich gehaltener Last-Minute-Sieg nach übelster erster Halbzeit lässt einige Felsbrocken vom Herzen rollen. Doch dann, urplötzlich, kippte seine Stimmung. Da war kein Lächeln mehr auf seinen Lippen, die Stimme bebte gar ein wenig. Nur weil einer nach Haris Seferovic gefragt hatte und den Grund für seine Auswechslung erfahren wollte. Da platzte dem Frankfurter Trainer der Kragen. „Wenn hier einer meint, seinen Egotrip ausleben zu müssen, dann soll er es machen. Aber nicht bei mir und nicht bei uns.“

Veh hatte den 23-Jährigen nach 45 Minuten vom Feld geholt, nachdem dieser noch ein Stückchen schwächer als seine Mitspieler aufgetreten war. Seine Leistung war grottenschlecht, doch das hätte ihm der Fußballlehrer nachgesehen. „Es geht nicht um eine schlechte Leistung“, sagte Veh und präzisierte: „Da schütze ich meine Spieler immer. Da würde ich nie etwas sagen. Aber wenn hier einer sein eigenes Ding macht und sich über die Mannschaft stellt – das geht nicht.“

Veh ging es vor allem um die demonstrative Lustlosigkeit des Schweizer Nationalspielers. „Das war ja nicht das erste Mal, das geht schon sehr lange so“, polterte der Coach und ließ an Seferovic kein gutes Haar. „Ich brauche ihn, klar, wir haben ja keine Stürmer, aber irgendwann habe ich die Schnauze voll.“ Klang fast nach Ende der Fahnenstange.

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Der Coach stört sich an der Einstellung des Spielers zu seinem Beruf und zu seiner Haltung. Schon im Trainingslager in Abu Dhabi soll es die eine oder andere wenig professionelle Aktion des Profis gegeben haben. Jetzt hatte Veh genug. „Ihr Journalisten schreibt doch immer, was das für ein Wahnsinns-Kämpfer ist. Ich sehe das anders.“ Und der Schweizer mit bosnischen Wurzeln sei auch nicht der Torjäger, den viele in ihm sehen. „Er hat drei Tore gemacht, davon ein Elfmeter“, sagte Veh. „Das ist für mich kein Torjäger.“

Der 54-Jährige riet seinem Stürmer, sich Mitspieler Alexander Meier als Vorbild zu nehmen. „Er kann sich von Alex ein ganz großes Stück abschneiden. Vielleicht kann er dann mal irgendwann mal dahinkommen, wo Alex ist“, beschied Veh. Meier sei als Fußballer so weit gekommen, weil er „ein anständiger Kerl ist und weil er danach lebt.“ Auch das eine schallende Ohrfeige für Seferovic.

Der Nationalspieler der Eidgenossen hatte schon zur Pause beim Gang in die Kabine seinem Ärger Luft gemacht und eine abfällige Geste in Richtung der eigenen Reservebank gemacht. Veh hatte das nicht wahrgenommen. Das Gespräch werde er mit seinem Angreifer ganz sicher nicht suchen. „Es gibt nichts zu besprechen. Das ist mir auch Wurscht“, sagte Veh. Doch wer ein bisschen das Naturell des temperamentvollen Spielers und auch seine Vita kennt, der kann sich in etwa ausmalen, dass die Zusammenarbeit in Zukunft etwas belastet sein könnte. Fraglich, ob Seferovic eine entsprechende Reaktion zeigt und sich nicht eher beleidigt ins Schneckenhaus zurückzieht.

Ganz zum Schluss wurde Veh noch zur formidablen Leistung seines Torwarts Lukas Hradecky gefragt. Und selbst bei dieser Antwort konnte er sich einen Seitenhieb gegen seinen Stürmer nicht verkneifen. „Lukas meint halt nicht, ein Überflieger zu sein. Was viele andere glauben zu sein – aber nicht sind.“

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