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Eintracht-Trainer Niko Kovac Die Versöhnung

1. UpdateEintracht Frankfurts Trainer Niko Kovac kann mit dem Pokalsieg sein vom Einsturz bedrohtes Denkmal wieder stützen.

19 Mai 2018 Berlin Olympiastadion Fussball DFB Pokalfinale FC Bayern Muenchen Eintracht Frank
Von den Gefühlen überwältigt: Eintracht-Trainer Niko Kovac. Foto: Imago

Am Ende sind dann wieder Tränen geflossen und noch mehr Bier. Kaum war die Sensation perfekt, schossen dem Trainer der Frankfurter Eintracht die Tränen ins Gesicht. Mit verheulten Augen herzte und umarmte Niko Kovac alle in seiner Umgebung stehenden Menschen, mit Fredi Bobic stand er, Stirn an Stirn gepresst, sekundenlang beieinander, zwei Männer, die der Triumph am Ende wieder eng zueinander hatte finden lassen.

Denn der mit allerlei unschönem Geplänkel über die Bühne gegangene Seitenwechsel von Kovac ins Bayerische hatte zeitweilig zu einigen Verwerfungen zwischen den beiden Alphatieren geführt, lautstark war es zwischen den beiden Machern unlängst hinter verschlossenen Türen zugegangen. Bobic hat es ganz und gar nicht gefallen, dass ihn Kovac Mitte April kühl vor vollendete Tatsachen gestellt hatte.
 

Nach dem Spiel änderte sich das, verhalten wurde ihm zunächst Beifall gespendet, dann schallten sogar Niko-Kovac-Rufe durch das Olympiastadion. Ein bisschen war sie da schon gelungen, die Versöhnung zwischen Coach und Öffentlichkeit. Am Sonntag, beim glorreichen Triumphzug durch die Straßen Frankfurts bis zum Römer, hatten die Anhänger den Trainer wieder lieb und in ihr Herz geschlossen. Den Pokal fest in den Händen ließ sich Kovac hochleben. Er präsentierte ihn den seit Stunden wartenden Anhängern am Römer auch als erster. Kovac genoss das Bad in der Menge richtig.

Das ganze Gezerre hat den 46-Jährigen nicht kalt gelassen, er habe „Empathie“, sagte er. Verstehen kann er nach wie vor nicht, warum er so in Ungnade gefallen war. „Ich habe nichts verbrochen und niemanden umgebracht.“ Und er nutzte den frischen Erfolg, um aus seiner Sicht ein paar Dinge zurechtzurücken. Die Stimmung in der Stadt sei in den letzten Wochen viel zu negativ dargestellt worden, glaubte er, „da wurde aus einer Minderheitsmeinung eine Mehrheit gemacht“. Er wisse, was man in den letzten zwei Jahren investiert habe. „Wir haben den Verein aufpoliert“, lobte er sich ein bisschen selbst, schließlich habe sich die Eintracht vom Fastabsteiger zum Pokalsieger gemausert.

Und selbstverständlich empfand er auch Genugtuung, es seinen Kritiken gezeigt zu haben, die moniert hatten, ein Platz acht in der Bundesliga sei nach dem Verlauf dieser Saison eine Enttäuschung. „Es freut mich, dass wir es denjenigen, die versucht haben, uns das schlechtzureden, gezeigt haben. Wir haben einiges geschafft. Wir haben einen Titel mit einem tollen Klub geholt.“ Der Coup von Berlin hat die Wogen wieder geglättet, hat den Abschied von Kovac leichter gemacht. Er hat sein gehörig ins Wanken gebrachte Denkmal selbst wieder stabilisiert und einen Teil seiner verloren gegangenen Sympathien zurückgeholt. „Niko hat uns den Pokal geschenkt“, sagte Kevin-Prince Boateng am Sonntag auf dem Römer, nicht nur freudetrunken. Der erste Frankfurter Pokalsieg seit 30 Jahren wird untrennbar mit dem Namen Kovac verbunden sein, keine Frage. „Ich werde Eintracht Frankfurt nie vergessen“, sagte er.

In Erinnerung wird aber auch der schale Beigeschmack bleiben, der die Umstände des Wechsels begleitete. Dass er zu den Bayern geht, hat ihm nie jemand krumm genommen, es war die Art und Weise, die plötzliche Kälte und die vielen Ungereimtheiten rund um den Deal, die ihm angelastet wurden.

In der Woche vor dem Finale hat Niko Kovac überrascht. Er, der in den letzten Bundesligawochen das Training angezogen hatte und sich damit eine Diskussion um die richtige Trainingssteuerung gefallen lassen musste, ließ in den letzten Tagen vor dem Endspiel deutlich mehr Leine. „Niko hat“, sagte Torwart Lukas Hradecky grinsend, „sogar gelacht. Das ist ganz unnormal für ihn“. Die ganze Trainingswoche sei sehr entspannt gewesen, womöglich hat sich der Fußballlehrer die Worte seines Torwarts zu Herzen genommen. Hradecky war es, der das harte Training zuletzt moniert hatte. „Jetzt hat er auf mich gehört“, befand der Keeper.

Beim Bankett spät in der Berliner Nacht bat der Coach seine von ihm so lange getriezten Spieler um Verständnis. „Ich bin einer, der fordert und fördert. Seht es mir nach, wenn ich zu streng mit euch umgegangen bin.“ Das freilich schützte ihn nicht vor einer Bierdusche während der Pressekonferenz, als acht Spieler den Coach mit Bier übergossen hatten. Immerhin spülte der Gerstensaft die Tränen davon.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Pokalfinale

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