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Eintracht - Stuttgart Neue Qualität, alte Befürchtungen

Eintracht Frankfurt und Trainer Armin Veh freuen sich über die neue spielerische Klasse, glauben aber, dass es eng bleibt in der Bundesliga.

Am Boden: Stefan Aigner hat schon bessere Spiele gemacht, auch wenn die Eintracht spielerisch insgesamt verbessert war. Foto: Stefan Krieger

Die Analyse dieses Bundesligaspiels zwischen der Frankfurter Eintracht und dem VfB Stuttgart fiel den Protagonisten doch sichtlich schwer. Bastian Oczipka, der eloquente und kluge Linksverteidiger der Hessen, fand sogar, dass er selten ein solch merkwürdiges Spiel erlebt habe, er wisse gar nicht so recht, wie er es einordnen solle. Das ist sehr wahrscheinlich ein klein wenig übertrieben.

Fakt ist: Die insgesamt bessere, reifere und vor allem schnellere Mannschaft (die aus Stuttgart) hat diese Begegnung für sich entschieden, völlig zurecht. Doch Tatsache ist auch: Mit ein bisschen Spielglück und anderen Entscheidungen in bestimmten Situationen hätte die unterlegene Mannschaft (die aus Frankfurt) diese Partie durchaus anders gestalten können.

Die Eintracht hat gewiss keinen Glanztag erwischt gegen die Schwaben, aber gegen einen anderen Kontrahenten als diesen fast schon entfesselt aufspielenden VfB hätte es an diesem Nachmittag mit Sicherheit zu etwas Zählbarem, vielleicht sogar zu einem Sieg gereicht. Die Leistung der Frankfurter war keineswegs enttäuschend.

„Ich habe viele Dinge gesehen, die richtig gut waren“, führte Trainer Armin Veh aus. In erster Linie war das die verbesserte fußballerische Leistung und die erkennbare Linie im Spiel. „Wir haben mit Leidenschaft gespielt, und wir haben versucht, Fußball zu spielen“, sagte der Coach. „Wir hatten Klarheit in unserem Spiel.“ Das sei, befand Armin Veh, „der Unterschied zur Vorrunde.“

Im ersten Halbjahr ging der Eintracht tatsächlich die Struktur gänzlich flöten, da wusste man gar nicht mehr, wie diese Mannschaft eigentlich zum Erfolg kommen will oder soll. Das ist jetzt anders. „Wir haben eine gewisse Spielanlage.“

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Die Hessen versuchen, sich nach vorne zu kombinieren, sie haben, gerade in der Offensive, gute Fußballer am Start, die die Klasse haben, um Situationen fußballerisch zu lösen. Und doch wird noch immer zu oft klein-klein gespielt, zu oft der Ball quer geschoben, das Eintracht-Spiel war insgesamt nicht zwingend und zielstrebig genug, einfach zu kleinteilig.

Gerade Szabolcs Huszti spielt zu viele Pässe über wenige Meter, ohne Raumgewinn. Er sollte das abstellen. Die Eintracht muss noch konsequenter nach vorne spielen, vertikal, in die Tiefe, Eins-gegen-Eins-Situationen suchen, um neue Spielsituationen heraufzubeschwören. Änis Ben-Hatira hat am Samstag nicht den Beweis antreten können, in dieser Hinsicht schnell Abhilfe zu schaffen. Er wirkt ebenfalls nicht sonderlich zielstrebig und geradlinig. Doch nach vier Trainingseinheiten wäre das zu viel verlangt. Der 27-Jährige wird noch etwas Zeit brauchen. Fußball spielen kann er. Aber das war vorher bekannt.

Wieder mehr Torchancen

In jedem Fall hat die Eintracht über die rechte Seite und den agilen Verteidiger Yanni Regäsel an Offensivdruck und Agilität hinzugewonnen. Und die Hessen kommen wieder häufiger in Abschlusssituationen, in erster Linie natürlich ihr Toptorschütze Alexander Meier, der nun einmal immer da steht, wo es brennt. „Wir kommen wieder zu Torchancen“, betonte Veh. „Das war in der Hinserie nicht so.“ Deshalb ist er positiv gestimmt für den restlichen Saisonverlauf. „Es ist eine Entwicklung da.“

Und doch, das weiß Veh nur zu gut, ist dieses Pflänzchen noch ein zartes. Die neu gewonnene Stabilität bröckelt mit jeder Niederlage. „Wenn du ein paarmal gut spielst und trotzdem verlierst, dann haut es dich wieder weg“, orakelte Veh. Dann schwinde das Selbstvertrauen, dann klappen einfachste Dinge nicht mehr. Und man würde wieder in die berühmte Spirale des Misserfolgs rutschen.

Deshalb glaubt der Trainer auch, dass „die Lage bis zum Schluss so bleiben wird“, also doch sehr ernst. Wenn seine Mannschaft unten hätte herausmarschieren wollen, „dann hätten wir so ein Spiel wie gegen den VfB gewinnen müssen, da wächst das Selbstvertrauen“, dann laufe vieles von alleine. So aber müsse man sich in jedem Spiel alles erarbeiten.

Und man müsse Versagensängste ausblenden. „Da geht es ja auch gar nicht so sehr um Qualität, sondern darum, dass du keine Nerven zeigen darfst.“ Früher, glaubt Veh, sei das anders gewesen. „Die Mannschaften heute sind psychologisch anfälliger.“ Probates Mittel gegen das mentale Zipperlein: ein paar Siege.

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