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Eintracht-Spiel gegen Berlin Wie einst im Mai

Die Reise nach Berlin weckt bei Eintracht Frankfurt schönste Erinnerungen.

Ante Rebic
Freut sich schon auf die Rückkehr nach Berlin: Ante Rebic. Foto: Imago

Berlin ist immer eine Reise wert, wer wüsste das besser als Eintracht Frankfurt. Am Freitag steigt die Mannschaft zum fälligen Bundesligaspiel gegen Hertha BSC am Samstagabend in den Flieger, und mit Sicherheit werden bei einigen Profis Erinnerungen wach. Erinnerungen an jenen, schon längst legendär gewordenen 19. Mai dieses Jahres, als den Hessen der größte Coup der letzten 30 Jahre gelang und im Pokalfinale der große FC Bayern München in die Knie gezwungen wurde. Es ist das erste Mal seit jenem Tag im Mai, dass die Eintracht an die Stätte ihres großen Triumphs zurückkehrt. An diesem 19. Mai begann ja alles, seit diesem Tag hat eine neue Zeitrechnung begonnen.

Die öffentliche Wahrnehmung eines Pokalsiegers ist eine ganz andere. 30 Jahre hat Eintracht Frankfurt auf diesen Tag gewartet, 30 Jahre hatte der traditionsreiche Klub nichts mehr gewonnen, spielte in den entscheidenden Jahren, als die Karten neu gemischt wurden, zweitklassig, hatte auch irgendwie den Anschluss verloren. 30 dürre Jahre mussten vergehen, ehe    die Frankfurter Eintracht, wie Vorstand Axel Hellmann euphorisch sagte, „Geschichte geschrieben hat“.

Auf einmal war Eintracht Frankfurt wieder wer, hatte das Graue-Maus-Image abgestreift. Wer schlägt in einem Finale schon die überlebensgroßen Bayern? Der Sieg von Berlin, eine der größten Überraschungen in der jüngeren Pokalgeschichte, traf die Hessen genau zum richtigen Zeitpunkt. Seitdem spürt der Klub überall Rückenwind. Ohnehin strebt der Klub nach Jahren der bestenfalls Mittelmäßigkeit nach Höherem, er streckt seine Fühler nach Partnern in den Emiraten, China und den USA aus, agiert wie ein Global Player, ohnehin von Sportvorstand Fredi Bobic auch personell höchst international aufgestellt. Der Umsatz wuchs auf 150 Millionen Euro, das Eigenkapital auf 30 Millionen, der Personaletat auf rund 50 Millionen. Wirtschaftlich ist die Eintracht so solide wie lange nicht mehr. Dazu zelebriert die ganze Stadt die Auftritte der Profis in der Europa League, die Eintracht Frankfurt als Bereicherung und eben nicht als Belastung auffasst. All das konnte nur passieren, weil in Berlin im Mai ein entscheidendes Spiel gewonnen wurde. Und Stürmer Ante Rebic das Spiel seines Lebens gemacht und zwei Tore geschossen hat.

Am Samstag geht es um deutlich weniger, es geht um Bundesligapunkte, aber auch hier steht einiges auf dem Spiel. In erster Linie: War die Niederlage gegen den VfL Wolfsburg vom vergangenen Sonntag ein Ausrutscher, der passieren kann? Oder war es der Anfang von der Rückkehr in die Mäßigkeit? Bisher deutet nichts darauf hin, dass die erste Schlappe nach elf erfolgreichen Spielen dem Team einen Knacks verpasst haben könnte, eher schien die Mannschaft eine gewisse mentale Müdigkeit befallen zu haben. Derzeit sprühen die Profis wieder vor Tatendurst, sie wollen eine neue Serie starten, sind weiterhin hungrig. Trainer Adi Hütter ist der Letzte, der diese Gier nach mehr einbremsen würde, ohnehin treibt er sein Team immer an und nach vorne.

Allerdings gehört die Hertha, selbst wenn eine gewisse Kontinuität fehlt, nicht zur Laufkundschaft, die im Vorbeigehen geschlagen wird. Die Hessen tun sich traditionell schwer in der Kapitale, von den letzten fünf Auswärtsspielen in Berlin konnte nur eines gewonnen werden. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr, am 3. Dezember, siegten die Frankfurter mit 2:1 nach Toren von Marius Wolf und Kevin-Prince Boateng, der in seiner Geburtsstadt zehn Minuten vor dem Ende den Deckel mit einem wunderschönen Tor draufmachte. Damals hatte die Eintracht nach 14 Spieltagen bei Tabellenplatz acht gute 22 Zähler auf dem Konto, jetzt nach 13 Partien grüßen sie mit 23 Punkten von Platz fünf.

Und man wird schauen müssen, ob die Berliner Truppe von Trainer Pal Dardai ihre Hausaufgaben gemacht hat: Wie die angriffslustigen, frech attackierenden Frankfurter zu packen sind, hat Wolfsburg gezeigt. Und Mittelfeldrenner Gelson Fernandes hat das auf die knappe Formel gebracht: „Durch lange Bälle waren wir nicht ins Pressing gekommen.“ Den Hessen war eine wichtige Waffe entschärft worden. Mit einer Niederlage in der Hauptstadt würde Hertha nach Punkten gleichziehen mit der Eintracht.

Darüber hinaus hält das Programm bis Weihnachten für Eintracht Frankfurt praktisch nur noch Kracher parat – Berlin (A), Lazio Rom (A), Bayer Leverkusen (H), Mainz 05 (A), FC Bayern (H), allesamt Gegner, die es in sich haben und die rechtzeitig in Form sind. Mit ein bisschen Pech kann Eintracht Frankfurt auch ganz leicht aus den komfortablen Tabellenplätzen herauspurzeln und für Katzenjammer unterm Weihnachtsbaum sorgen. Aber natürlich kann sich alles auch ganz anders darstellen – unschlagbar sind diese Teams, bei allem Respekt, momentan nicht, zumal nicht für entfesselte Frankfurter Spieler.

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