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Eintracht-Neuzugänge Aufwärtstrend der Neuen

Eintracht-Trainer Hütter beordert vier Zugänge in die Startformation – vor allem der junge Ndicka überrascht.

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Kompromisslos, abgezockt, routiniert: der Frankfurter Evan Ndicka (r.) gegen Mike Frantz. Foto: AFP

Die Nachspielzeit war gerade angebrochen, da klatschte Marco Russ nach einem gelungenen Befreiungsschlag wild in die Hände, feuerte an, ballte die rechte Faust, feuerte wieder an. Das ist insofern erstaunlich, weil der Befreiungsschlag gar nicht vom erfahrensten Profi der Eintracht kam - Russ blieb 90 Minuten auf der Bank -, sondern von Evan Ndicka. Der französische Verteidiger, gerade 19 Jahre jung geworden, verdiente sich in seinem ersten Erstligaspiel nicht nur in dieser Aktion den Szenenapplaus seines direkten Konkurrenten um den Platz in der Innenverteidigung. Nein, Ndicka war wohl die größte Frankfurter Überraschung an diesem regnerischen Tag in Freiburg.

Überraschung deshalb, weil der zweifelsohne hochveranlagte, in seinen Kurzeinsätzen in der Vorbereitung aber ziemlich fehlerlastige und bei den zwei vorherigen Pflichtspielen nicht mal im Kader stehende Ndicka beim 2:0 an der Dreisam wie ein alter Fahrensmann spielte. Ruhiger, abgezockter, besser hätte es auch der 33-jährige Russ nicht machen können. „Für das erste Bundesligaspiel mit gerade mal 19 Jahren muss ich an ihn ein Sonderlob verteilen, hervorragend“, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter, der in Abwesenheit von David Abraham in der Abwehrzentrale neben Carlos Salcedo lieber einen Linksfuß (Ndicka) statt eines zweiten Rechtsfußes (Russ) setzte. Mit Erfolg. 

Nicolai Müller trifft

Ndicka beschränkte sich auf die einfachen Dinge, war kompromisslos in den Zweikämpfen, spielte unauffällig auffällig. Die Mitspieler gerieten geradezu ins Schwärmen. „Er ist clever, hört zu, lernt schnell“, sagte etwa Stürmer Sebastien Haller. „Er ist ein guter Junge mit Charakter, die Zukunft unseres Vereins“, griff Aushilfskapitän Gelson Fernandes noch ein bisschen höher ins Lob-Regal. 

Weitaus weniger Zukunft im Fußballgeschäft hat Nicolai Müller vor sich. Der 30-jährige Neue vom Hamburger SV unterstrich dennoch seinen Wert in der Gegenwart für die Frankfurter. Nach zehn Minuten vollendete er nach Hackenablage von Haller zielgenau ins linke Eck zur Eintracht-Führung. „Ich habe mich einfach gefreut, die Bundesliga wieder zu erleben“, sagte Müller. Dabei zeigte der Rechtsaußen eigentlich ein unglückliches Spiel.

Vor allem in Abschnitt eins gelang – mit Ausnahme des Tores – fast nichts. Kaum ein Pass erreichte ihn. Und wenn, war der Ball schnell wieder weg. Nur 20 Ballaktionen hatte Müller, gewann überhaupt nur einen einzigen Zweikampf bis zu seiner Auswechslung nach 73 Minuten. Offensichtlich, dass der zweifache Nationalspieler nach einer Oberschenkelverletzung in der Vorbereitung noch lange nicht sein Fitnessoptimum erreicht hat. „Klar bin ich noch nicht bei 100 Prozent, aber solange es für ein Tor reicht, ist alles okay“, sagte Müller. Nach seinem Treffer reckte er ein Trikot von Timothy Chandler in die Höhe, der Rechtsverteidiger erholt sich gerade von den Folgen eines Knorpelschadens. Der Jubel von Müller über seinen Treffer fiel dieses Mal dezent aus, aus gutem Grund: Genau vor einem Jahr hatte er, damals noch für den HSV spielend, ebenfalls am ersten Spieltag ein Tor erzielt und diesen Treffer so enthusiastisch gefeiert, dass er sich einen Kreuzbandriss zugezogen hatte.

Fürs Toreverhindern war in Freiburg in erster Linie Frederik Rönnow zuständig. Der dänische Keeper, nach seinen unsicheren Auftritten im Pokal und vor allem im Supercup, doch schon arg und auch zurecht in die Kritik geraten, machte diesmal seinen Job ziemlich gut. Beim einen oder anderen hohen Ball noch zu zögerlich, auf der Linie aber grundsolide. Drei Paraden in den ersten sieben Minuten, freilich alles Bälle, die ein Bundesliga-Torhüter halten sollte, gaben dem 26-Jährigen spürbar Sicherheit. Je länger die Partie dauerte, desto sicherer wurde auch sein Spiel mit dem Ball am Fuß. „Er hatte eine tolle Ausstrahlung“, sagte Trainer Hütter, der sich auf der Bank für Jan Zimmermann als Rönnow-Ersatz entschieden hatte. Felix Wiedwald, in der Vorbereitung im Gegensatz zu Zimmermann fit und im Dauereinsatz, musste überraschend daheim bleiben. Gründe dafür nannte Hütter nicht. 

Kostic mit Fabian-Nummer 

Auch die Entscheidung, auf Lucas Torro, den vierten Zugang in der Startelf (gegen Ulm und die Bayern waren es je nur zwei), statt auf den spielerisch besseren Jonathan de Guzman zu setzen, erwies sich im Nachhinein als eine richtige. Torro, im defensiven Mittelfeld an der Seite von Fernandes aufgeboten, spielte nicht überragend, aber allemal besser als in den vorangegangenen Partien. Nur einmal vertändelte der Spanier in der eigenen Hälfte den Ball, ansonsten zeigte er ein ordentliches, sicher ausbaufähiges Bundesligadebüt. 12,5 Kilometer spulte der Sechser ab, war 65 Mal am Ball und begab sich in viele Infights. Freilich, Torros Tempodefizit ist offensichtlich, auch seine Pässe sollten schärfer kommen, das alles fiel aber nicht allzu sehr ins Gewicht, probierten es die Breisgauer mit vielen langen Bällen, die der mit 1,88 Metern hoch aufgeschossene Torro reihenweise entschärfte. 

In der Schlussphase durfte auch der neueste Neue, Filip Kostic, ran. Er trug die Nummer zehn auf dem Rücken, die ihm vom aussortierten Marco Fabian freiwillig vermacht worden sein soll. Ansonsten: wenig Auffälliges.

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