Lade Inhalte...

Eintracht-Jugend Eine ganz andere Welt

Der Weg vom Riederwald zum Stadtwald ist für die Eintracht-Jungprofis ein ziemlich weiter.

Max Besuschkow, Noel Knothe und Deji Beyreuther
Müssen sich mächtig anstrengen, um bei den Profis mithalten zu können: Die 18-Jährigen Noel Knothe (Mitte) und Deji Beyreuther (rechts), hier mit Max Besuschkow (links). Foto: imago

Wenn bei der Frankfurter Eintracht am kommenden Mittwoch erstmals seit dem triumphalen Gewinn des DFB-Pokals der Ball rollt, werden sich fast alle Augenpaare auf den Trainer richten: auf Adi Hütter, den neuen Chef im Stadtwald. Wie gibt er sich auf dem Trainingsplatz? Wie ist seine Ansprache? Was sagt er anschließend über seine ersten Eindrücke im Schatten der großen Arena?

Spannende Fragen. Sicher gibt es auch ein paar Kiebitze, die werden bei Nicolai Müller, dem kickenden Neuen vom Hamburger SV, etwas genauer hinschauen. Und vermutlich wird auch der Fitnesszustand der Alteingesessenen, etwa von Anführer Kevin-Prince Boateng, nach wochenlangem Seelebaumelnlassen in sonnigen Gefilden genau analysiert.

Abseits dieser beim Auftakt drängendsten Fragen werden einige Spieler fast unbehelligt ihrer Arbeit nachgehen dürfen: die Jungprofis. Zu nennen sind Deji Beyreuther (18), Sahverdi Cetin (17), Noel Knothe (18) und Nelson Mandela (18) – alle mit Profiverträgen ausgestattet, alle auch in der vergangenen Spielzeit schon ab und an unter dem ehemaligen Coach Niko Kovac im Training dabei. Und alle bisher ohne jegliche Einsatzchance. „Es ist für die jungen Spieler ein extrem weiter Weg“, sagt Armin Kraaz, Leiter des Eintracht-Leistungszentrums. „Wir als Eintracht Frankfurt haben hohe Ambitionen, spielen in dieser Saison international, das ist eine ganz andere Welt für die Jungs.“

Seit 2010 gibt es nun das piekfeine Leistungszentrum am Riederwald. Eine professionelle Rundumbetreuung für die hoffnungsvollsten Talente, Zweifelsohne. Und dennoch haben in den vergangenen Jahren nicht allzu viele begabte Kicker aus dem Adlerhorst den Sprung auf die ganz große Bühne geschafft. Marc Stendera vielleicht, wenngleich seine Karriere aktuell am Scheideweg steht und er noch immer ein Kandidat für einen Wechsel in diesem Sommer ist.

Auch Aymen Barkok ist zu nennen, nach einem kometenhaften Aufstieg in der Saison 2016/17 waren seine Einsatzzeiten vergangene Spielzeit aber doch arg begrenzt. Er wurde nun nach Düsseldorf verliehen, die Fortuna hat für nächsten Sommer eine Kaufoption, die Eintracht sich immerhin ein Rückkaufrecht gesichert, falls sich der 20-Jährige noch zu einer großen Nummer entwickelt. Und ansonsten? Mit gutem Willen noch Timothy Chandler, mittlerweile aber schon 28, dann wird es dünn.

Vom anfangs genannten Quartett – Beyreuther, Cetin, Knothe und Mandela – dürften die beiden Letzteren auch in der kommenden Runde kaum eine Rolle spielen. Stürmer Mandela soll nach einem Kreuzbandriss alles andere als topfit und ebenso wie Innenverteidiger Knothe ein Kandidat für eine Ausleihe sein.

Cetin, deutscher Juniorennationalspieler und seit einigen Tagen mit einem Profikontrakt bis 2020 ausgestattet, kann noch ein Jahr in der U19 spielen und soll dort Spielpraxis sammeln. Bleibt noch Deji Beyreuther. Der 18-Jährige gilt am ehesten als Kandidat, der es unter Adi Hütter auf Minuten bringen kann. „Als Linksfuß hat er einen kleinen Vorteil“, weiß auch Kraaz. Freilich, links hinten ist Jetro Willems nach einer guten Endphase in der vergangenen Runde die erste Option, auch Chandler kann dort aushelfen. Da der Israeli Taleb Tawatha jedoch fast durchweg Bundesligatauglichkeit vermissen lässt, könnte der bis 2021 unter Vertrag stehende Beyreuther zumindest als Backup fungieren. „Die Linksverteidigerposition ist natürlich eine, die immer gesucht wird“, sagt Armin Kraaz.

Erst vor eineinhalb Jahren entdeckte die Eintracht den jungen Mann wenige hundert Meter entfernt vom Riederwald beim FSV Frankfurt am Bornheimer Hang. „Deji ist ein bisschen unter dem Radar geflogen. Er hat er sich relativ spät, dafür aber ziemlich schnell entwickelt“, sagt Kraaz. Bestes Beispiel: Als die U19 in der vergangenen Saison kurz vor dem Abstieg aus der Junioren-Bundesliga stand, pfefferte Beyreuther im Spiel beim FC Heidenheim in allerletzter Sekunde einen direkten Freistoß in die Maschen. Ein sehenswerter Treffer, gleichbedeutend mit der Rettung.

„Der Erhalt der Bundesliga war extrem wichtig, damit die Jungs auf höchstem Niveau gefordert sind und sich weiterentwickeln können. Da ist es dann auch nicht immer entscheidend, ob am Ende ein vierter oder achter Platz herausspringt“, sagt Kraaz: „Es geht darum, die Spieler bestmöglich auf den Sprung zu den Erwachsenen, den Profis, vorzubereiten.“

Eine Idee für diesen so schwierigen Übergang hat nun Marco Pezzaiuoli geäußert. Der ehemalige Bundesligacoach der TSG Hoffenheim ist seit Anfang des Jahres bei der Eintracht für die bessere Verzahnung von Riederwald und Stadtwald, von Jugend und Profis, zuständig. Er brachte im „Kicker“ eine U21-Bundesliga ins Spiel. „Aus einem U19-Kader mit 22 bis 25 Spielern schaffen vielleicht zwei den Sprung. Doch was machen wir mit den anderen 20?“, fragt Pezzaiuoli. „Es ist wichtig, dass der Unterbau Spielpraxis bekommt. Je breiter wir aufgestellt sind, desto mehr profitieren alle Profiteams in Deutschland.“

Interessante Idee, die Umsetzbarkeit zumindest schwierig. Vorerst werden sich die Jungprofis weiter nur im Training empfehlen können. In der Hoffnung, dass Trainer Adi Hütter genauer hinschauen wird als die meisten Kiebitze.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen