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Eintracht in Bordeaux Eine magische Nacht in Bordeaux

Die 12.000 von Bordeaux machten die Partie gegen Girondins zur Mutter aller Auswärtsspiele.

Veh
ahnenträger: Armin Veh, emotional angefasst in Bordeaux. Foto: Imago

Es war das Spiel, das Armin Veh die Tränen in die Augen trieb. 12 000 Frankfurter Fans hatten die Eintracht zum Auswärtsspiel an jenem 28. November 2013 nach Bordeaux begleitet, so viele wie noch nie. Alle waren sie in orange gehüllt, und noch vor der obligatorischen Pressekonferenz nach dem Spiel war es dem Coach ein besonders Bedürfnis, zu den Anhängern in die Kurve zu gehen.

Es war ein magischer Moment, ein Moment, den der Coach, mittlerweile Geschäftsführer beim 1. FC Köln, sein Leben lang nicht vergessen wird. Und es war der Moment, da der ansonsten so „arschcool“ (Ex-Spieler Heiko Butscher) wirkende Veh ein Stück seiner sonstigen Coolness einbüßte. Immer wieder war Armin Veh von den Anhängern gefeiert, immer wieder sein Name skandiert worden in einem ansonsten menschenleeren Stadion. Die orangene Mauer wusste genau, wem sie diesen erstaunlichen und nicht direkt erwarteten Erfolg zu verdanken hatten. 

Der 1:0 (0:0)-Erfolg, mehr erackert als erspielt und von Martin Lanig in der 83. Minute auf Vorarbeit von Tranquillo Barnetta eingetütet, spülte Eintracht Frankfurt als Gruppensieger in die K.o.-Runde der Europa League. Also feierten sie den Mann aus Augsburg gebührend. So sehr, dass der Fußballlehrer, der schon so viel erlebt hat in seiner viele Jahre währenden Trainerkarriere, beim Gang zurück in die Katakomben des Stade Chaban-Delmas ein paar Tränchen nicht unterdrücken konnte und vermutlich auch nicht wollte.

Selbst später, bei der Pressekonferenz, eine orange Mütze in der Hand knetend, war die Ergriffenheit des Trainers zu spüren. „Ich bin eher der zurückhaltende Typ, der sich nach innen freut. Aber das ist schon ein besonderes Gefühl. Ich muss aufpassen, dass es nicht regnet in den Augen.“ Und es sei ja nicht normal, dass 12.000 Fans mit nach Bordeaux reisen. „Das hat noch keine deutsche Mannschaft geschafft. Das ist außergewöhnlich.“ Im Stadion waren insgesamt knapp 20.000 Zuschauer, die heimischen Fans waren klar in der Minderzahl. Für die Eintracht war es im Südwesten Frankreichs ein Heimspiel. 

Es war ein ganz besonderer Moment, „ein Highlight für alle“ (Veh). Ein Moment, in dem Verein und Trainer, Mannschaft und Fans ein Stückchen enger zusammengerückt waren, es war ein emotionaler Höhepunkt einer rundum gelungenen Reise in den Südwesten Frankreichs mit einem Abschluss wie gemalt. „Es war ein wunderschöner Tag“, fand Klubchef Heribert Bruchhagen, der sich einen Sieg passend zu seinem zehnjährigen Jubiläum bei der Eintracht so sehr gewünscht hatte. „Dieser Sieg tut dem Verein gut.“ Auch weil der Trip in Orange gemessen an der hohen Zahl weitgehend friedlich und im Rahmen geblieben war. Sein Vorstandskollege Axel Hellmann empfand im Überschwang der Gefühle ähnlich: „Das war gut für die Seele.“

Und diese Reise nach Frankreich ging ein in die Eintracht-Historie, sie war quasi die Mutter aller Auswärtsspiele auf internationaler Bühne. Wer immer dabei war, schwärmt noch nach Jahren davon. Seit diesem 28. November wird versucht, diesen Trip zu toppen. Gelungen ist es bislang nicht, trotz einer sehr ansehnlichen Zahl Frankfurter Supporter in Porto oder zuletzt auf Zypern. In Rom in der übernächsten Woche werden sich erneut viele Eintracht-Anhänger auf den Weg machen, mehr auf jeden Fall, als Tickets verteilt werden - bislang sind 5800 Karten bereitgestellt worden, nur 5800. Die Nachfrage war etwa dreimal höher. 

Der Sieg und die vorzeitige Qualifikation konnte aber nicht übertünchen, dass die Hessen in der Liga hinterherhinkten. Das darauffolgende Bundesligaspiel verloren die Frankfurter bei Hannover 96 0:2, die Eintracht rutschte auf Platz 15 ab, drei Punkte vor dem Letzten. Und trotz aller Abstiegssorgen war Veh „glücklich“, in der Europa League spielen zu können. „Dieses schöne Erlebnis möchte ich nicht missen.“ Und an die Farbe, so sagte er damals, könne er sich gewöhnen. Orange habe etwas Warmes. Eine Wand seines Badezimmers im Oberurseler Haus hatte er in orange gestrichen. 

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