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Eintracht im Pokal Die Pflicht erfüllt

Eintracht Frankfurt siegt trotz 70-minütiger Unterzahl ganz locker gegen Erndtebrück.

Fussball DFB Pokal 1. Runde, TuS Erndtebrueck - Eintracht Frankfurt
Erstes Spiel, erstes Tor: Sebastien Haller (links, hier gegen Mehmedalija Covic) erzielt beim 3:0 gegen Erndtebrück den Endstand. Foto: Jan Huebner

Er amüsiere sich, sagte Niko Kovac. Dabei sah er gar nicht so aus, als amüsiere er sich, der Eintracht-Trainer. Er wirkte auf einmal, draußen im Siegener Nieselregen, sogar eher so, als ärgere er sich ein klein wenig. Da hatte nämlich ein Fernsehmann doch glatt ausgeführt, dass viele glaubten, vor der Eintracht liege eine schwierige Saison. Das glaubt Niko Kovac auch, hat er zumindest gesagt, aber dann reichte es ihm doch mit den ganzen Orakeln der Fußball-Wahrsager.

Er wolle mal die Quote sehen, wie oft diese Prognosen wirklich eingetroffen seien, moserte Kovac. „Schade, dass es keine Konsequenzen gibt, wenn sich jemand so weit aus dem Fenster lehnt.“ Welche Art der Konsequenz er für falsche Voraussagen für angemessen hält, blieb im Dunkeln - vielleicht einen Vollspannstoß von Kraftpaket Jetro Willems in die Weichteile des Falschtippers? So genau weiß man es nicht.

Auch in Unterzahl überlegen

Die Einlassung des Reporters war aber so ziemlich das Einzige, was den Fußballlehrer an diesem nasskühlen Nachmittag ein ganz klein wenig in Rage brachte, der 3:0 (1:0)-Erfolg in der ersten Runde des DFB-Pokals in Siegen gegen den Regionalliga-Aufsteiger TuS Erndtebrück war zu ungefährdet.

Okay, vielleicht hat Abwehrchef David Abraham des Trainers Blut noch in Wallung gebracht, als dieser den wuseligen Japaner Nishiya Yuki umriss und folgerichtig per Roter Karte vom Platz gestellt wurde. 22 Minuten waren da erst gespielt, und fortan mussten die Hessen mit zehn Mann auskommen. Das stellte sie allerdings vor keine allzu großen Probleme. Timothy Chandler brachte die Frankfurter mit einem satten Schuss vom Strafraumeck in Führung ( 35.), schon zuvor hätte die Eintracht die Weichen stellen müssen. Doch in der Anfangsphase versiebte sie mehrere gute Chancen, gerade Sturmtank Sebastien Haller, aber auch Daichi Kamada und David Abraham taten sich da hervor. Auch durch die numerische Unterlegenheit gerieten die Frankfurter nie ernsthaft in Gefahr, im zweiten Abschnitt zogen sie sich zurück, ließen die emsigen und engagierten, aber auch limitierten Erndtebrücker spielen – und konterten sie gnadenlos aus.

 

Mijat Gacinovic, der stärkste Mann auf dem Feld, erzielte nach einem feinen Solo das 2:0 (70.), ehe Angreifer Haller den Endstand besorgte (75.). Es war ganz sicher keine Glanzleistung, eher eine mühsame Pflichterfüllung. „Pokal gegen einen Regionalligisten, zehn Mann, Scheißwetter, hoher Rasen“, fasste Marco Russ im Stakkatostil zusammen. „Wir sind weitergekommen. Nur das zählt.“


Doch so ganz nonchalant wollten weder die Spieler noch der Trainer über diese nicht besonders prickelnde Leistung hinweggehen. Marco Russ etwa vermisste die „Zielstrebigkeit“, erst nach dem Platzverweis habe das Team „ruhiger und cleverer“ gespielt. Doch die Offensivbemühungen waren lange Zeit von bemerkenswerter Schlichtheit, Überraschungsmomente fehlten – bis auf die Anfangsphase – fast gänzlich. „Spielerisch müssen wir uns in einigen Situationen verbessern“, monierte Trainer Kovac.

Und doch registrierte er mit Wohlwollen, dass seine Mannschaft den Ball manches Mal „sofort in die Tiefe gespielt, gute Umschaltsituationen erzeugt und sich viele Chancen herausgespielt hat“. Gerade das Kreieren von Möglichkeiten sei entscheidend: „Nur wenn du Chancen hast, kannst du auch Tore erzielen.“ Klingt einleuchtend. Dazu müssen diese aber verwertet werden. Ein Manko. „Das war nicht so, wie ich es mit vorstelle“, urteilte der 45-Jährige, den aber die Sorglosigkeit in der Defensive noch mehr ärgerte.

Hoffnung auf die Verletzten

Vier-, fünfmal habe sich seine Elf selbst in Schwierigkeiten gebracht. „Das hat mir nicht gefallen.“ Durch eine solche Unachtsamkeit kam auch die Rote Karte für Kapitän Abraham zustande, der durch einen zu kurzen Rückpass von Makoto Hasebe in die Bredouille gebracht wurde. „Der Rasen war nass und schmierig. Da darf man nicht solche Risikobälle spielen“, befand Kovac. In der Tat wackelte die Eintracht-Defensive zuweilen, das wirkte alles seltsam unrund und holprig.

Andererseits ist eine gewisse Unsicherheit und Unabgestimmtheit in Spiel eins nach der Pause nichts Ungewöhnliches, doch in Freiburg am Sonntag sollte vieles besser laufen. Wo die Eintracht nach diesem Auftakterfolg steht, kann noch immer niemand beantworten, selbst wenn Verteidiger Chandler die Partie ernsthaft als „Gradmesser“ gewertet haben wollte. Kovac hofft darauf, dass einige angeschlagene Spieler zur Mannschaft stoßen, Jonathan de Guzman etwa, den er schon gegen Erndtebrück für den Kader nominieren wollte, sich dann aber anders entschied. „Es war noch nicht so, wie ich es mir vorstelle.“ In Freiburg soll der Niederländer dabei sein, womöglich als Sechser an der Seite von Gelson Fernandes. „Wir brauchen von hinten Spieler, ein Spiel aufbauen können, auch unter Druck ballsicher sind und den Ball nicht nur nach hinten klatschen lassen.“ De Guzmann könne das definitiv.

Der Österreicher Louis Schaub ist eher ein offensiver Mittelfeldspieler, er ist auch gar nicht bei der Eintracht angestellt. Aber vielleicht wird er es bald sein? Österreichische Medien bringen den 22-Jährigen als Ersatz für Marco Fabian ins Gespräch. Kovac kennt den Kreativspieler von Rapid Wien noch aus seiner Zeit in Salzburg. Schlechte Referenzen hat der Techniker nicht: Louis ist der Sohn des vor 14 Jahren tödlich verunglückten Fred Schaub, der sich in Frankfurt durch sein Siegtor im Uefa-Cup-Finale 1980 gegen Mönchengladbach verewigt hat.

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