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Eintracht - HSV Letzte Chance Hexenkessel

Eintracht Frankfurt übt den Schulterschluss mit den Fans und hofft auf viel Geduld der Spieler und des Publikums gegen den HSV.

Ganz geheim: Eintracht-Profis unterwegs auf ihrem durch Planen geschützten Trainingsplatz. Foto: Stefan Krieger

Wer einen Blick auf die Heimbilanz der Frankfurter Eintracht wirft, der wird kaum in Ehrfurcht erstarren. Von zehn Spielen im Stadtwald haben die Hessen deren drei für sich entschieden, viermal zogen sie den Kürzeren. Das ist, nun ja, ausbaufähig. Zumindest stehen fünf Bundesligateams in diesem Ranking noch hinter der Eintracht. Und doch ist die Heimbilanz alles andere als zufriedenstellend, zumal die Frankfurter gerade in der Rückrunde der abgelaufenen Saison eine wahre Macht vor heimischem Publikum waren. Wenn sie am Ende dieser schon jetzt verkorksten Saison über dem Strich stehen wollen, da sind sich alle einig, müssen sie aber gerade die Partien in ihrem Wohnzimmer gewinnen.

Gelegenheiten dazu gibt es genügend. Allein in den kommenden vier Begegnungen darf die Eintracht dreimal zu Hause antreten: Gegen den HSV am Freitag (20.30 Uhr), gegen Schalke 04 am Sonntag in einer Woche und schließlich am Samstag, 5. März, gegen den FC Ingolstadt. Dazwischen liegt das Auswärtsspiel in der Hauptstadt bei Hertha BSC am 2. März. Da können Weichen gestellt werden – in die eine, aber auch in die andere Richtung.

Schlechte Stimmung

Den Verantwortlichen ist sehr daran gelegen, gerade die Begegnungen im Stadtwald nicht zu einem Nervenspiel werden zu lassen, in dem die sowieso schon verunsicherte Mannschaft womöglich gar gegen die eigenen Fans anspielen muss. Deshalb hat Sportdirektor Bruno Hübner am Mittwoch an die Langmut der Zuschauer appelliert. „Wir brauchen den Hexenkessel“, sagt der 55-Jährige und hofft auf den Schulterschluss zwischen der Mannschaft und den Besuchern. „Wenn man mental nicht gut drauf ist und wird dann noch verängstigt“, ja, das mache die Aufgabe sicherlich nicht einfacher. „Nach dem Spiel können die Fans gerne ihren Unmut äußern.“ Wenn es denn dazu Anlass gibt.

Der Wunsch des Managers lässt tief blicken, der Sportlichen Leitung geht es darum, die schlechte Stimmung rund um den Klub nicht ausufern zu lassen. Pfiffe und Unmutsbekundungen könnten sich negativ auswirken, und wenn das Team schon an der Stätte, die eigentlich eine Bastion sein soll, noch größeren Druck spürt, wäre das kontraproduktiv. In diese missliche Situation hat sich das Team allerdings selbst manövriert.

Bruno Hübner ist dann auch gefragt worden, ob dieses Duell gegen den Hamburger SV so etwas wie ein Schlüsselspiel, ein Schicksalsspiel sei. „Nein“, antwortete er. „Das ist mir eine Nummer zu groß.“ Schließlich habe man noch andere Chancen, die nötigen Punkte zu holen. Fürwahr haben die Frankfurter auch nach der Partie gegen den HSV noch mehrere Möglichkeiten, die Kurve zu bekommen. Zu Hause trifft die Eintracht noch auf einige direkte Konkurrenten im Ringen um die Ligazugehörigkeit: Nach den Hanseaten sind das noch Ingolstadt, Hannover 96 und die TSG Hoffenheim. Auch gegen Schalke 04 und Mainz 05 muss man auf vertrautem Terrain gewiss nicht von vorneherein in die Knie gehen. Klar ist jedoch ebenso: Irgendwann müssen die Hessen dreifach punkten, sie müssen auch mal liefern, ansonsten wird die Lage immer dramatischer und die guten Hoffnungen zu Lippenbekenntnissen.

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Die morgige Begegnung gegen die Norddeutschen, für die bisher 45 000 Tickets verkauft wurden, ist für die Eintracht eine von eminent großer Bedeutung. Zum einen in tabellarischer Hinsicht, weil die Hessen durch die zwei jüngsten Niederlagen am Stück an Boden verloren haben. Zum anderen aber auch im Hinblick auf den weiteren Saisonverlauf und eine gewisse Befriedung der explosiven Gemengelage rund um den Verein.

Bei einer weiteren Niederlage würde die Unruhe zunehmen und die extern ohnehin schon länger hitzig geführten Diskussionen um Trainer Armin Veh an Fahrt gewinnen. Die Eintracht muss einfach zeigen, dass sie in der Lage ist, einen Rivalen ihrer Kragenweite niederzuringen. Zuletzt verlor sie gegen einen guten VfB Stuttgart und einen solide strukturierten und willensstarken 1.FC Köln. Doch beide, gerade die Kölner, sind keine Schwergewichte der Liga. Von der Eintracht erwartet derzeit niemand, gegen Bayern München oder Borussia Dortmund zu punkten, aber zumindest mal einen Konkurrenten wie den Hamburger SV in Schach zu halten. Leicht, na klar, wird das nicht.

Option Dreierkette?

„Der HSV kommt mit breiter Brust“, sagt Sportdirektor Hübner. „Er ist psychologisch im Vorteil.“ Gerade, weil die Hamburger zuletzt Borussia Mönchengladbach niedergekämpft oder, besser, niedergelaufen haben. Die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia spulte am Sonntag satte 126,6 Kilometer ab – das ist Saisonrekord. Die Eintracht kam in ihrem Gastspiel in Köln auf 113,1 Kilometer (lief dabei aber immerhin 600 Meter mehr als der siegreiche FC). Die Frankfurter zählen generell eher zu den laufschwächeren Teams der Liga, was aber auch an der Spielanlage liegt. Sie werden dennoch eine Menge investieren müssen, wollen sie die Oberhand behalten.

Manager Hübner fordert Geduld von seinen Mannen. Dieses merkwürdige und kopflose Anrennen in Köln nach dem 1:2-Rückstand ist den Verantwortlichen ein Dorn im Auge. „Wir dürfen nicht auf Teufel komm raus alles oder nichts spielen. Wir müssen auf unsere Chance lauern, müssen geduldig sein.“

Die Frage wird sein, in welcher personellen Besetzung. Linksverteidiger Bastian Oczipka muss gelbgesperrt passen, sein Backup Constant Djakpa schaffte es zuletzt aber nicht mal mehr ins Aufgebot. Wird er dennoch eine Chance erhalten? Oder zieht Veh den Rechtsverteidiger Yanni Regäsel nach links und dafür Mokoto Hasebe nach rechts. Oder baut er sogar eine Dreierkette auf?

Immerhin: Am Mittwoch konnten die zuletzt kränkelnden Carlos Zambrano und Alexander Meier wieder mit der Mannschaft trainieren. Ohne die Treffer des Torschützenkönigs wäre es für die Eintracht schon jetzt zappenduster.

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