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Eintracht - HSV Ein Quantum Trost

Die Frankfurter Eintracht beendet ihre Negativserie mit einem müden 0:0. Reicht das, um neue Zuversicht zu wecken?

SGE-HSV
Das große Dilemma der Eintracht: Marco Fabian liegt im Tor, der Ball aber nicht. Foto: Heiko Rhode

Es sagt eine Menge aus über das aktuelle Innenleben einer Mannschaft wie Eintracht Frankfurt, wenn alle Welt gottfroh ist, gegen einen Abstiegskandidaten im eigenen Stadion nicht verloren zu haben. Die Ansprüche im Frankfurter Stadtwald sind nach fünf Niederlagen in Folge nach unten geschraubt worden, ein müdes 0:0 gegen den Hamburger SV feierten die Hessen fast wie einen Sieg. Es ging der Frankfurter Eintracht im Kern nur darum, nicht noch ein sechstes Spiel hintereinander zu verlieren. Das ist ihnen gelungen. „Es war ganz wichtig, die Negativserie zu beenden und zu punkten“, fasste Sportdirektor Bruno Hübner sichtbar erleichtert die 90 zähen Minuten zusammen. „Im Moment ist ein 0:0 okay für uns.“

Der letzte Bundesliga-Sieg der Eintracht liegt sechs Wochen zurück, am 5. Februar bezwangen die Frankfurter den SV Darmstadt 2:0, danach wurde ein Spiel nach dem anderen in den Sand gesetzt. Entsprechend angespannt waren die Nerven, entsprechend dünn war das Selbstvertrauen, und bereits eine achtbare 0:3-Niederlage bei den Bayern durfte als Seelentröster herhalten. „Jeder Punkt hilft uns weiter“, sagte Trainer Niko Kovac nach dem Remis. „Wenn wir schon nicht gewinnen können, dürfen wir wenigstens nicht verlieren“, fand Rechtsverteidiger Timothy Chandler. Dazu blieben die Frankfurter zum neunten Mal ohne Gegentor. Immerhin.
Und in der Tat war der Punkt, wie Vorstand Axel Hellmann hinterher fand, „Gold wert“.

Der Abstand auf den Relegationsplatz, den weiterhin der HSV hält, ist gleich geblieben, neun Zähler beträgt der Vorsprung, bei einer etwaigen Niederlage wäre es womöglich eng geworden für die Frankfurter. Zumal die hinter der Eintracht liegenden Mannschaften „mächtig von hinten schieben“, wie Kovac bemerkt hat. Er richte weiterhin den Blick strikt nach unten, „vorne interessiert mich nicht. Mein Ziel bleibt, diese ominösen 40 Punkte zu holen. Wenn der Klassenerhalt fix ist, werden wir in den letzten Spielen versuchen, in die andere Richtung zu sehen.“ Auch Hellmann findet, „selbst wenn wir Zehnter werden sollten, haben wir eine gute Saison gespielt.“ Die – heimlich gehegten – Europacup-Träume sind damit freilich nicht ad acta gelegt, zunächst seien aber andere Prioritäten wichtig. Ein Befreiungsschlag ist Eintracht Frankfurt mit dem Remis ganz sicher nicht gelungen, allenfalls ein weiterer Nackenschlag verhindert worden.

Kein gutes Spiel

Es war kein gutes Spiel, „kein Leckerbissen“ (HSV-Trainer Markus Gisdol), es war ein unschönes, zerfahrenes, von vielen Fouls (43) und Schiedsrichter-Pfiffen unterbrochenes Spiel. Die Eintracht brachte nur 57 Prozent ihrer Pässe an den eigenen Mann, normal sind es bei den Hessen 75 Prozent, 123 Fehlpässe spielten die Frankfurter Profis, die Hamburger waren noch einen Ticken schlechter. Spielerisch war das aus Frankfurter Sicht ziemlich dünn, es fehlten zündende Ideen, es fehlte ein Offensivkonzept, obwohl Rekonvaleszent Marco Fabian wieder dabei war und auch den einen oder anderen Impuls setzte.

Und doch hätten die Gastgeber diese Begegnung gewinnen können, wenn sie ihre Chancen besser genutzt hätten. Drei sehr gute Möglichkeiten hatten sie gehabt. Ante Rebic (51.) setzte einen Kopfball nach feiner Chandler-Flanke über das Tor, dann schoss Michael Hector (72.) den Hamburger Torwart René Adler an; zuvor hatte mal wieder Branimir Hrgota (29.) die beste Gelegenheit ausgelassen, als er freistehend über das Tor schoss. Gerne hätte man in dieser Szene Alex Meier gesehen, Bälle volley mit der Innenseite ins Tor zu schieben, ist seine Paradedisziplin, doch der Stürmer musste erstaunlicherweise bis zur 84. Minute auf der Ersatzbank sitzen, ehe er das Ergebnis die letzten paar Minuten mitverwalten durfte. Eigentlich hatte Kovac, wie er sagte, gar nicht auswechseln wollen. Doch dann habe Marco Russ, der für den am Knie verletzten Makoto Hasebe kurzfristig in die Mannschaft gerückt war, Wadenkrämpfe bekommen.

„Wir müssen unsere Chancen besser nutzen“, mäkelte Hübner. Aber dieses Manko zieht sich seit Wochen wie ein roter Faden durch die Frankfurter Auftritte. Ganze viere Tore hat die Eintracht in neun Spielen in diesem Jahr erzielt, das ist extrem wenig, trotzdem hat es immerhin zu sieben Punkten gereicht. Auch das ist ein Unterschied zur Hinrunde: Damals nutzten die Hessen oft ihre erste oder zweite Chance zu einem Tor. Damit war das Spiel offen, der Gegner musste kommen, die Eintracht hatte Räume, konnte kontern – und hatte vor allem ein Ziel: Diese Führung zu verteidigen oder gar auszubauen. Mittlerweile geht die Eintracht aber nicht mehr in Führung, das Spiel bleibt erstarrt.

„Was wir uns in der Hinrunde erspielt haben, haben wir verloren“, hat Trainer Kovac zurecht festgestellt. Das müsse man sich wieder erarbeiten. Einen ersten Schritt in die richtige Richtung will er mit dem Remis erkannt haben. Die Länderspielpause will die Eintracht dazu nutzen, sich zu sammeln und neu aufzustellen. „Dieses Mal“, sagte Kovac, „kommt mir die Pause gelegen.“
Immerhin hatte die Eintracht in einer Szene richtig Glück. Die Hamburger hätten durchaus einen Elfmeter zugesprochen bekommen können (60.): David Abraham hatte ihm Laufduell im Strafraum Filip Kostic zu Fall gebracht, er hatte den Ball allenfalls mit einem Stollen knapp gestreift. „Wenn der Schiedsrichter da pfeift, ist es ein berechtigter Elfmeter“, sagte Kovac ehrlich. Dafür, fand Gisdol, gebühre ihm ein zweiter Fairness-Preis.

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