Lade Inhalte...

Eintracht-Gegner im Pokal Spatzen im Aufwind

Der SSV Ulm 1846 hat sich von kühnen Träumen verabschiedet - das Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt ist der Lohn der Aufbauarbeit.

SSV Ulm
Selbstbewusster Verteidiger bei den Spatzen: Lennart Stoll vom SSV Ulm 1846. Foto: Imago

Genau 18 Jahre hat es gedauert, dass das Donaustadion von Ulm mal wieder ausverkauft ist. Wegen des DFB-Pokalspiels des SSV Ulm 46 gegen Pokalverteidiger Eintracht Frankfurt (Samstag 15.30 Uhr) nimmt an diesem Tag sogar die Straßenbahnlinie 1 wieder ihren Betrieb auf. 1800 Zuschauer werden heute dabei sein, die meisten davon strömen dann auf die alten Stehplätze. Die Haupttribüne fasst knapp 1300, die 1999 gebaute Gegengerade 3000 Sitzplätze. Denn genau wie der Klub hat die von einer Laufbahn umgebene Spielstätte unweit der Donau nun einmal ihre besten Zeiten hinter sich. Weswegen FWG-Stadtrat Reinhold Eichhorn kürzlich vorschlug, in der Münsterstadt doch endlich eine reine Fußball-Arena zu planen. Kommunalpolitiker aller Couleur haben sich dagegen ausgesprochen. Wer soll das bauen und bezahlen? Solch ein Projekt für einen mühsam konsolidierten Viertligisten auf den Weg zu bringen, wäre ein Luftschloss.

Und gewiss nicht das richtige Zeichen für die vom Gesamtverein SSV Ulm 1846 abgespaltete Fußballabteilung, die in diesem Jahrtausend schon alle Höhen und Tiefen durchlebte. Die beste Ulmer Zeit leitete der aufstrebende Fußballlehrer („Professor“) Ralf Rangnick ein, der seine revolutionäre Taktik im Dezember 1998 sogar im ZDF-Sportstudio erklären durfte. Der Höhenflug der Spatzen führte 1999/2000 bis in die Bundesliga und sie schlugen sich lange prächtig, bis ein 1:9 gegen Bayer Leverkusen alles ins Wanken brachte.

Dann kam der letzte Spieltag, und Ulm trat beim heutigen Gegner Frankfurt an. Nach einem 1:2 im alten Waldstadion war der Emporkömmling sportlich dann doch abgestiegen, allerdings blieb ein „Geschmäckle“: Die Eintracht hatte zuvor wegen Verstößen gegen die Lizenzauflagen einen Zwei-Punkte-Abzug bekommen - die Strafe wurde mitten im Abstiegskampf nach dem 29. Spieltag verhängt. In und um Ulm herum glauben viele der Verschwörungstheorie, die Edelfan und Maskottchen „Jack“ alias Jürgen Springer gern auftischt: „Wäre es um einen anderen Verein gegangen als Frankfurt, wäre die Strafe nicht so glimpflich ausgefallen.“ Naja.

Für Ulm begann hernach eine Talfahrt sondergleichen. Dem Lizenzentzug 2001 mit dem Sturz in die Verbandsliga folgten drei Insolvenzen. Die letzte 2014. Vor zehn Jahren kreuzte zwischendrin die Steuerfahndung auf, ein Jahr darauf waren Spieler in Spielmanipulation verwickelt. Tiefer kann ein Ex-Bundesligist kaum sinken. Danach stieg Anton Gugelfuß ein, Geschäftsführer einer Firma für Fenster, Türen und Fassaden. Er hatte selbst für den SSV gespielt und konnte es nicht ertragen, „dass der Insolvenzverwalter meinen Heimatverein zusperrt“. Gugelfuß und seine Mitstreiter installierten einen Aufsichts- und Verwaltungsrat mit 20 Persönlichkeiten aus dem Ulmer Wirtschaftsleben. Kollektiv hauchten sie dem Klub wieder Leben ein. Auch die Stadt ließ sich überzeugen, wonach es sich lohnt, wieder Unterstützung zu leisten.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen