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Eintracht Frankfurts Marius Wolf Vom Abseits an den Tisch von Neymar

Eben saß er noch in Hannover fest, doch auf einmal ist Marius Wolf in aller Munde.

Marius Wolf
Marius Wolf hat einen steilen Aufstieg hinter sich, er kann es selbst gar nicht glauben. Foto: imago

Es ist nicht so, dass sich Marius Wolf nicht mehr frei in der Stadt bewegen kann und sich, mal überspitzt formuliert, mit einer Mütze und Sonnenbrille tarnen muss. Vom Status des Superstars ist der große Blonde doch noch ein Stück entfernt, und doch ist die Entwicklung des 22-Jährigen bemerkenswert. Der flinke Flügelspieler der Frankfurter Eintracht ist ganz sicher der Gewinner der Vorrunde, eine Art Shootingstar, ein Senkrechtstarter. Seine Wahrnehmung hat sich, ganz klar, geändert, sein Stellenwert ebenso. Marius Wolf ist angekommen in der Bundesliga, man kennt ihn. „Es gibt mehr Schulterklopfer“, sagt er selbst. Er weiß, dass das gefährlich sein kann. Doch nicht für ihn. „Ich weiß, wer an meiner Seite war, als es nicht so lief. Ich weiß, wer zu mir gehört und wer nicht.“

Vor ziemlich genau einem Jahr saß er noch in Hannover fest, in die zweite Mannschaft abgeschoben, vierte Liga, Sackgasse, Tristesse pur. Kein Mensch nahm mehr Notiz von ihm, da schien ein Stern zu verglühen, ehe er richtig aufgegangen war. Dann erinnerte sich Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner an Marius Wolf, viel Überzeugungsarbeit war nicht nötig, um den Coburger von einem Engagement in Frankfurt zu überzeugen. „Es war meine letzte Chance.“

Wolf sitzt in einem Sessel im Trainingscamp der Eintracht in Campoamor im Süden Spaniens. Er wird zu seinem Status befragt, seinem kometenhaften Aufstieg und ob das nicht wie ein Sechser im Lotto sei. Man sieht ihm an, dass er selbst kaum Zeit hatte, das alles zu verarbeiten. „Im Fußball geht es schnell hoch und runter“, sagt Wolf.

Momentan schwebt Marius Wolf, der fünf Kilo Muskelmasse zugelegt hat und es nun auf 79 Kilo bringt, auf einer Wolke, er ist aus dem Team nicht wegzudenken. Elfmal stand er in der Startelf, zuletzt immer, er hat drei Tore gemacht und drei vorbereitet, er ist gut befreundet mit dem Starspieler Kevin-Prince Boateng, der ihn mit nach Mailand nahm, inklusive Abendessen am Nachbartisch von Neymar. Fand er ganz cool, der Marius Wolf. „Vielleicht kann ich ja mal gegen Neymar oder mit ihm spielen“, sagt er lächelnd. „Man weiß es ja nie.“

Wolf hat mit einem Löwenherzen und unbändigem Willen überzeugt. Er ist der Prototyp der Frankfurter Kampfeinheit, so etwas wie das lebende Leitbild dieser Haltung. Schulterklopfer bleiben da nicht aus. 

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