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Eintracht Frankfurt vor dem DFB-Berufungsgericht Das Prinzip Sippenhaft

Der Einspruch von Eintracht Frankfurt vor dem Bundesgericht des Deutschen Fußball-Bundes hat das Urteil der bisherigen Instanzen teilweise korrigiert. Jetzt dürfen 11.500 Zuschauer mehr das erste Saisonspiel ihres Vereins im Stadion live sehen. Grundsätzliches aber bleibt ungeklärt.

Heribert Bruchhagen, Axel Hellmann und Anwalt Christoph Schickhardt. Foto: Getty Images

Heribert Bruchhagen zieht gierig an seiner Zigarette, die Anstrengung der zurückliegenden sechs Verhandlungsstunden sind dem Vorstandsvorsitzenden des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt anzusehen. Sein Gesicht ist blass, die Wangen eingefallen. „Heribert Bruchhagen hat sich zerrissen für die Sache“, sagte Eintracht-Anwalt Christoph Schickhardt nach seinem Schlussplädoyer vor dem DFB-Bundesgericht.

Zu diesem Zeitpunkt steht das Urteil noch aus. Selbst ein zweistündiges Rechtsgespräch war erfolglos geblieben. „Es gibt hundert Seiten Schriftsätze“, so Schickhardt, „der Fall ist ausgelutscht bis zum geht nicht mehr.“ Zu einem Deal konnten sich aber weder die Eintracht-Bosse noch DFB-Chefankläger Anton Nachreiner durchringen. Schickhardt trocken: „Es gab keinen Kuhhandel.“ Wohl aber ein Urteil, „in dem sich keine Partei wiedergefunden hat“ (Bruchhagen).

Der Stehplatzbereich bleibt geschlossen

Das DFB-Bundesgericht unter dem Vorsitz des ehemaligen DFB-Justiziars Götz Eilers änderte in der Berufungsverhandlung das Urteil des Sportgerichts vom 20. Juli ab: Zur Saisonpremiere am 25. August gegen Bayer Leverkusen darf die Eintracht nun 26500 statt 15000 Karten an ihre Anhänger verkaufen. Dazu gehen 5000 Tickets an die Fans der Gästemannschaft. Im Gegenzug verdoppelte das DFB-Bundesgericht die Geldstrafe von 50000 auf 100000 Euro. Eilers machte der Eintracht die Auflage, den Stehplatzbereich ? mit Ausnahme des Gästeblocks ? zu schließen.
Schickhardt sprach nach dem Richterspruch von einem „harten Urteil, das uns schwer trifft.“ Ob die Eintracht den Richterspruch in der Berufung annimmt, oder den Gang vor ein ordentliches Gericht wählt, ließ Bruchhagen gestern offen: „Ich will nichts präjudizieren.“

"Erfolg passt in diesem Zusammenhang einfach nicht"

Am Dienstag wird der Vorstand das weitere Vorgehen beraten und sich anschließend abschließend äußern. „Es wäre töricht, wenn wir sagen würden, wir wären zufrieden“, sagte Bruchhagen. „Ich kann im Moment alle Konsequenzen noch nicht übersehen. Es handelt sich um ein verbessertes Urteil, aber es ist kein Teilerfolg. Das Wort Erfolg passt in diesem Zusammenhang einfach nicht.“
Während der Beweisaufnahme der Berufungsverhandlung vor dem DFB-Bundesgericht wurden fünf Zeugen gehört, darunter zwei telefonisch zugeschaltet. Übereinstimmender Tenor: Die Eintracht-Verantwortlichen hätten alles dafür getan, um den Ausschreitungen in den Partien in Aachen, zu Hause gegen 1860 München und in Karlsruhe Herr zu werden.
In der Beweisaufnahme und in seinem Schlussplädoyer hatte Schickhardt noch einmal intensiv versucht, sich gegen eine Kollektivstrafe zu wehren. „Sie beschädigt Eintracht Frankfurt und die Marke Bundesliga“, sagte Schickhardt: „Wir kämpfen für die ordentlichen, gewissenhaften, sportlichen und fairen Fans.“

Strafe "zu Recht in der Diskussion"

In seiner neun Minuten dauernden Urteilsbegründung wies Eilers ausdrücklich darauf hin, dass die Rechts- und Verfahrungsordnung des DFB den Rahmen des Handelns vorgibt. Dort findet sich eben die Vorschrift der Verantwortlichkeit des Vereins, auch wenn ihn kein Verschulden für das Verschulden seiner vermeintlichen Anhänger trifft.“ Rechtlich sei das umstritten, es gebe aber keine Alternative, um diesem Problem zu begegnen. Kurios: diese Bestimmung wurden vom Bundestag des DFB verabschiedet und die Vereine selbst haben dieser Ordnung zugestimmt. Eilers räumte aber ein, „dass die Geeignetheit der Strafe zu Recht in der Diskussion steht. Es gibt bisher aber keine vernünftige Alternative bei einer Eskalation von Ausschreitungen ? außer der Kapitulation.“

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