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Eintracht Frankfurt Verlieren verboten

Trainer Niko Kovac will der taumelnden Eintracht eine Siegermentalität eintrichtern. Das ist auch bitter nötig.

Manchmal zum Wegschielen: Niko Kovac bei der Arbeit. Foto: Jan Huebner

Wer den Abstieg verhindern will, darf seine Tochter nicht beim „Mensch-ärgere-nicht-Spiel“ gewinnen lassen. „Das habe ich nie gemacht“, sagt Niko Kovac. Selbst gegen Tochter Laura wollte er unbedingt gewinnen, trotzdem hat die mittlerweile 14-Jährige öfter gesiegt. „Und das hat mich geärgert.“ Kovac, das hat er mit vielen Sportlern gemein, hat in seiner Profikarriere nie verlieren können. „Am schlimmsten war, die Trainingsspielchen zu verlieren. Da bist du hinterher gehänselt worden.“

Niko Kovac, der neue Trainer der massiv in Abstiegsgefahr befindlichen Frankfurter Eintracht, erzählt diese Anekdoten eine knappe Stunde nach dem Vormittagstraining in der Vorstandsloge des Klubs. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick ins Stadionrund, Kovac sitzt bei Schnittchen und Kaffee mit einem Dutzend Journalisten zusammen und redet über Mentalität. Er kann eine Menge aus erster Hand dazu sagen, denn er hat, wie kaum ein Zweiter, auf dem Platz vorgelebt, um was es geht: um Kampf, um Einsatzwillen, ums Gewinnen. „Der zweite Platz ist der erste Verlierer“, sagt Kovac.

Neue Chance für Seferovic

Niko Kovac weiß, von was er spricht: Er ist groß geworden in Berlin-Wedding, ein Zaun nur entfernt vom nächsten Bolzplatz. Und da kickte er immer, meist der Kleinste, gegen Serben, Türken, Kroaten, Deutsche, ein wilder, bunter Haufen, „das war ein richtiger Meltingpot“. Nur die Härtesten, Geschicktesten setzten sich durch, Niko Kovac gehörte dazu. Seine „kroatische Mentalität“, wie er sagt, hat ihm geholfen.

Genau diese Siegermentalität will er seiner taumelnden Mannschaft „eintrichtern“: sich durchzusetzen, gegen Widerstände zu arbeiten, die Ärmel aufzukrempeln. „Es heißt nicht umsonst: Abstiegs-Kampf.“ Er lebt ihnen das vor, er schwört sie ein. Aber: „Es braucht in unserer Situation Spieler, die vorneweg gehen.“ Bei der Eintracht sind das aus seiner Sicht: Carlos Zambrano, Marc Stendera, Marco Russ, Änis Ben-Hatira, Stefan Aigner, auch Haris Seferovic. Ja, auch Haris Seferovic, der in Mönchengladbach nur durch Lustlosigkeit aufgefallen war. Kovac hat das sehr wohl registriert und sich den pomadigen Stürmer zur Brust genommen. „Ich bin keiner, der Gläser an die Wand wirft, aber solche Sachen lasse ich nicht laufen. Seine Gestik hat mir nicht gefallen.“ Das sei vor versammelter Mannschaft angesprochen worden. „Es geht nicht, dass einer abwinkt, lamentiert oder stehen bleibt.“ Aber Seferovic, obzwar Schweizer, habe „die Gene vom Balkan“. Gene, die man offenbar braucht im Abstiegskampf.

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Für die wichtige Partie am Samstag gegen Hannover 96 plant der 44-Jährige taktisch mit einem 4-2-3-1-Konzept. Darin fühle sich die Mannschaft, der er in puncto Engagement „ein Kompliment“ aussprach, am wohlsten. Russ wird in die Innenverteidigung zurückkehren, „die Sechs ist nicht seine Position“ (Kovac). David Abraham, der bislang sehr solide verteidigte, wird wohl, so sieht es derzeit aus, seinen Platz im Team verlieren, auch Marco Fabian, der Mexikaner, wird auf die Ersatzbank müssen. Statt dessen will Kovac den Winterzugang aus dem Wedding, Ben-Hatira, auf den linken Flügel stellen, um 1:1-Situationen zu gewinnen. Marc Stendera hat seinen Muskelfaserriss so weit auskuriert, dass er spielen kann. „Jedem ist der Ernst der Lage bewusst. Uns helfen nur drei Punkte“, sagte der 20-Jährige am Mittwoch.

Viele Baustellen

Entscheidend wird aber auch sein, wie die Mannschaft ihre Nerven unter Kontrolle bekommen will. Unter Druck neigt sie dazu zu verkrampfen. „Zum Fußball gehört auch Spaß“, sagt Kovac. Und Ballbesitz: „Nur bei Ballbesitz kannst du Tore erzielen.“ Klar ist aber auch: Es muss sich einiges ändern. „Die, die viel sprinten, werden das Spiel dominieren. Intensive Läufe und Sprints machen den Unterschied aus“, sagt Kovac. Genau dieses fehlende Tempo war in der jüngeren Vergangenheit das große Manko der Eintracht-Mannschaft: Sie kamen, wie etwa in Mönchengladbach, kaum mit, rannten viel zu häufig hinterher. „Wir haben viele Baustellen“, hat der Fußballlehrer ausgemacht.

Und dennoch ist Niko Kovac zuversichtlich, dass er seine Mission zu einem guten Ende führen wird. Im Team sei keiner, der über die Stränge schlage. Zudem habe man Spiele gegen vier Mitkonkurrenten Hannover, Hoffenheim, Darmstadt und Bremen sowie das Derby gegen Mainz. Um die Mannschaft noch besser einschwören zu können, spielt Kovac mit dem Gedanken, in der Länderspielpause ein Trainingslager außerhalb Frankfurts zu beziehen. Um als Team zu wachsen.

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