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Eintracht Frankfurt Veh zwingt Forster in die Knie

Oliver Forster wird nicht Pressechef  der Frankfurter Eintracht. Der 45-Jährige hat sich in Absprache mit dem Vorstand des hessischen Bundesligisten dazu entschieden, seinen Dienst am 15. Juni nicht anzutreten. Der bereits geschlossene Vertrag wird aufgelöst.

Armin Veh: Machtwort aus dem Urlaub. Foto: Stefan Krieger

Der endgültige K. o. für den designierten neuen Pressechef der Frankfurter Eintracht folgte per anwaltlicher Mitteilung in der vergangenen Woche. Der im Urlaub weilende Cheftrainer Armin Veh hatte seinen Berater, den renommierten Juristen Christoph Schickhardt, beauftragt, der Eintracht-Spitze auszurichten, dass er nicht mehr nach Frankfurt zurückkehren werde, sollte Oliver Forster tatsächlich seinen Job als Medienboss antreten. Das war so etwas wie die ultimative Drohung. Ihre Wirkung verfehlte sie nicht.

Wie der „Kicker“ am Montag berichtete, wird Oliver Forster seinen Dienst am 15. Juni erst gar nicht antreten. Das deckt sich mit Informationen der Frankfurter Rundschau. Zu diesem Schritt hat sich der 45 Jahre alte TV-Mann in Absprache mit dem Vorstand des hessischen Bundesligisten durchgerungen. Der bereits geschlossene Vertrag wird aufgelöst. Forster wollte den für ihn sehr ärgerlichen Vorgang nicht groß kommentieren: Es werde wohl eher nicht zur Konfrontation mit Armin Veh kommen, ließ er lediglich durchblicken und stellte das „super Verhältnis“ zum Eintracht-Vorstand heraus: „Zwischen Heribert Bruchhagen, Axel Hellmann und mich passt kein Blatt Papier.“ Zwischen dem Neu-Isenburger und Armin Veh liegen freilich Welten.

Veh erbost

Der Coach hatte schon direkt nach der Forster-Verpflichtung im April im kleinen Kreis klar gemacht, dass er eine Zusammenarbeit mit dem früheren FFH-Sportchef kategorisch ausschließt, weil ihn dieser als Sport1-Moderator beim Frankfurter Hallenturnier vor knapp anderthalb Jahren kritisiert hatte. Damals war die Eintracht mit einer Mannschaft angetreten, die mit Reservisten und Amateuren gespickt war. Veh hat Forsters Kommentare bis heute nicht vergessen, er ist nachtragend. Er kann vor allen Dingen nicht nachvollziehen, weshalb Forster ihn damals nicht nach den Beweggründen, den Hintergründen befragte, weshalb er eine 1c)-Mannschaft unters Hallendach schickte. Das liegt eigentlich auf der Hand: Damals ging es um den Aufstieg in die Bundesliga. Nicht auszudenken, wenn sich ein Stammspieler auf Kunstrasen schwer verletzt hätte.

Seitdem tobt hinter den Kulissen ein zünftiger Kleinkrieg: Veh war und ist immer noch erbost darüber, dass die Eintracht den Fernsehmann (Liga total, Sport 1) gegen seinen ausdrücklichen Willen eingestellt hat. Er und Sportdirektor Bruno Hübner hätten schon in der Sondierungsphase deutlich signalisiert, sich nicht vorstellen zu können, gemeinsame Sache mit Forster zu machen. Veh drängte nicht darauf, einen Mann seines Vertrauens einzustellen. Er wollte allerdings auch nicht, dass einer verpflichtet wird, dem er misstraut und grundsätzlich ablehnend gegenüber steht.

Womöglich sah sich der Frankfurter Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen unter Zugzwang, weil sein Wunschkandidat kurz zuvor überraschend abgesagt hatte. Dass sich der Klubchef dann allerdings über Nacht für den Mann mit der markanten Stimme entschied und diesen auch prompt einstellte, trieb Veh die Zornesröte ins Gesicht. Er fühlte sich schlichtweg übergangen.

Es verging kaum ein Tag, ohne dass er intern nicht polterte und seinen Unmut sehr vernehmbar zum Ausdruck brachte. Die Hoffnung der Verantwortlichen, dass sich die erste Verstimmung bald legen und der Ärger rasch verraucht sein werde, zerschlug sich schnell. Veh blieb unnachgiebig, lehnte es kategorisch ab, die Angelegenheit in einem Vier-Augen-Gespräch aus der Welt zu schaffen. Die jüngste Eskalation der Ereignisse ist nur das i-Tüpfelchen auf Vehs radikalen Verlautbarungen der letzten Wochen.

Externes Eintracht-TV

Mit Forster, ließ er durchblicken, werde er nicht ein einziges Wort wechseln, er werde ihn nicht in die Nähe der Mannschaft lassen, der Kabinentrakt werde für ihn Tabuzone bleiben. Die Unterstützung für das aus der Taufe zu hebende Eintracht-TV, das Oliver Forster maßgeblich mit aufbauen sollte, verweigerte Veh komplett. Für einen Medienverantwortlichen ist das keine Basis, um produktiv und kreativ arbeiten zu können und den Verein medial in eine neue Ära zu führen. Die Überlegung der Vereinsführung, Forster anderweitig einzusetzen, lehnte dieser ab: Entweder ganz oder gar nicht. Forster findet das Ganze sehr schade und kann es nicht nachvollziehen, weil er immer ein gutes Verhältnis zu Veh gehabt zu haben glaubte und diesen als Trainer schätze.

Nach dem Verzicht des Bundesliga-Reporters bleibt nun die bisherige Pressesprecherin Ruth Wagner Vehs erste Ansprechpartnerin, darauf hatte der Fußballlehrer ohnehin gedrängt. An Ruth Wagners Seite steht weiterhin der erfahrene Carsten Knoop. Die Eintracht wird die Stelle des dritten Sprechers bis auf weiteres nicht besetzen. Beim Eintracht-TV, das ab der kommenden Saison im Internet auf Sendung gehen soll, wird der Klub wohl auf einen externen Anbieter setzen. Alles andere scheint nicht realistisch und wenig sinnvoll.

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