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Eintracht Frankfurt Veh krempelt die Eintracht um

Der Trainer testet im Training eine Raute und baut auf Zambrano, der definitiv nicht zu Schalke wechseln wird.

Die Raute an der Taktiktafel: Trainer Armin Veh erklärt’s. Foto: hübner

Das nennt man Punktlandung: Am ersten Trainingstag der letzten Vorbereitungswoche, vier Tage vor dem Rückrundenauftakt, stand Eintracht-Verteidiger Carlos Zambrano erstmals wieder gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen auf dem Übungsareal – nach geschlagenen sechseinhalb Wochen Pause.

So lange litt der Frankfurter Abwehrmann an den Folgen eines Muskelfaserrisses, den er sich im so desaströsen Heimspiel am 6. Dezember gegen Darmstadt 98 zugezogen hatte. Gestern dann das lang ersehnte und häufiger mal verschobene Comeback, natürlich gleich in der Stammelf, und Carlos Zambrano verteidigte im Trainingsspiel so, als sei er nie weggewesen. Aufmerksam, hart, resolut. „War okay“, sagte er. Aber ob es schon reichen werde für einen Einsatz am Sonntag gegen Wolfsburg, wisse er nicht so recht. „Das war jetzt mein erstes richtiges Training“, sagte er. „Mal sehen, ob es klappt. Es sind ja noch ein paar Tage Zeit.“

Und doch kann man bereits jetzt festhalten: Sollte nichts Unvorhergesehenes geschehen, wird der peruanische Nationalspieler zu der Elf zählen, die versuchen wird, die Niedersachsen in die Knie zu zwingen. Bedenken hätte der Spieler keine. „Ich habe keine Angst“, beschied er und klang dabei, als sei alleine schon die Frage eine Provokation. „Ich fühle mich gut, ich bin fit.“ In den zurückliegenden Wochen schuftete er zumeist alleine und mit vielen langen Läufen an seinem Comeback. Man muss wissen: Nichts verabscheut Zambrano so sehr wie laufen ohne Ball.

Trainer Armin Veh klang sehr zuversichtlich, was einen Einsatz seines Abwehrchefs angeht, obwohl er in der vergangenen Woche noch gesagt hatte, dass es ziemlich eng werden würde für den 26-Jährigen.

Nun klang das anders. Das hat den einfachen Grund, dass Zambrano schon wieder fast der Alte zu sein scheint. Und der Trainer hält seinen Abwehrchef, wenn er in Topform ist (was er zuletzt allzu selten war), sowieso für den besten Innenverteidiger, der auch internationalen Ansprüchen genügen könne. „Ich habe nicht gewusst, dass er schon wieder so weit ist“, sagte Veh am Mittwoch. Der Südamerikaner sei keiner, der große Anlaufschwierigkeiten habe. „Ich kenne ihn ja, er braucht nicht lange, um wieder voll da zu sein.“

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Zambrano war noch aus einem anderen Grund gestern das große Gesprächsthema. Die „Bild“ hatte berichtet, dass Ligakonkurrent FC Schalke 04 den eisenharten Stopper verpflichten möchte – und zwar sofort. Die Gelsenkirchener haben Handlungsbedarf in der zentralen Deckung, weil Kapitän Benedikt Höwedes mit einem Sehnenriss drei Monate ausfallen wird. Ob sie versuchen, ihren früheren Spieler zurückzuholen? Trainer André Breitenreiter wird mit den Worten zitiert, man brauche „Qualität und am besten einen Krieger.“ Das ist Zambrano zweifelsohne.

In Frankfurt werden die Schalker aber nicht fündig, selbst wenn sich der Umgarnte betont defensiv gab. „Ich habe keine Ahnung, ich weiß von nichts“, sagte Zambrano. „Ich lese auch keine Zeitung.“ Trainer Veh verlor ebenfalls nicht viele Worte zu diesem Thema. „Man muss sich ja nicht immer wiederholen“, befand er. „Carlos hat uns hoch und heilig versprochen, dass er da bleibt – zumindest bis Sommer. Und dann ist das auch so.“

Es wäre etwas anderes, wenn die Eintracht sich dazu entschließen würde, den Spieler abzugeben. „Aber das machen wir nicht, das wäre ja tödlich“, sagte Veh. Im Übrigen ist die immer wieder mal kolportierte Ablösesumme für Zambrano von knapp unterhalb der Zehn-Millionen-Marke nicht realistisch, weil nicht marktgerecht. Das Interesse der Eintracht, den Spieler zu verkaufen, ist daher gering und auch noch aus dem Grund, weil sie nicht in dem Maß partizipieren würde wie gewünscht: Obwohl Zambrano seinen Vertrag bis 2020 verlängerte, sitzt die Schweizer Agentur Speed noch immer mit im Boot und würde bei einem Wechsel kräftig abkassieren. Im Sommer könnte es dennoch zu einer Trennung von Zambrano kommen.

Aigner könnte auf der Bank sitzen

Der Peruaner wird gegen Wolfsburg auch deshalb in der Innenverteidigung gebraucht, weil Veh mit Marco Russ andere Pläne hat. Den Routinier versetzte er im Training ins defensive Mittelfeld. Makoto Hasebe rückte wieder nach hinten als rechtes Glied der Viererkette. Ohnehin wirbelte der Coach seine vermeintliche Stammelf im Trainingsspiel durcheinander. Und er wechselte sogar das System wieder, versuchte es mit einem 4-4-2 – inklusive Raute. Die Taktiktafel hatte er eigens mit aufs Feld gebracht. Eine Rückkehr zu dieser Ausrichtung hatte er vor nicht mal zwei Wochen noch kategorisch ausgeschlossen: „Die Raute ist nicht in meinem Kopf“, sagte er. Nun die Rolle rückwärts.

Rechts im Mittelfeld spielte Marc Stendera, Szabolcs Huszti kam über links, und der Mexikaner Marco Fabian versuchte sich als Zehner hinter den beiden Spitzen Haris Seferovic und Alexander Meier. Ob Veh am Sonntag so spielen lässt, ist offen. Doch aus Jux und Dollerei hat er diese Variante nicht getestet: „Ich möchte etwas ausprobieren, weil mir ein paar Dinge nicht gefallen haben. Ich wechsele ja nicht, wenn ich zufrieden bin, sondern wenn es nicht so läuft wie ich es mir vorstelle.“ Prominentestes personelles Opfer wäre Stefan Aigner. Er hatte gestern auch nicht wirklich die beste Laune.

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