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Eintracht Frankfurt U23 Einfach eingedampft

Die Eintracht aus Frankfurt meldet ihre zweite Mannschaft aus der Regionalliga ab. Übernimmt Trainer Alexander Schur jetzt die U19?

07.04.2014 08:49
Ingo Durstewitz, Sebastian Rieth
Zukunft ungewiss: Alexander Schur. Foto: imago sportfotodienst

Die knappe Bitte, man möge sich doch vor dem Training nochmal kurz im schicken Konferenzraum eine Etage höher einfinden, bedeutete nichts Gutes. „Schon da war mir klar, was gleich passieren würde“, erzählt Ugur Albayrak.

Eine halbe Stunde später ist der Stürmer der U23 von Eintracht Frankfurt um die Gewissheit reicher, sich für die kommende Saison einen neuen Arbeitgeber suchen zu müssen. Die zweite Mannschaft des Fußball-Bundesligisten wird es dann nicht mehr geben, die höchsten Entscheidungsträger der Eintracht haben sich dazu entschlossen, die kürzlich erst aufgehobene Existenzpflicht des Unterbaus zu nutzen und das B-Team vom Spielbetrieb der Regionalliga Südwest im Sommer abzumelden. Das teilte Armin Kraaz, der Leiter des Leistungszentrums am Riederwald, den Beteiligten am Sonntagmorgen um kurz nach elf mit.

Verständliche Entscheidung

Ein Schritt, der nicht überraschte, Spieler und Trainer aber trotzdem traf. „Ich finde das krass“, schimpft Albayrak. Er hätte sich gewünscht, dass man zumindest noch ein weiteres Jahr dranhängt, um den Spielern den Einstieg bei einem neuen Klub zu erleichtern. Der Konkurrenzdruck in der vierten Liga ist enorm, die Verdienstmöglichkeiten gering, „deshalb ärgert mich das“. Zumal die Verträge von drei Spielern erst kürzlich verlängert worden waren. Sie alle müssen sich nun nach Alternativen umschauen.

So unangenehm die Situation für die Betroffenen auch sein mag, so verständlich erscheint die Entscheidung, die der Verein und die Fußball AG einstimmig getroffen haben. Selbst U23-Trainer Alexander Schur muss einräumen, dass die Gründe für einen Rückzug „triftig“ sind. „Das System der U23 passt nicht mehr in unsere Zeit“, findet der 42-Jährige.

Die Leistungszentren bilden mittlerweile derart reife Spieler aus, dass sie entweder direkt den Sprung aus der Jugend in den Profibereich schaffen, oder gar nicht mehr. „In der Regionalliga werden sie nicht besser“, sagt Sportdirektor Bruno Hübner. Zudem sei das Niveau in dieser Klasse zu niedrig, um Rekonvaleszenten oder Spieler aus der dritten Reihe des Profikaders dort einzusetzen. „Das ist keine Motivation, sondern hat genau einen gegenteiligen Effekt.“ Eine Durchlässigkeit gibt es praktisch nicht, in den vergangenen Jahren schafften nur zwei Spieler den Sprung in die Bundesliga: Timothy Chandler und Norman Theuerkauf. Bezeichnenderweise sind beide schon lange nicht mehr bei der Eintracht, sondern haben ihr Glück über Umwege in Nürnberg und Braunschweig gefunden. „Das macht keinen Sinn mehr“, sagt Hübner deshalb. Der Unterhalt einer zweiten Mannschaft koste 900 000 Euro „und bringt nichts“.

Die Eintracht will Schur halten

Vielmehr sei man nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss gekommen, dass es andere Modelle geben müsse, um einem dritten Torhüter (Aykut Özer) oder einem Talent, das ein wenig hinten dran geraten ist (Marc-Oliver Kempf), Einsatzzeiten zu ermöglichen. Regelmäßige Testspiele gegen namhafte Konkurrenz sind ebenso denkbar, wie die Gründung einer Nachwuchsliga. Doch was passiert mit Alexander Schur, dessen Vertrag erst Anfang März um ein weiteres Jahr verlängert worden war?

Die Eintracht ist bemüht, ihren ehemaligen Aufstiegshelden im Verein zu halten, man will von dem geschmiedeten Plan, ihn irgendwann mal als Trainer der Profis zu installieren, nicht abrücken. Dem Vernehmen nach soll Schur an die Stelle von Daniyel Cimen als Coach der U19 rücken, auch eine Aufnahme in den neuen Trainerstab der Profis scheint möglich, genießt aber keine Priorität. Schur sagt, er sei „für alles offen“, so richtig sortiert hat er sich aber noch nicht.

Erst am Samstag gewann die kleine Eintracht nach fünf Spielen ohne Sieg zum ersten Mal wieder (4:2 gegen Homburg), keine 20 Stunden später ist das Makulatur. „Die Dynamik der letzten Wochen war schon gewaltig.“ Das Ende kam im Konferenzraum.

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