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Eintracht Frankfurt U19 So sind die Regeln des Geschäfts

Bei Eintracht Frankfurt muss Nachwuchstrainer Danyiel Cimen gehen, weil seine A-Jugend nicht genügend Punkte einspielte.

25.11.2014 06:40
Sebastian Rieth
Danyiel Cimen will sich seiner Familie widmen. Foto: imago

Als am späten Sonntagabend das Handy vibrierte, wusste Daniyel Cimen schon, dass seine Zeit als Trainer am Riederwald vorüber ist. Für diese Erkenntnis hätte er noch nicht mal das Gespräch annehmen müssen. Cimen tat es trotzdem. Am anderen Ende der Leitung teilte ihm Armin Kraaz zwar noch nicht die Trennung mit, aber allein die Bitte des Chefs, man möge sich am nächsten Morgen doch mal zu einem Gespräch zusammenfinden, ließ keine Zweifel mehr: Die Entlassung war beschlossene Sache.

Also parkte Daniyel Cimen am Montagmorgen ein letztes Mal sein Auto vor dem Leistungszentrum der Frankfurter Eintracht und betrat das Gebäude mit der Gewissheit, dass dieser Gang nichts Gutes für ihn bedeuten würde. Die Krise der A-Jugend hatte ihr erstes Opfer gefordert: Es war der Trainer. „Ich bin nicht schockiert oder enttäuscht“, erzählte Cimen, nachdem er seine persönlichen Gegenstände vom Schreibtisch geräumt und die Eintracht die Trennung publik gemacht hatte. Seit Tagen habe er ein „flaues Gefühl im Magen“ verspürt, ihm sei klar gewesen, dass man von ihm nichts anderes als Punkte erwarte. Doch die blieben aus. Zuletzt verlor die Mannschaft am Samstag bei den Münchner Löwen sogar 0:3 gegen einen Gegner, dem bis dahin in zehn Spielen nur fünf Tore gelungen waren. Das war zu viel, um die Treuebekundungen der vergangenen Wochen aufrechtzuerhalten. „Wir hatten nicht mehr den Glauben, eine Konstante reinzubringen“, erklärte Kraaz, der Leiter des Leistungszentrums. „Wir sind in einer Situation, in der wir nicht mehr anders können.“ Schließlich ist der Abstand zum ersten Nichtabstiegsplatz kurz vor der Winterpause auf sechs Punkte angewachsen und der Verbleib in der Bundesliga essentiell für eine Mannschaft, die nach der Abmeldung der U23 hinter den Profis das Aushängeschild der Nachwuchsarbeit sein soll. Kurze Hochphasen wie der Heimsieg gegen die Bayern retteten Cimen nicht.

Schur übernimmt

Der gebürtige Hanauer nimmt für sich in Anspruch, bis zuletzt alles gegeben zu haben, „aber wenn ein anderer es besser kann, dann will ich nicht stören.“ Der andere ist in diesem Fall Alexander Schur und damit sein ehemals direkter Vorgesetzter. Auf der neu geschaffenen Position des Cheftrainers hatte auch Schur versucht, gemeinsam mit Cimen die Wende herbeizuführen. „Das haben wir nicht geschafft“, sagt Cimen. Er könne verstehen, dass man das Team nun durch einen neuen Impuls wachrütteln wolle. Unterstützt wird Schur dabei vom bisherigen Videoanalysten Patrick Glöckner.

Ob Cimen, mit 29 Jahren noch ein junger Trainer, Fehler gemacht hat, darüber will man sich am Riederwald nicht äußern. Die alleinige Schuld an der Misere trägt er nicht. Das Verletzungspech traf die Mannschaft hart, auch an der generellen Qualität des Teams darf gezweifelt werden. „Der Kader war nicht optimal zusammengestellt“, findet Cimen, sagt aber auch: „Fakt ist: Ich habe die Kurve nicht bekommen.“ Nun wolle er sich erst einmal seiner Familie widmen. Daniyel Cimen ist vor wenigen Wochen Vater geworden.

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