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Eintracht Frankfurt Tropfen auf dem heißen Stein

Eintracht Frankfurt bleibt im Abstiegsrennen, ein Befreiungsschlag war der mühsame 1:0-Sieg nicht.

Änis Ben-Hatira feiert seinen Treffer. Foto: REUTERS

Am Wochenende hatte Takashi Inui frei. Bereits am Freitagabend spielte sein SD Eibar in der Primera Divison beim FC Getafe, 1:1, und der kleine Japaner stand 90 Minuten auf dem Platz. Drei Tore hat er bislang in 22 Spielen in Spanien geschossen, mit dieser mageren Quote würde er bei Eintracht Frankfurt zu den Top-Torjägern gehören. Am Samstagabend schaute der Flügelflitzer bei seinem alten Klub vorbei, er saß ganz oben unterm Dach, und er sah einen mühevollen 1:0 (1:0)-Erfolg im Abstiegsgipfel gegen Hannover 96. Er wird froh sein, in Spanien zu spielen und gemütlich auf einem neunten Platz zu stehen.

In Frankfurt wäre man schon gottfroh, das Allerschlimmste irgendwie zu verhindern, irgendwie drinzubleiben in der Liga, sich irgendwie durchzuwursteln. Dieser durch einen Kunstschuss aus unmöglichem Winkel von Änis Ben-Hatira (33.) erzitterte und erkämpfte Sieg war nachgerade überlebensnotwendig, um überhaupt weiter im Abstiegsrennen zu bleiben. Bei einer Niederlage hätte man das Buch gleich zumachen können, so bleibt immerhin ein Fünkchen Hoffnung.

Eintracht Frankfurt hat also den letzten Strohhalm gepackt, mehr auch nicht. Ein Befreiungsschlag war dieser Erfolg, erst der zweite in diesem Jahr, also keinesfalls. Die Misserfolgssträhne von acht Spielen ohne Sieg ist unterbrochen worden, das ist alles. Klar, die Hessen standen, angesichts der Ergebnisse der Mitkonkurrenten gewaltig unter Zugzwang. Mit diesem Sieg „haben wir viele Teams aktiv in den Abstiegskampf reingezogen“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner am Sonntag nach dem Auslaufen. Ab Platz zehn könne sich keiner mehr sicher sein, „wir haben den Wettkampf neu ausgelöst“. Es bleibt also eng im dunklen Keller. Fünf Klubs kämpfen um die drei Plätze, die den direkten Klassenerhalt bedeuten, Hannover 96, zehn Punkte hinter Eintracht Frankfurt, das nun Platz 17 belegt, wird den Gang in Liga zwei nicht verhindern können.

Der Erfolg, frenetisch gefeiert von den Fans, war vor allem für die Psyche relevant. „Der Sieg“, sagte Schütze Ben-Hatira, „war sehr, sehr wichtig für die Köpfe“ (siehe auch die Seiten S2 und S3). Kapitän Marco Russ sprach „von Balsam für die Seele“, und Trainer Niko Kovac davon, dass die Spieler „wieder zum Bäcker gehen können und auf die Schulter geklopft bekommen“. Vielleicht setzt der Sieg neue Kräfte frei. Denn die Eintracht hat eine unglaubliche Stresssituation erfolgreich bewältigt. Rechtsaußen Stefan Aigner hatte es auf den Punkt gebracht: „Wir hätten nur verlieren können.“

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Doch viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein war es bei Licht betrachtet nicht, was die Eintracht 43 300 Zuschauern bot. Dazu war die spielerische Leistung der Frankfurter gegen ein müdes Team aus Hannover viel zu dürftig. Eine Menge Zuversicht lässt sich aus diesem Spiel nicht saugen, Selbstvertrauen ebenfalls nicht viel, „selbst wenn Siege immer gut sind für die Seele“ (Kapitän Russ). Doch es lief wirklich nicht viel zusammen bei der Eintracht, Angst und Verunsicherung lähmten die Füße und waren bis unters Tribünendach zu spüren. Da spielte in der Tat der Zweitschlechteste gegen den Schlechtesten keinen guten Fußball, Not gegen Elend, ein Abstiegsduell auf niedrigem Niveau. Vieles blieb Stückwerk, einen Plan schien kein Team zu haben, die Ratlosigkeit war mit Händen zu greifen.

Die Eintracht war von zwei schwachen Teams das etwas bessere. Und sie hatte Fortuna auf ihrer Seite: Der Treffer zum 1:0 resultierte aus einer leichten Abseitsposition von Passgeber Stefan Aigner, dazu hätte Schiedsrichter Wolfgang Stark in Halbzeit zwei bei einem Zweikampf zwischen Stefan Reinartz, der sich später eine Sprunggelenksverletzung zuzog, und Edgar Prib auch Strafstoß für Hannover geben können. „Wenn er gepfiffen hätte, hätten wir uns nicht beklagen können“, sagte auch Trainer Kovac.

Aber immerhin: Die Eintracht hatte die klar besseren Möglichkeiten, allein der frisch und agil wirkende Änis Ben-Hatira hätte noch zwei weitere Treffer (66. und 71.) schießen müssen, dazu Haris Seferovic (48.), der allein vor Zieler scheiterte. „Vor dem Tor ist er unheimlich fahrig. Haris braucht ein Erfolgserlebnis“, fand Bruno Hübner.

Nur ein kleiner Schritt

Fakt ist aber auch: Die Eintracht kämpfte, zeigte „hohe Laufbereitschaft und Herzblut“ (Hübner). „Das Engagement der Spieler war immens“, sagte Niko Kovac nach seinem Debüt als Trainer im Stadtwald. „Ich möchte alle loben. Über 90 Minuten hat jeder das letzte Hemd gegeben. Jeder hat sich zerrissen“, befand der sichtlich erleichterte Kroate. Er übersah aber auch nicht, dass es in spielerischer Hinsicht noch eine Menge zu verbessern gibt. Doch das trat an diesem Abend in den Hintergrund. Es ging einzig und allein darum, diese Partie zu gewinnen. Und das war der Eintracht gelungen.

„Das war ein kleiner Schritt nach vorne“, fasst Hübner die 90 anstrengenden Minuten zusammen. Die Eintracht hat ihre Hausaufgaben erledigt. „Wir haben es selbst in der Hand“, sagt Hübner. Auf die Heimspiele werde man sich konzentrieren und die Spiele gegen die Mitkonkurrenten; „wichtig war, dass wir das erste von vier Heimspielen gewonnen haben“, sagte der Trainer. Nur so könne es gehen.

Man kann Niko Kovac verstehen: Das nächste Spiel ist auswärts, beim FC Bayern München.

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