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Eintracht Frankfurt Strippenziehen im Wüstensand

Eine optimale sportliche Vorbereitung steht bei Eintracht Frankfurt im Vordergrund, doch auch die Beziehungen zur Region wollen im Trainingslager gepflegt werden.

Tablet und Smartphone: Auch Alexander Meier (links) und Bastian Oczipka sind gut ausgerüstet für die Netzwerkerei auf der arabischen Halbinsel. Foto: Heiko Rhode

Als die gut 60 Köpfe umfassende Frankfurter Entourage nach etwas mehr als sechsstündigem Flug am Montagabend, kurz vor 23 Uhr Ortszeit, auf dem internationalen Flughafen von Dubai gelandet war, herrschten immer noch sehr angenehme Temperaturen, 17, 18 Grad, leichter Wind. Nach einer weiteren eineinhalbstündigen Busreise durch die Wüste der Vereinigten Arabischen Emirate war die Reise nach Abu Dhabi nach Mitternacht endlich an ihr gutes Ende gekommen, der Milliarden Dollar teure Luxus-Bau des Emirates Palace, einer Herberge für Könige, Scheichs und Kicker, mit Privatstrand, Jachthafen und rund 100 Suiten, alles vom Allerfeinsten. Dort betteten die 26 Profis von Eintracht Frankfurt ihre müden Häupter in samtweiche Kissen, ehe anderntags der Trainer Armin Veh zur ersten von vielen, vielen Trainingseinheiten auf den akkurat hergerichteten Rasenplatz bittet.

Zum vierten Mal in Folge hat der hessische Bundesligist sein nobles Quartier am arabischen Golf aufgeschlagen, man betritt also keinesfalls Neuland, im Gegenteil: Man kennt sich und schätzt sich. „Wir sind“, sagt Vorstand Axel Hellmann, der morgen nachreisen wird, „gute Gäste.“ Die Hessen seien der einzige Klub, neben dem FC Bayern München (der in Katar sein Wintercamp bezieht), der „in dieser Konsequenz“ diese Region bereise. Angesichts aktueller Entwicklungen sei der arabische Raum momentan nicht „en vogue“, doch Eintracht Frankfurt sehe keinen seriösen Grund, deshalb die Verbindungen schleifen zu lassen.

Natürlich ist in diesem Jahr, mehr denn je, der Fokus auf den Sport gerichtet, Eintracht Frankfurt steht nach einer insgesamt missglückten Vorrunde mit dem Rücken zur Wand, in diesem Trainingscamp sollen (und müssen) die Grundlagen gelegt werden für eine deutlich bessere zweite Hälfte. „Wir können nicht groß von internationalen Strategien sprechen und wissen nicht, ob nächstes Jahr die Gegner Paderborn oder Düsseldorf heißen“, sagt Hellmann. „Die große Trompete packen wir nicht aus.“ Die Themen wären sicherlich andere, wenn „wir Siebter, Achter oder Neunter wären“.

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Doch die Eintracht ist 14. und steckt in Abstiegsgefahr. Die sportliche Vorbereitung genießt also oberste Priorität, aber klar ist auch: Der Standort Abu Dhabi ist nicht zufällig gewählt. Es geht während des knapp zehntägigen Aufenthaltes für den Klub weiterhin um Kontakte, um den Ausbau bereits geknüpfter Netzwerke, um Verbindungen, um internationale Strategien, ums Strippenziehen. Da hat Eintracht Frankfurt in den vergangenen Jahren einiges aufs Gleis gestellt. Die Präsenz in der Region am Persischen Golf habe sich bereits ausgezahlt, Hellmann spricht gerne „von gewachsenen Beziehungen“.

Es sind in der Tat eine Reihe von Kooperationen geschlossen worden, etwa mit dem erfolgreichsten Klub des Landes, mit Al Ain. Neben der Partnerschaft mit dem Fußballverein wird Eintracht Frankfurt den Vertrag mit der größten Versicherung des Landes, Daman, der „Allianz des Mittleren Ostens“ (Hellmann), verlängern, zudem ist die in Abu Dhabi bestens verdrahtete BHF-Bank ein wichtiger Partner vor Ort. Sicher wird es auch hochrangige Begegnungen vor Ort geben, ein bisschen mehr als bei einem kreuznormalen Trainingscamp im Stubaital werden Frankfurter Kicker auch als Botschafter gefragt sein.

Immerhin wird die Eintracht einen Teil des nicht gerade billigen Trainingslagers refinanzieren können. „Es gibt nicht nur Ausgaben, es gibt auch Einnahmen“, sagt Hellmann und rechnet mit einem kleinen sechsstelligen Betrag. Klar ist auch: Nach dem avisierten Ausstieg ihres Hauptsponsors Alfa Romeo zum Saisonende, der der Eintracht in drei Jahren knapp 18 Millionen Euro gebracht hat, ist man ebenfalls auf der Suche nach einem neuen Geldgeber. Und möglicherweise werde man fündig in Gefilden, zu denen der Klub freundschaftliche Beziehungen pflege. Immerhin will Alfa Romeo der Eintracht nicht komplett den Rücken kehren, sondern trägt sich mit dem Gedanken, als Premiumpartner weiter zur Verfügung zu stehen.

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Die Eintracht hat auch ihre Fußballschule am Start, Ikone Karl-Heinz Körbel und die ehemaligen Eintracht-Profis Uwe Müller und Ervin Skela sind mit dabei, um professionell die Werbetrommel zu rühren und vor Ort Kinder und Jugendliche für den Klub aus Deutschland zu begeistern. Es geht für die Eintracht auch im vierten Jahr darum, die persönlichen Kontakte zu pflegen und zu vertiefen. „Wenn wir durch diese Tür gehen wollen, müssen wir präsent sein“, umschreibt Hellmann. Eintracht Frankfurt sei nicht, wie Bayern München oder Borussia Dortmund, eine „internationale Marke, wir sind international nicht im Fernsehen“, also müsse man freundschaftliche Bande knüpfen und vertiefen.

Großes Aufgebot

Die Eintracht wird personell mit voller Kapelle in Arabien vertreten sein, neben Hellmann und dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen werden Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing, Aufsichtsrat Philipp Holzer und Präsident Peter Fischer in Abu Dhabi sein.

Und Eintracht Frankfurt vertritt vor Ort auch ein Stück weit die Bundesliga. Erst kürzlich hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert den Bundesligisten eine gewisse Trägheit in diesen Dingen vorgeworfen. „Jeder Klub muss auch für die Bundesliga etwas tun, um in der Reichweitenentwicklung stärker am Markt zu werden“, sagt Hellmann, das ist sein Thema, die Marke Eintracht international hoffähig zu machen, soziale Netzwerke, Reichweitenentwicklung, das ist für ihn die Zukunft.

Die Liga müsse sich international bemühen, wenn die internationale Verwertung ihrer TV-Rechte Zuwachsraten erzielen sollen. Die DFL habe der Auslandsvermarktung höchste Priorität verliehen, und ihr sei wichtig, dass die Klubs „in die Zielmärkte gehen“. Klar ist aber auch, dass die Bundesliga im Vergleich zur englischen Liga nur ein kleiner Fisch sei. Aber der Fisch kann ja wachsen. Hellmann: „Es ist wichtig, dass die Bundesliga an Wert gewinnt.“ Die Eintracht will in Arabien ihren Teil dazu beitragen.

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