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Eintracht Frankfurt - SC Freiburg Tiefschlag im Stadtwald

Es ist kein guter Abend für die Eintracht: Die Frankfurter verlierein gegen den SC Freiburg ein Spiel, in dem sie klar besser ist, mit 1:4. Sie vergeben reihenweise beste Chancen - und verlieren auch noch Torjäger Alex Meier.

Freiburg jubelt. Mit dem Sieg über die Eintracht macht der SC wichtige Punkte im Abstiegskampf gut und arbeitet sich auf Platz 16 vor. Foto: dpa

Als die 90 Minuten dann zu Ende waren und Eintracht Frankfurt erstmals in diesem Jahr zu Hause mit leeren Händen dastand, legten selbst beinharte Frankfurter Fans die Finger in den Mund und pfiffen aufs Gebotene. Es war aber auch ein Tiefschlag zum völlig falschen Moment, ein Genickschlag zur Unzeit: Ausgerechnet im Abstiegsgipfel gegen den Tabellenvorletzten SC Freiburg unterlagen die Hessen mit 1:4 (0:1). „Unvorstellbar“, stammelte Torhüter Kevin Trapp, der keinen Schuss halten musste. Nichts war es mir dem geplanten Befreiungsschlag, vorbei die große Möglichkeit, mit einem Sieg viel Luft zwischen sich und den Abstiegsplätzen zu bringen. „Wir waren nie wirklich raus aus dem Abstiegskampf“, sagte Rechtsverteidiger Sebastian Jung nach der Blamage gegen lange Zeit wirklich nicht gute Breisgauer, „aber jetzt sind wir wieder mittendrin.“ Drei Punkte beträgt der Abstand bis zum Nichtabstiegsplatz, auf dem rangiert derzeit der 1. FC Nürnberg, pikanterweise Gegner der Eintracht am nächsten Sonntag.

Es war ein Spiel, das die Eintracht nie und nimmer hätte verlieren dürfen. Das Ergebnis stellte den Spielverlauf komplett auf den Kopf. Im Grunde schafften es die Freiburger mit fünf Schüssen aufs Frankfurter Gehäuse vier Treffer zu erzielen. Eine Effektivität wie sie sonst nur der FC Bayern München an den Tag zu legen pflegt. Die Eintracht war klar feldüberlegen, hatte viel, viel mehr vom Spiel, spielte ihre fußballerische Überlegenheit aus – und kassierte eine Klatsche. Hinterher sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen sichtlich gezeichnet: „Ich muss lange zurückdenken, so ein Fußballspiel gesehen zu haben. Das ist deprimierend. Diese Niederlage bringt uns in eine ganz schwierige Situation.“

Die Statistik wies hinterher 26 Torschüsse für die Eintracht aus, sieben für Freiburg. Die Hessen hatten mehr als ein Dutzend bester Möglichkeiten, hatten 60 Prozent Ballbesitz, kamen auf ein Flankenverhältnis von 18:0. Selbst SC-Trainer Christian Streich sagte ehrlich: „Die Eintracht hat nicht gut gespielt, sondern sehr gut. Heute hatten wir das Glück auf unserer Seite. Es haben die Glücklicheren gewonnen, nicht die Besseren.“ Trainer Armin Veh fand: „So grausam kann Fußball sein.“

"So Scheiße kann Fußball sein"

Zu allem Überfluss musste Alexander Meier Mitte der zweiten Halbzeit mit einer Adduktorenverletzung ausgewechselt werden. Ob und wie lange er ausfällt, ist noch offen. Auch Kapitän Pirmin Schwegler war nach diesen 90 Minuten am Boden zerstört. „So Scheiße kann Fußball sein“, presste der defensive Mittelfeldspieler hervor. „Das war die beste Halbzeit der Saison“, sagte er und so seltsam das klingen mochte nach einem 1:4, er hatte Recht. Zumindest in den ersten 30 Minuten hatte die Eintracht alles richtig gemacht. Sie setzte den SC Freiburg gehörig unter Druck, nahm sofort das Heft in die Hand, suchte die Entscheidung. Das Spiel ging nur in eine Richtung – auf das Freiburger Tor. Tatsächlich hatte Trainer Veh dieses Mal die offensivere Variante gewählt, hatte Joselu in die Sturmmitte beordert und Takashi Inui nach langer, langer Zeit wieder mal auf den linken Flügel. Und es war noch nicht einmal eine volle Minute gespielt, da wäre die Strategie schon aufgegangen. Es war Inui, der Stefan Aigner prima in Szene setzte, auf halbrechts, doch er brachte das Kunststück fertig, den Ball nicht im Tor unterzubringen. Das wäre ein Auftakt nach Maß gewesen.

Diese Aktion zeigte schon, wohin die Reise ging. Denn die Frankfurter ließen nicht nach, sie schnürten die Gäste aus dem Breisgau permanent in deren Hälfte ein. Die Hessen waren klar Herr im Haus. Bemerkenswert war dabei, dass Pirmin Schwegler, der Kapitän, an diesem Sonntag deutlich weiter vorne postiert war und viele, viele Impulse setzte. Immer wieder war er es, der mit Finten die Freiburger in Verlegenheit brachte oder die Kollegen gut einsetzte. Doch der Ertrag blieb gleich Null. Gut und gerne hätte es zur Pause 3:0 für die Eintracht stehen können, ja müssen, und der Sportclub hätte sich nicht beschweren können. Vor allem Aigner, der noch zweimal einschießen musste und einen rabenschwarzen Tag erwischte, oder auch Marco Russ hatten sich klarste Möglichkeiten geboten. „Uns fehlte die Gier, den Gegner zu Boden zu schlagen“, sagte Schwegler. „Es gibt nicht viele Mannschaften, die in so einer Situation so Fußball spielen wie wir. Wir waren nur nicht kaltschnäuzig genug.“

Denn dann kam es so, wie es kommen musste, wenn man seine Torchancen in Hülle und Fülle nicht nutzt: Der Gegner trifft. Es war die allererste gelungene Offensivaktion der Freiburger. Nach der ersten Ecke und einer Kopfballverlängerung bugsierte Julian Schuster per Fallrückzieher (34.) die Kugel zum Entsetzen der Eintracht ins Tor. 0:1 – das Spiel war auf den Kopf gestellt. . Und es sollte noch schlimmer kommen: Mit dem zweiten gescheiten Angriff erzielten die Freiburger, die in ihren bisherigen Spielen ganze 22 Treffer erzielten, das 2:0 durch Karim Guede. Fünf Minuten später keimte kurz Hoffnung auf: Joselu hatte im zweiten Versuch auf 1:2 verkürzt. Eine halbe Stunde war noch zu spielen. Doch Felix Klaus (70.) stellte den Zweitore-Rückstand wieder her. Selbst danach hatte die Eintracht noch die Chance, das Spiel zu drehen. Vaclav Kadlec scheiterte allein vor dem Tor, dann wurde noch ein Kopfball von Joselu (73.) von der Linie gekratzt. Glück hatte die Eintracht gestern auch nicht.

„Meine Mannschaft hat nie aufgegeben, hat immer an sich geglaubt“, sagte Veh, der lange nicht mehr so ein absurdes Spiel erlebt hat. „Wir sind wieder mittendrin. Es wird eng bis zum Schluss, aber das haben wir selbst verbockt.“

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