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Eintracht Frankfurt Ruhige Kugel im Mittelfeld

Trainer Niko Kovac sieht Eintracht Frankfurt im Soll und stellt fest: „Kevin kann Tag und Nacht laufen.“

Carlos Salcedo
Muss sich noch in Geduld üben: Carlos Salcedo. Foto: Jan Hübner

Die neue Wucht im Frankfurter Strafraum hat zu Beginn dieser Woche im Fernsehstudio des HR die Latte ziemlich hoch gelegt. „Wenn ich Chancen für 15 Tore habe, mache ich 15 Tore“, hat er bei seinem ersten Fernsehauftritt hierzulande gesagt, auf Französisch und freundlich. Sebastien Haller, von dem hier die Rede ist, hätte sein erstes Tor schon längst schießen können: In Freiburg, bei seinem Bundesligadebüt, war die Möglichkeit da, doch der Querbalken war im Weg. „Da hätte er seine Leistung krönen können“, sagte sein Trainer Niko Kovac. Ohnehin war Haller gut ins Spiel eingebunden, er gewann dank seiner physischen Präsenz erstaunliche 60 Prozent seiner Zweikämpfe, „das ist atypisch für einen Stürmer“. Und so ein Kanten wie der 1,90 Meter große Angreifer „lässt sich kaum wegstemmen“, sagte Kovac.

15 Tore – das ist eine Ansage. 15 Tore oder mehr – das haben bei Eintracht Frankfurt in der jüngeren Geschichte nur Alexander Meier (2014/15 mit 19 Treffern, 2012/13 mit 16 sowie 2011/12 mit 17) und Theofanis Gekas (2010/11 mit 16) geschafft.

So viel Selbstvertrauen findet der Frankfurter Trainer nicht schlecht, Stürmer müssen so sein, sie werden am Ende eben doch an ihren Toren gemessen. „Ein Stürmer, der sagt, er wolle ein Tor schießen, den brauche ich nicht“, sagte Kovac. „Ich würde Sebastien die 15 Tore wünschen.“ Aber am Ende ist es dem 45 Jahre alten Fußballlehrer egal, wer die Tore erzielt, so lange sie nur fallen. In der vergangenen Saison verteilte sich die Last des Toreschießens auf mehrere Schultern, allein acht Profis trafen mehr als zweimal, Marco Fabian war mit sieben Treffern der erfolgreichste Schütze. Und die Hessen erzielten ja auch lediglich 36 Tore. Das soll in dieser Runde natürlich anders werden, der Ball werde schon ins Tor gehen, sagte Kovac, der angesichts des torlosen Remis vom Sonntag keineswegs nervös reagierte. Man habe ja eine Reihe von Torchancen kreiert. „Das stimmt mich für die Zukunft zuversichtlich.“

Die nähere Zukunft - das ist die Partie zu Hause gegen den VfL Wolfsburg am Samstag. Wie die Eintracht dieses erste Heimspiel angehen wird, hat Kovac natürlich nicht verraten. In Freiburg waren die Hessen auf Nummer sicher gegangen. „Wir haben bewusst dem Gegner den Ball gegeben“, verriet Kovac im Nachgang seine Strategie, „um im Umschaltspiel unser Heil zu finden“. Deswegen habe man so viele lange Bälle gespielt. Der Coach wollte auf alle Fälle verhindern, dass die Eintracht durch Ballverluste im Spielaufbau ins Hintertreffen gerate - und damit das verhindern, was beim letzten Auftritt im Breisgau passierte. Da nämlich unterlag Frankfurt 0:1 nach einem Abspielfehler von David Abraham.

Im Grunde will die Eintracht schon das Spiel machen, über die entsprechenden Spielertypen verfügt sie, die Ballsicherheit ist vorhanden, etwa durch Mijat Gacinovic oder Jonathan de Guzman, der im Mittelfeld selten „in Stress gerät und eine ruhige Kugel schieben kann“ - im Wortsinne. Von Jetro Willems, dem Powermann auf der linken Seite, erwartet der Frankfurter Fußballlehrer einiges. Schon in Freiburg gehörte der Niederländer zu den Aktivposten, „aus seinen körperlichen Fähigkeiten kann er nach vorne mehr machen“.

Und weil Niko Kovac mit dem ersten Auftritt in der neuen Saison durchaus zufrieden war, ist auch für die Begegnung am Samstag nicht mit großen Veränderungen zu rechnen. Allein Kevin-Prince Boateng, der Paradiesvogel, dürfte von Beginn an für den matten Daichi Kamada in die Startformation wechseln. Körperlich fit sei die Neuerwerbung aus Las Palmas, er habe nichts aufzuholen: „Kevin kann Tag und Nacht laufen.“ Der 30-Jährige dürfte neben Haller anstelle von Kamada als zweite Spitze beginnen. „Daichi braucht noch Zeit. Balltechnisch ist er außerordentlich gut, er bewegt sich gut in den Räumen“, sagte Kovac, allein er wirkt arg zartbesaitet. Manches spricht dafür, dass die Hessen vor eigenem Publikum mit einer Dreierkette agieren, mit zwei hoch stehenden Außenverteidigern, drei Mann im Mittelfeld und zwei Spitzen.

Dessen ungeachtet wird es im sehr umfangreichen Kader der Eintracht langsam eng. Am Sonntag mussten schon Max Besuschkow und Luka Jovic, im Vorfeld als Gewinner der Vorbereitung gepriesen, auf der Tribüne Platz nehmen - im Kader war für beide kein Platz. Auch der Mexikaner Carlos Salcedo, nach seiner Schultereckgelenksprengung noch nicht gesund geschrieben, scharrt ungeduldig mit den Füßen. Er wird frühestens nach der Länderspielpause eine echte Alternative sein. Besuschkow soll nach den Worten des Coaches nicht ausgeliehen werden, für ihn sei das Training bei der Eintracht inklusive des Konkurrenzkampfes besser.

Keine Rolle in den Planungen spielt Rechtsverteidiger Yanni Regäsel, der sich einen neuen Klub suchen kann. „Es kommt aber nichts“, sagt Kovac, Angebote seien rar. Auch die Neuerwerbung aus dem Winter, Andersson Ordonez, will Eintracht Frankfurt ausleihen. Mit dem Ecuadorianer, der nie Fuß hatte fassen können und häufig verletzt war, war Kovac in den letzten Testspielen nicht zufrieden. „Für ihn wird es nicht leichter.“

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