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Eintracht Frankfurt Rosige Aussichten

Warum Eintracht Frankfurt die Europa League vorsichtig ins Visier nehmen sollte. Die Hessen haben zwei Eisen im Feuer.

Eintracht Frankfurt
Reif für Europa? Feiern können sie jedenfalls schon, die Profis von Eintracht Frankfurt. Foto: Jan Hübner

Zuletzt hat Niko Kovac immer seltener davon gesprochen, beim Studium der Bundesligatabelle den Blick zuerst nach unten zu richten. Bei derzeit 36 Punkten und Platz vier wäre das auch kaum noch seriös zu vermitteln. Mit dem Abstieg, so viel steht fest, hat Eintracht Frankfurt in diesem Jahr nichts zu tun. Ganz im Gegenteil: Zwölf Spieltage vor Ultimo können sich die Frankfurter berechtigte Hoffnungen auf die Teilnahme an der Europa League machen. Immerhin reicht in dieser Saison schon Platz sieben für das internationale Geschäft, weil mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der diesjährige DFB-Pokalsieger unter den ersten Sechs der Tabelle zu finden sein wird. Und auf den siebten Platz hat die Eintracht bislang fünf Punkte Vorsprung. Allerdings würde das bedeuten, dass der Klub als Siebter (und Sechster) früher mit der Vorbereitung beginnen müsste, denn vor den Reisen nach Europa hat die Uefa zwei zusätzliche Spiele gesetzt: die dritte Qualifikationsrunde (9. und 16. August) sowie ein Playoff-Spiel (23. und 30. August). Die Bundesliga beginnt am Wochenende 24. bis 26. August. Der Fünfte steigt direkt in die Gruppenphase ein.

Die Aussichten der Frankfurter sind für die nächsten Monate rosig. Im Pokalhalbfinale hätte es schlimmer kommen können, als gegen den FC Schalke 04 zu spielen. Allerdings weiß kein Mensch, in welcher Verfassung sich beide Klubs in zwei Monaten, am 17. oder 18. April, befinden werden, oder ob Verletzungen oder Formkrisen entscheidenden Einfluss auf die Partie nehmen werden.

In der Bundesliga schwebt die Eintracht unzweifelhaft derzeit auf Wolke sieben, sie befindet sich wahlweise „im Flow“ (Manager Bruno Hübner) oder „in einem kleinen Rausch“ (Vorstand Fredi Bobic). Insgesamt nämlich wirkt das Gebilde Eintracht Frankfurt sehr stabil, der Kader hat eine gewisse Qualität, er ist breiter geworden, der Konkurrenzkampf ist groß. Eine gute Handvoll Spieler muss froh sein, es überhaupt auf die Ersatzbank zu schaffen. Zu der bislang bekannten physischen Stärke der Mannschaft in Verbindung mit einer aggressiven, galligen Spielweise hat sich seit der Rückrunde auch eine erstaunliche spielerische Weiterentwicklung gesellt. Die Mannschaft lege „eine Mentalität und körperliche Präsenz an den Tag, die alle Achtung verdient“, lobt Kovac. Im Team stecke „richtig viel Potenzial“, sogar Potenzial nach oben.

Solch selbstbewusstere Töne waren lange Zeit tabu. So langsam visieren sie im Stadtwald andere Ziele an, zumindest im Geheimen und öffentlich noch sehr verklausuliert. „Wenn wir es schaffen, weiter konstant auf einem hohen Niveau zu spielen, haben wir Chancen, dass diese Saison sehr gut wird“, hat Bruno Hübner kürzlich im FR-Interview gesagt. Selbst Kovac erschrickt nicht mehr bei dieser Perspektive. Er wolle sich nicht treiben lassen, sagt er, „wenn zum Schluss etwas übrig bleibt, bin ich Sportler genug, um die Chance zu ergreifen.“ Bis dahin sei es noch ein langer Weg „und solange können wir keine anderen Parolen ausgeben“.

Noch ohne Beule

Die Eintracht vermag mittlerweile auch massiert stehende Teams selbst im eigenen Stadion auszuhebeln, etwas, was in der Hinrunde so gut wie gar nicht funktioniert hatte. In der Rückrunde haben die Frankfurter im Stadtwald in vier Spielen (dreimal Liga, einmal Pokal) nur einen Punkt abgegeben (1:1 gegen Freiburg), aber gleich dreimal gewonnen. „Sehr überzeugend“ sei es, was man mittlerweile auch zu Hause abliefere, lobt Hübner. Zwar kassieren sie dadurch mehr Gegentore, sie erzielen aber auch mehr. Nach 17 Spielen der Hinrunde waren die Hessen bei 20:18 Toren gelistet, nach fünf Partien der Rückrunde haben sie schon zehn erzielt und sieben gefangen.

Was darüber hinaus Anlass zu Zuversicht gibt, ist einerseits, dass es keinen Einbruch wie im letzten Jahr geben wird, und dass der ganze Klub sehr fokussiert „in den spannenden Saisonschlussspurt“ geht, wie Linksverteidiger Simon Falette kürzlich meinte. Mit prima Chancen auf ein Happyend: In der vergangenen Saison reichten 48 Punkte zu einem Tabellenplatz sieben, den hatte seinerzeit der SC Freiburg inne. Für 48 Punkte benötigt die Eintracht noch zwölf Punkte, eine Punktausbeute, die bei möglichen Heimsiegen etwa gegen Hannover 96, Mainz 05, Hertha Berlin oder den Hamburger SV durchaus zu stemmen sein könnte. Und dabei sind etwaige Punkteteilungen zu Hause gegen Leipzig, Hoffenheim oder in Stuttgart und in Bremen noch gar nicht berücksichtigt. Dazu geht es am letzten Spieltag zu Schalke 04; die Knappen könnten bis dahin ihre Champions League-Schäfchen schon im Trockenen haben. Richtige Brocken haben die Frankfurter in der Fremde freilich auch noch, in Dortmund, in Leverkusen, in München, wo die Trauben selbst für eine auswärtsstarke Elf wie Eintracht Frankfurt traditionell hoch hängen. Momentan spricht einiges dafür, dass ein Team, das sicher in der Europa League den Ball rollen lassen will, zwischen 50 und 52 Zähler horten werden muss. Auch diese Punktausbeute ist für die Eintracht drin – vorausgesetzt, der berühmte „Flow“ hält noch eine Weile an.

Dazu kommt: Eintracht Frankfurt hat sich in dieser Saison bislang, anders etwa als die direkte Konkurrenz Mönchengladbach oder Hoffenheim, so gut wie keine Krise geleistet. Schwächere Phasen schon, etwa zuletzt in Augsburg, sie ist aber gestärkt daraus hervorgegangen, hat stets die richtigen Lehren daraus gezogen.

„Mal sehen, wie weit die Füße tragen“, hat Vorstand Axel Hellman unlängst gesagt. Tragen sie schon nach Europa?

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