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Eintracht Frankfurt Oczipka vor Wechsel zu Schalke

Bastian Oczipka verlässt das Trainingslager von Eintracht Frankfurt. Unterdessen wird eine Kooperation des Vereins mit einer chinesischen Online-Plattform bekannt. Rekordtransfer Haller reist ins Trainingslager nach San Jose.

Bastian Oczipka
Bastian Oczipka steht kurz vor einem Wechsel zu Schalke. Foto: Armin Weigel (dpa)

Die Meldung der Eintracht ging fast gänzlich unter, sie wurde ja auch nur über Twitter abgesetzt, verirrte sich in den Wirrungen des virtuellen Netzes. Die Nachricht, dass der Frankfurter Bundesligist eine bis 2019 andauernde Partnerschaft mit der chinesischen Online-Spiele-Plattform „am8.com“ abgeschlossen hat, ist vordergründig tatsächlich nur eine Randnotiz. Doch sie hat auf den zweiten Blick mehr Relevanz als gedacht.

Denn zum einen zeigt sie, dass die Eintracht im begehrten fernöstlichen Zielmarkt einen Fuß in der Tür hat, und zum anderen bringt die hauptsächlich auf Asien ausgelegte Kooperation Geld: Die Partnerschaft spült den Hessen etwas mehr als eine Million Euro in die Kasse. Das ist nicht die Welt, aber andererseits ist es einer von vielen Abschlüssen, die in der Summe sehr wohl relevant sein können. „Unsere Deal-Pipeline ist voll“, hatte Vorstand Axel Hellmann vor wenigen Tagen gesagt.

Finanziell ist die Eintracht dennoch nicht in der Lage, große Sprünge zu machen. An die Großkaliber kommt sie nicht heran, sie muss sich im niederen bis mittleren Preissegment umschauen, dort, wo man qualitativ eben auch Abstriche machen muss.

Wie geht es Eintracht Frankfurt finanziell? 

Das ist bekannt. Und doch: Der Eintracht geht es nicht schlecht – obwohl der Klub sogar in der Fernsehgeldtabelle drei Plätze eingebüßt hat und ihm daher sieben Millionen Euro fehlen (die man, wenn man so will, durch das Erreichen des Pokalfinales kompensieren konnte).

Die Stimmung rund um den Bundesligisten ist positiv, man zeigt sich gerne mit dem Klub, die imposanten Bilder vom Pokalfinale gingen um die Welt und haben dem Verein zu mehr Popularität verholfen. Im Marketing-Segment ist der Klub fast ausgelastet, einige werthaltige Verträge mit Sponsoren konnten abgeschlossen werden. Das schlägt sich auf den sportlichen Sektor nieder.

Das Investitionsvolumen für neue Spieler wird insgesamt bei mehr als 15 Millionen Euro liegen, womöglich bewegt es sich sogar in Richtung der 20-Millionen-Grenze. Damit zählen die Frankfurter zu den Mittelgewichtlern, aber immerhin ist es ihnen mittlerweile möglich, einen Transfer in einer Größenordnung von sieben Millionen Euro wie den von Sebastien Haller ohne große Anstrengungen zu stemmen. Haller ist nach dem Einreise-Wirrwarr in den Staaten angekommen und wird am Freitag gegen San Jose spielen.

Der Verein ist nicht, wie im Vorjahr, darauf angewiesen, Spieler zu verkaufen. Er wird es aber dennoch tun. Bastian Oczipka hat gestern das Camp in Chula Vista verlassen, am Training am Vormittag nahm der Linksverteidiger schon nicht mehr teil, er flog zurück nach Frankfurt und wird sich bereits heute auf Schalke den ärztlichen Tests unterziehen. „Der Spieler wollte, deshalb haben wir Grünes Licht gegeben, dass er den Medizincheck machen kann“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. Unterschrieben sei noch nichts, aber selbst Bobic zweifelt nicht an dem Vollzug. „Es gibt noch ein paar Details zu klären, die aber nicht mehr ausschlaggebend sind.“

Der Transfer wird der Eintracht rund 4,5 Millionen Euro einbringen. Das ist nicht viel Geld für einen deutschen Linksverteidiger, doch bei dieser Vertragskonstellation (Laufzeit bis 2018) durchaus marktgerecht. Zumal der Spieler nicht mehr gewillt war, in Frankfurt zu bleiben. Ob der 28-Jährige schon am Sonntag mit Schalke 04 ins Trainingslager nach China reisen wird, ist offen. Das hängt auch damit zusammen, wie schnell die Gelsenkirchener ein Visum für den Bergisch-Gladbacher erwirken können.

Bobic stellte klar, dass die Eintracht auf diesen Fall vorbereitet war. „Wir geben so einen Spieler nicht gerne ab, aber dass wir im Hintergrund die eine oder andere Alternative haben, ist doch ganz normal.“

Dass der Königstransfer der Eintracht, Sebastien Haller, erst mit einiger Verspätung in die Staaten nachreisen konnte, spielte Bobic herunter. „Bürokratie ist nicht einfach“, sagte er. „Da ging das eine oder andere verschlampt, das weiß der Spieler auch.“ Man solle aber auch kein „großes Rad“ daraus machen, Schuldzuweisungen seien unangebracht. „Das ist doch Jacke wie Hose – alles ist in Ordnung.“

4,5 Millionen Euro für Bastian Oczipka

Die Ablösesumme in Höhe von 4,5 Millionen Euro bei Oczipka ist vielleicht auch in Ordnung. Doch Einnahmen dieser Größenordnung bringen den Klub freilich nicht wirklich voran. Das hat Finanzvorstand Oliver Frankenbach unlängst in einem Interview mit dem „Wiesbadener Kurier“ plastisch dargelegt. „Es bringt nicht viel, einen Spieler für 800 000 Euro zu holen und für acht Millionen zu verkaufen. Wir müssen welche für fünf, sechs Millionen verpflichten und für 35 Millionen abgeben.“ Und weiter: „Wir dürfen bei Verpflichtungen nicht zu stark auf Spieler setzen, die 30 und älter sind, sondern müssen mehr Spieler mit Entwicklungspotenzial an Bord holen. Wir haben dafür aber schon die richtigen Schritte eingeleitet. Mit Fredi Bobic und Niko Kovac ist ein ganz anderer Zug in die Transferpolitik gekommen.“

Aymen Barkok ist einer dieser Spieler, die die Eintracht vielleicht mal zu Gold machen könnte. Dazu müsste der Mittelfeldspieler aber wieder bessere Leistungen zeigen. Die Frage drängt sich auf: Wie gut ist Barkok? Ein Zauberer oder ein Zauderer? Hat er das Potenzial, sich dauerhaft durchzusetzen? Oder wird die Bundesliga eine Nummer zu groß bleiben? Diese Einschätzung muss die Sportliche Leitung treffen. Die Chance, den Spieler schon jetzt für sieben, acht, neun Millionen Euro zu verkaufen, ist jedenfalls gegeben.

So viel würden die Frankfurter sicherlich auch für den bis 2018 gebundenen Torwart Lukas Hradecky bekommen, doch ein Angebot eines anderen Klubs liegt derzeit offiziell nicht vor. Die Eintracht ist im Poker um den Finnen um Ausgleich bemüht, das war mal anders, da setzte sie auf Konfrontation und drohte dem 27-Jährigen mit einem Platz auf der Tribüne. Da hat sie ihre eigene Position falsch eingeschätzt. Für Hradecky kein Problem: „Ein bisschen Härte gehört dazu, aber wir gehen respektvoll miteinander um.“

Dass die Verhandlungen öffentlich wurden, hat ihn gestört. „Aber ich bin ein wichtiger Spieler, viele fragen: ,Was passiert mit Lukas?‘ Deshalb ist es wohl öffentlich geworden.“ Generell müsse er sich Gedanken um seine Zukunft machen, „und ich denke, das ist legitim“. Dass sein Stellenwert bei den Fans gelitten habe, hat er bisher nicht gemerkt: „Die Leute haben mich alle positiv empfangen.“

Hradecky lässt sich von der ungeklärten Situation nicht verunsichern, obwohl sie ihn „beschäftigt“. Er bereite sich aber so vor, „als würde ich bei der Eintracht bleiben“, sagte er. „Ich habe einen Vertrag bei der Eintracht und bin nie an den Verein herangetreten und habe um einen Wechsel gebeten. Wenn der Verein möchte, dass ich hier bleibe, dann bleibe ich. So lange ich hier bin, gebe ich 100 Prozent.“

Wie lange das sein wird? Der Klub geht – aus nachvollziehbaren Gründen – auf die Forderungen Hradeckys (4,5 Millionen Euro Jahressalär) nicht ein, der Keeper scheint nicht bereit, Abstriche zu machen. Eine langfristige Vertragsverlängerung scheint höchst unwahrscheinlich. Zumindest jetzt. Vielleicht sieht das im Winter anders aus. Alles eine Frage der Alternativen.

 

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