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Eintracht Frankfurt Nur malochen wird nicht reichen

Die Eintracht muss die richtige Balance finden, um den Abstiegskampf erfolgreich bestreiten zu können.

Klare Ansagen: Eintracht-Trainer Niko Kovac stimmt seine Spieler auf den Kampf um den Klassenerhalt ein. Foto: Heiko Rhode

Besonders viel Zeit, die neue Stadt kennenzulernen, ein paar schöne Ecken auszukundschaften oder einfach mal ein wenig abzuschalten, hatte Niko Kovac bisher nicht. Zu intensiv waren seine ersten Tage in Frankfurt, zu arbeitsreich und vollgepackt. Seit genau zwei Wochen schwingt er das Trainerzepter bei der Eintracht, er werkelt fast rund um die Uhr für seinen neuen Klub, geht voran, zeigt beispielhaften Arbeitseifer. Das ist sein Anspruch, und den erfüllt er. Niko Kovac ist die neue Zugmaschine in Frankfurt. Er muss einen steilen Berg hinauf.

Die Ausbeute nach zwei Spielen unter seiner Regie: drei Punkte. Die Leistungen in den beiden Partien in Mönchengladbach (0:3) und gegen Schlusslicht Hannover 96: eher schwächelnd. Und doch muss man konstatieren, dass der Kroate mit seiner Elf im Soll liegt: In Mönchengladbach hatte niemand mit etwas Zählbarem gerechnet, gegen Hannover war ein Sieg alternativlos. Ein Dreier ist letztlich herausgesprungen, auch wenn sich die Darbietung der Eintracht auf arg niedrigem Niveau bewegte.

Seriös lässt sich die Arbeit des 44-Jährigen noch gar nicht bewerten, dazu ist die Zeit zu knapp, dazu waren die beiden Partien zu wenig aussagekräftig. Immerhin hat die Mannschaft gegen Hannover dem Druck standgehalten, sich den Erfolg alles in allem verdient. Ein Befreiungsschlag blieb jedoch aus, der Trainerwechsel vor 14 Tagen hat keine Initialzündung ausgelöst. Das war, bei nüchterner Betrachtung, aber auch nicht zu erwarten. Warum sollte all das fließen, was vorher stockte? Weshalb sollte plötzlich alles funktionieren, was vorher nicht klappte? Dazu ist die Mannschaft zu verunsichert und labil, zu wankelmütig.

Kleine Fortschritte sind zu erkennen

Die Eintracht steht nicht zufälligerweise unten im Keller, der Tabellenstand ist das Abbild der Vorstellungen auf dem Fußballfeld, er korrespondiert mit der Leistungsfähigkeit der Spieler. Diese Mannschaft offenbart zu viele Defizite, als dass ein neuer Trainer einfach mit ein paar Kniffen, anderen Inhalten und einer neuen Ansprache die Blockaden lösen und die Leistung steigern könnte. „Trainer sind ja keine Hexer“, sagte Rechtsaußen Stefan Aigner.

Der Eintracht wird nichts zufallen, sie wird eher keine Serie starten und geschmeidig dort unten herausgleiten, nein, es wird ein Kampf auf Biegen und Brechen. Sie wird sich alles hart erarbeiten müssen, sie wird Fortuna im Bunde, einen kühlen Kopf und Entschlossenheit im Herzen haben müssen, wenn sie die Klasse noch sichern will. Nach wie vor gilt: Der Abstieg scheint wahrscheinlicher als der Klassenerhalt. Die Vorstellungen der Frankfurter sind insgesamt zu schwach.

Dabei versucht der Trainer alles, um das Ruder herumzureißen. Es sind bereits Änderungen zu erkennen. Er hat binnen kürzester Zeit andere Schwerpunkte gesetzt. Kovac lebt Einsatzbereitschaft und Professionalität vor. Das erwartet er von seinen Spielern, er mahnt sehr viel mehr Laufbereitschaft und Hingabe an, zudem eine andere Körpersprache und weniger Gemecker. Die Mannschaft hört zu, die Laufleistung hat sich schnell verbessert, das Lamentieren blieb fast aus. Selbst Marc Stendera und Makoto Hasebe unterließen das Diskutieren mit dem Schiedsrichter, Haris Seferovic schenkte sich abfällige Gesten. Den Kampfeswillen kann man dem Team ohnehin nicht absprechen. Es ist mehr Galligkeit und Feuer im Spiel.

Kleine Schritte nur. Aber immerhin. Doch wird das reichen?

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Die Eintracht hat nicht viel, auf das sie sich zurückziehen kann. Sie kommt jetzt mehr über die Geschlossenheit, es herrscht ein größerer Konkurrenzkampf. Die Spielweise wurde geändert, Ballbesitzfußball hat ausgedient, jetzt geht es darum, durch Wucht und Kraft irgendwie Tore zu erzielen und die Rettung zu schaffen. Das Tor zum 1:0 gegen Hannover war eines des Willens. Und doch wird sich die Eintracht fußballerisch wieder steigern müssen, mit einer solchen spielerischen Leistung wird es nicht reichen, so werden sie es nicht schaffen, bessere Gegner als Hannover in die Knie zu zwingen. Und stärker als die Niedersachsen sind alle. Die Hessen brauchen eine bessere Balance zwischen Spiel- und Malocherkultur.

Immerhin haben sie sich wieder Chancen herausgearbeitet, auch wenn der Gegner nur Hannover hieß. Und einige Spieler, wie Makoto Hasebe, zeigen sich formverbessert, andere zumindest kämpferisch noch entschlossener als zuvor (Russ, Aigner, Djakpa). Das alles ist nicht viel, aber besser als nichts.

Das Problem ist: Die Mannschaft muss sich spät in der Saison wieder neu definieren, zu Stabilität finden und den neuen Ansatz verinnerlichen. Das ist nicht so leicht, aber alternativlos. „Unser Problem ist die fehlende Eingespieltheit“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. In Ingolstadt, wo sein Sohn Benjamin an der Seite von Marvin Matip verteidigt, wisse jeder genau, was er von dem anderen zu erwarten habe. Das fehle der Eintracht.

Drei Siege müssten die Frankfurter idealerweise noch einfahren. Vier realistische Gelegenheiten dazu haben sie: Gegen Hoffenheim, Mainz, in Darmstadt und Bremen. Die Partien in München, Leverkusen und gegen Dortmund sind eher als Bonusspiele anzusehen. Solche Hochkaräter in dieser Dichte hat kein anderer Konkurrent im Abstiegskampf vor der Brust.

Trotzdem hat die Eintracht noch eine reelle und intakte Chance. Die anderen Teams sind zurzeit nicht viel oder gar nicht besser drauf, Augsburg hat lediglich ein Rückrundenspiel gewonnen, Darmstadt ebenfalls nur zehn Punkte geholt. Nur Hoffenheim scheint rauszumarschieren. „Sie haben einen Lauf und das Selbstbewusstsein“, sagte Hübner. Und auch die Klasse. Die habe die Eintracht, glaubt der Manager, ebenfalls. „Diese Qualität müssen wir wecken.“

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