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Eintracht Frankfurt Neuer Anlauf

Nach seiner verletzungsbedingten Pause will Sebastian Jung endlich wieder die rechte Eintracht-Seite belaufen. Die Länderspielpause ist für den Königsteiner so etwas wie eine zweite Vorbereitung.

Trainiert und spielt endlich wieder mit der Mannschaft: Sebastian Jung. Foto: Stefan Krieger

Nach seiner verletzungsbedingten Pause will Sebastian Jung endlich wieder die rechte Eintracht-Seite belaufen. Die Länderspielpause ist für den Königsteiner so etwas wie eine zweite Vorbereitung.

In letzter Zeit hat Sebastian Jung eine Menge Aufgaben übertragen bekommen, die eigentlich gar nicht so sehr mit Fußball zu tun hatten. Er war fast so etwas wie der außenpolitische Sprecher der Frankfurter Eintracht: Er marschierte brav ins Fernsehstudio und stand dem Hessischen Rundfunk tapfer Rede und Antwort, als für alle anderen seiner Kollegen striktes Interview-Verbot galt. Er war abgeordnet, vor dem Rückspiel im Europa League-Playoff-Spiel gegen Karabach Agdam den Fans einen Scheck über 10 000 Euro aus der Mannschaftskasse für deren Choreographie zu übergeben. Und als die Eintracht im Sommer ihren neuen Sponsor präsentierte, war es Sebastian Jung, der in das schmucke Trikot schlüpfte und sich fotografieren ließ. Die Kollegen waren alle in Urlaub, nur Sebi Jung war in Frankfurt geblieben.

All diese zusätzlichen repräsentative Aufgaben hat der 23-Jährige aus Königstein sehr souverän erledigt. Aber natürlich hätte er viel lieber auf dem Rasen Fußball gespielt. Doch das ging nicht, weil Jung sich gleich zweimal verletzte: Erst schlug er sich mit einem Muskelbündelriss herum, der ihm die U 21-EM in Israel vermasselte, dann mit einem Muskelfaserriss, der ihm die beiden Spiele in den Playoffs kostete. Das hat ihn ziemlich geärgert, auf beide Events hat er lange hingearbeitet. Und dann fehlt er, ausgerechnet er.

Das ist insofern bemerkenswert, weil Sebastian Jung, der Fast-Nationalspieler, bislang in seiner Karriere noch nie verletzt war. Jung, der im Alter von acht Jahren zur Eintracht kam, hat in vier Jahren Profitum bei Eintracht Frankfurt bereits 118 Spiele auf dem Buckel, seit 2010 hat der rechte Verteidiger im Grunde nie gefehlt, vielleicht mal ein Spiel verpasst, weil er erkältet war oder eine Gelbsperre absitzen musste. Ansonsten war der Renner über rechts ein Dauernbrenner, meist spielte er die vollen 90 Minuten durch. „Von mir aus können jede Woche zwei Spiele sein“, hat er mal gesagt, „ich kann gut laufen, und ich kann viel laufen.“

Am Abschluss arbeiten

Am Samstag, im Frankfurter Duell, durfte er wieder laufen, eine gute Stunde hielt er durch gegen den FSV. „Da musste er das eine oder andere Mal richtig schnaufen“, sagte hinterher sein Trainer Armin Veh grinsend.

In dieser noch jungen Saison hat Sebi Jung gerade ein Bundesligaspiel absolviert, den Auftakt in Berlin. Dann wurde der Muskelfaserriss diagnostiziert, und Jung war wieder zum Zuschauen verdammt. Dabei hatte er sich einiges vorgenommen für diese Saison, die Europa League etwa, zudem schielt er noch mit einem Auge zur A-Mannschaft, dann will er in der Offensive an seinem Abschluss arbeiten.

Statt dessen musste er wieder Anschluss finden an die Mannschaft. „Die vergangene Woche war für mich ziemlich anstrengend. Ich habe jeden Tag trainiert und viele 1000-Meter-Läufe gemacht“, sagte Jung, während die Kollegen wegen der Länderspiel-Pause etwas kürzer treten konnten. „Für mich war das fast eine neue kleine Vorbereitung“, sagte Jung. Immerhin konnte er die Muskulatur voll belasten. Noch freilich fehlt ihm der Rhythmus, das Gefühl für Ball und Situation. Auch deswegen war für ihn die Partie am Bornheimer Hang wichtig. „Ich habe noch eine Woche Zeit, um mich im Training für das Spiel in Bremen heran zu kämpfen.“ Doch Jung geht davon aus, dass die Zeit reicht, damit die erforderlichen Mechanismen wieder greifen. „Ich wäre froh, wenn ich am Samstag die rechte Seite belaufen darf“, sagte der 23-Jährige, dessen Vertrag bis 2015 geht, allerdings mit einer Ausstiegsklausel.

Dass Sebastian Jung im Grunde kaum zu ersetzen ist bei der Eintracht, zeigt auch, dass sich zwei Spieler seine Position teilen mussten, um sie adäquat auszufüllen. Gegen Bayern München (Franck Ribery) und Borussia Dortmund (Marco Reus) spielte der aggressivere, giftigere Zweikämpfer Stephan Schröck, gegen Karabach und Braunschweig der spielstärkere Stefano Celozzi. Dieses Job-Sharing hat jetzt ein Ende. Sebastian Jung will wieder durchstarten. Und er kann ganz gut auf den Posten des Außenministers verzichten.

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