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Eintracht Frankfurt Neue Wege im Millionenspiel

Eintracht Frankfurt will schneller sein als die Konkurrenz und potenzielle Neuzugänge im Training ihrer Klubs beobachten. Dafür nimmt die Eintracht eigens einen Scout unter Vertrag.

Der Trainer und sein Scout: Armin Veh (vorne ) und Uwe Anweiler in Längenfeld. Foto: Jan Huebner

Irgendwann im Laufe des Gesprächs kommt Armin Veh auf das unvermeidbare Dauerbrennerthema zu sprechen. Ein Schmunzeln kann sich der Eintracht-Trainer nicht verkneifen. „Die Bayern holen mal eben für 25 Millionen Euro einen Spieler, die Dortmunder geben mal schnell 50, 60 Millionen aus“, bedeutet Veh und macht eine kurze Pause. „Und dann kommen wir.“ Zufälligerweise sind die beiden Schwergewichte die ersten beiden Gegner in Frankfurt. „Die kaufen den und kaufen das – und wir sollen dann das Spiel gewinnen. Und wenn wir das nicht schaffen, heißt es: Was nun, Herr Veh?“ Der Fußballlehrer lacht. Doch so richtig lustig findet er das nicht.

Das kann man verstehen: Armin Veh wartet seit Wochen schon auf seinen Wunschstürmer Vaclav Kadlec von Sparta Prag. Der 21-Jährige, der heute mit Sparta in der Europa-League-Qualifikation gegen BK Häcken spielen wird, soll vier Millionen Euro kosten. Das ist zu viel für die Eintracht, die den Preis um eine Million Euro drücken will. Veh hat Verständnis für seinen Klub, er baut aus dem Trainingslager im Ötztal keinen zusätzlichen Druck auf. „Weil ich weiß, dass es nicht anders geht. Wir sind da nicht die handelnden Personen.“

Mit dem Spieler ist schon längst alles klar. Nur der Prager Verein sträubt sich, seinen besten Mann abzugeben. „Manchmal muss man warten, um einen Spieler zu bekommen, der es einem wert ist“, betont Veh. Dabei war die Eintracht an Kadlec „sehr früh dran“ (Veh), seit Monaten schon. Für den Coach ist ohnehin klar, dass im Millionenspiel Bundesliga dies der einzige Weg der Eintracht sein könne. „Wenn du das Budget nicht hast und halt keine zehn Millionen ausgeben kannst, musst du schneller sein.“

Der Trainer ist hochzufrieden

Auch deshalb haben die Hessen nun einen neuen Scout unter Vertrag genommen: Uwe Anweiler, 52 Jahre alt und ein früherer Mitspieler von Armin Veh bei der Spielvereinigung Bayreuth in der zweiten Liga. „Er ist ein Fußballverrückter, guckt sich alle möglichen Spiele an.“ Anweiler ist, wenn man so will, mit einem speziellen Auftrag versehen worden. Er soll Spieler, die die Eintracht ins Auge gefasst hat, im Training beobachten. „Und zwar über ein paar Wochen am Stück“, wie Veh erklärt. „Das ist mir wichtig und bringt mehr als einen Spieler dann mal in zwei Spielen zu beobachten.“ Anweiler weilt zurzeit in Längenfeld im Trainingscamp der Hessen, um sich ein Bild von der Mannschaft machen zu können.

„Er muss ja unsere Spieler einschätzen können, wenn er andere begutachten soll“, sagt Veh. Dieser für die Frankfurter neue Weg sei eine Möglichkeit, um die Abstände zu den Großkopferten nicht unermesslich groß werden zu lassen. „Wir wollen Spieler scouten, an denen noch nicht jeder dran ist. Wir wollen der Erste sein und so einen Vorteil haben.“ In erster Linie geht es da natürlich um Profis, die am Ende der jeweiligen Saison ablösefrei zu haben sind. „Wenn sie dann das Gefühl haben, dass wir uns schon ein Jahr um sie bemühen, kann uns das zum Vorteil gereichen.“

Mit dem Auftreten seiner aktuellen Mannschaft in Tirol ist der Trainer hochzufrieden. „Sie machen keinen Blödsinn, sind sehr konzentriert.“ Und sie sind fleißig, am Mittwoch schob eine Gruppe um Alexander Meier noch Sonderschichten. Meiers exzellente Frühform ist im Übrigen extrem auffällig.

Veh ist gleichwohl der Meinung, dass sein Aufgebot deutlich zu klein ist. „Wir haben sicher den kleinsten Kader der Bundesliga.“ Genau 20 Feldspieler stehen dem Coach zur Verfügung. „Das wären selbst dann zu wenige, wenn wir nicht europäisch spielen würden.“ Zumal er keine Talente aus der zweiten Mannschaft hochziehen könne. „Die gibt es bei uns nicht.“ Die U23 ist gerade so dem Abstieg aus der vierten Liga entronnen.

Rotation in der Abwehr

Und so erfreut sich der Trainer an einem jungen Spieler, der bis vor kurzem noch in der B-Jugend gespielt hat und nun bei den Profis reinschnuppert: Luca Waldschmidt. Der 17-Jährige hinterlässt im Training einen hervorragenden Eindruck. „Der kann was. Er ist ein großes Talent“, so Veh. Körperlich müsse der schmächtige Stürmer noch mächtig aufholen. „Er ist ein Hemd, aber das Physische kriegen wir hin.“ Der Trainer würde ihn gerne dauerhaft bei den Profis sehen, doch Waldschmidt müsse seine Schule fertig machen. „Da müssen wir abklären, ob wir hinbekommen, dass er bei uns bleibt.“

In dem 52-Jährigen scheint zudem die Erkenntnis gereift, für den am Kreuzband verletzten Marc Stendera einen Ersatzmann zu holen. „Wenn, dann aber eher ein Talent.“ In der Innenverteidigung indessen sieht er keinen Handlungsbedarf. „Da werden wir keinen holen.“ Dort sieht er sein Team mit Carlos Zambrano, Bamba Anderson und Marco Russ gut aufgestellt, zumal auch Neuzugang Johannes Flum hinten aushelfen könne. Veh hat sich schon festgelegt, dass er in der Abwehr rotieren lassen wird. „Da werden wir öfter mal wechseln.“ Das liegt in erster Linie an Russ, „der sich gefestigt hat“ und eine echte Alternative ist. „Es ist wichtig, dass alle zu Einsätzen kommen“, sagt Veh. Russ habe sich gewandelt: Sei er früher gerne mal mit ein paar Kilo zu viel aus dem Sommerurlaub gekommen, habe er nun zwei Kilo weniger auf den Rippen gehabt. „Ein gutes Zeichen“, sagt Veh.

Und am Mittwoch ist mal wieder ein neuer Name in der Gerüchteküche aufgetaucht. Demnach soll die Eintracht beim AC Florenz wegen Juan Vargas angefragt haben. Der zuletzt nach Genua ausgeliehene Peruaner ist Linksaußen und hat in 20 Spielen für Genua ein Tor vorbereitet. Klingt nicht gerade berauschend.

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