Lade Inhalte...

Eintracht Frankfurt Neue Qualität

Alex Meier, Jesus Vallejo und Marc Stendera sind zurück. Sébastien Haller macht stolz.

Vallejo, Stendera und Meier
Stilleben mit Rekonvaleszenten: Jesus Vallejo, Marc Stendera, Alexander Meier (v.l). Foto: Jan Huebner

Die Hoffnung trainierte versteckt. Alex Meier, Jesus Vallejo und Marc Stendera übten an diesem sonnenüberfluteten Dienstag hinter meterhohen, die Sicht verstellenden Zäunen gemeinsam mit Athletikcoach Martin Spohrer. Das soll alles recht manierlich ausgesehen haben, sogar der Ball war am Ende ins Spiel gekommen, alle drei Profis hinterließen nach erstem Augenschein einen guten Eindruck. Alex Meier, der zwei Monate wegen einer Fersenentzündung ausgefallen war, machte, bestens gelaunt, bereits seine Späßchen. „Vom Feeling her ist es ein gutes Gefühl“, bemühte er lachend ein berühmt gewordenes Zitat.

Und Jesus Vallejo (Sehnenabriss) spulte nach dem individuellen Training noch eine Laufeinheit ab. Alle drei wollen heute ins Training mit der Mannschaft einsteigen. Unwahrscheinlich ist es nicht, dass der eine oder andere am Samstag im letzten Heimspiel gegen RB Leipzig auf der Bank sitzt. Sogar der seit ewigen Zeiten verletzte Slobodan Medojevic (Achillessehne, Knie) mischte am Dienstag mit, während Taleb Tawatha (Sprunggelenk) und Branimir Hrgota (Schlag auf den Oberschenkel) pausierten. A-Jugendspieler Furkan Zorba wurde nach einer unbeabsichtigten Attacke von Marco Fabian, das Sprunggelenk dick bandagiert, von Sicherheitspersonal vom Platz getragen. Übrigens ist Fabian in den vorläufigen Kader der mexikanischen Nationalmannschaft für den Confed Cup nominiert worden.

„Wir wollen bei Jesus und Alex absolut kein Risiko eingehen“, sagt Trainer Niko Kovac. „Wir wollen sie aufbauen im Hinblick auf das Pokalfinale.“ Ein verfrühter Einsatz wäre da höchst kontraproduktiv. Der Fokus ist schon seit Wochen auf das Pokalfinale am 27. Mai gerichtet, „den Höhepunkt der Saison“. Anderes gerät da schon einmal in den Hintergrund, was man durchaus verstehen kann. „Die Liga ist für uns gelaufen“, stellt Vorstand Fredi Bobic fest. Aber natürlich werden Kovac und die Mannschaft einiges daransetzen, im letzten Heimspiel den Fans einen Sieg zu bescheren. Auch für das Gefühl wäre ein Erfolg über den Vizemeister sicher nicht verkehrt. Zuletzt ist ja doch einiges daneben gegangen, zwölf Punkte aus 16 Spielen ist eine mehr als magere Ausbeute, auch wenn, wie Kovac am Montagabend im HR-Fernsehen sagte, Fehlentscheidungen diverser Schiedsrichter „uns fünf bis zehn Punkte“ gekostet hätten.

Unterdessen ist Niko Kovac „froh und stolz“, dass der Eintracht ein echter Coup mit der Verpflichtung des französischen U21-Nationalspielers Sébastien Haller gelungen ist, der einen Kontrakt bis 2021 unterschrieben hat. „Er ist ein Spieler, der uns weiterhelfen wird. Das hat er in einer starken Liga schon bewiesen.“ Haller, der auch einen ivorischen Pass besitzt, hat für den niederländischen Klub FC Utrecht in der Eredivsie in 82 Spielen 41 Tore erzielt. „Wir haben absolutes Vertrauen in seine Fähigkeiten. Er ist eine schön Kante“, lobt Kovac. Haller, ein 1,90 Meter großes Kraftpaket aus der Sturmmitte, habe man nicht verpflichtet, „um ihn ein halbes Jahr auf die Tribüne zu setzen“.

Für den bald 23 Jahre alten Stürmer, der in der französischen U21-Auswahl 13 Tore in 20 Spielen markiert hat, hat die Eintracht tief in die Taschen gegriffen, die französische Sportzeitung „L’Equipe“  schreibt von sechs Millionen Euro Ablöse. Das könnte bedeuten, dass die Eintracht Abstand von einer Verpflichtung von Flügelstürmer Ante Rebic nimmt, der gut drei Millionen Euro kosten würde. Erst am Sonntag hatte ihn Sportdirektor Bruno Hübner öffentlich kritisiert.

„In der Branche waren einige überrascht“, sagt Bobic, dass ausgerechnet der Eintracht dieser Fischzug mit dem umworbenen Haller gelungen sei. Schon sehr lange habe man den aus der Jugend von AJ Auxerre stammenden Angreifer beobachtet, Kovac, Bobic und Hübner hatten sich mit ihm getroffen. „Er war von unserem Gesamtpaket überzeugt“, sagt Kovac. Er habe nicht in erster Linie aufs Geld geschaut, bei anderen Klubs aus dem Ausland und der Bundesliga hätte der äußerlich ein wenig an Nicolas Anelka erinnernde Neuzugang mehr verdienen können. „Dass er sich dennoch für uns entschieden hat, spricht für seinen Charakter“, sagt Kovac. „Wir können vieles von ihm erwarten.“ Allerdings haben die Hessen jüngst mit Spielern aus Holland nicht so gute Erfahrungen gemacht, sowohl Lucas Piazon (Vitesse Arnheim) als auch Luc Castaignos (Twente Enschede) blieben hinter den Erwartungen.

Das Gesicht der Mannschaft wird sich weiter verändern. „Wir müssen an die Zukunft denken, wir müssen der Mannschaft Qualität zuführen“, sagt Bobic. In allen Mannschaftsteilen, ergänzt Kovac, benötige der Klub neues Personal. „Wir kennen unsere Baustellen“, so Bobic. Dem Team sei „Stabilität weggebrochen“, auch mit dem defensiven Mittelfeldspieler Omar Mascarell kann der Klub in den nächsten Monaten nicht planen. Aller Voraussicht wird sich der Spanier einer Operation an der lädierten Achillessehne unterziehen müssen. Bange ist Vorstand Bobic aber nicht vor der Zukunft. „Ich habe keine großen Bauchschmerzen. Wir waren fleißig, waren viel unterwegs.“ Und man wolle nicht nur Leihspieler holen. Bobic: „Unser Ziel muss sein, Spieler zu kaufen und länger an den Klub zu binden.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum