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Eintracht Frankfurt Mit Rückenwind

Eintracht Frankfurt sollte ein paar Lehren aus dem Wolfsburg-Spiel ziehen. Dass die Hessen die Begegnung gegen die Niedersachsen gedreht haben, war eine außergewöhnliche Leistung, besonders von Alex Meier.

Ist hinten besser aufgehoben: Marco Russ. Foto: Heiko Rhode

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass in der Nachbetrachtung eines eher ungewöhnlichen Fußballspiels nicht mehrheitlich über den großen Matchwinner, sondern über einen zur Halbzeit ausgewechselten Spieler berichtet wird. Okay, Alexander Meier ist es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen. Drei Tore in einem Spiel schießt der Eintracht-Profi zwar auch nicht immer, hat er aber schon oft genug, und wie häufig er für seinen Verein die Kastanien aus dem Feuer geholt hat, lässt sich nach zwölf Jahren im Zeichen des Adlers und einer beeindruckenden Torquote nun nicht mehr seriös beantworten.

Doch dass dann jede Frankfurter Zeitung in der Nachlese seinem unterirdisch auftretenden Sturmpartner mehr Platz einräumt als dem 33-Jährigen ist zwar zu erklären, aber nicht unbedingt alltäglich. Doch der Krach zwischen dem bockigen Haris Seferovic und dem höchst angesäuerten Trainer Armin Veh war das beherrschende Thema in Fußball-Frankfurt.

Sportdirektor Bruno Hübner möchte den Fokus lieber wieder aufs Sportliche legen. Nebenschauplätze dieser Art braucht niemand im Abstiegskampf, und für die Verantwortlichen geht es darum, Seferovic wieder auf Linie zu bringen. Egal, wie. Sei es mit einer Geldstrafe, der temporären Verbannung aus dem Kader oder dem schnellen Verkauf. Den Erfolg des großen Ganzen darf ein Einzelner nicht gefährden. Dem Vernehmen nach hat inzwischen ein Gespräch zwischen Sportdirektor Bruno Hübner und Seferovic stattgefunden, was zumindest eine weitere Zusammenarbeit möglich macht.

Ein zerbrechliches Gebilde

Dass die Eintracht trotz des 3:2-Sieges gegen den VfL Wolfsburg keinesfalls gefestigt ist, war allseits zu erkennen. Diese Frankfurter Mannschaft ist auch nach dem Neustart ein eher zerbrechliches Gebilde. Das ist sehr wahrscheinlich sogar normal nach dieser verkorksten Hinserie.

Dass die Hessen die Begegnung gegen die Niedersachsen gedreht haben, war eine außergewöhnliche Leistung, für die in erster Linie Ausnahmekönner Alex Meier verantwortlich zeichnet. Doch das ist eine rein vordergründige Betrachtungsweise. Es war im zweiten Abschnitt einfach so, dass eine andere Frankfurter Mannschaft auf dem Feld stand, eine, die urplötzlich auch mal Zweikämpfe und zweite Bälle gewann, die eine andere Präsenz hatte und anders Fußball spielte, mit Tempo, Herz und Leidenschaft. Und weniger mit Langholz. Der Dreier zum Neustart sollte der Mannschaft einen Schub geben. Vielleicht kann ein solcher Achtungserfolg und eine solch spektakuläre Wende inklusive Last-Minute-Siegtor (wann ist das eigentlich zuletzt mal gelungen?) die Blockaden lösen. Und von denen gibt es einigen.

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Denn bei allen positiven Aspekten muss man auch festhalten, dass die erste Hälfte alarmierend war. Da wirkte alles plan- und hilflos, da war kein Konzept und keine Spielphilosophie zu erkennen. Dann, als die Spieler merkten, dass gar nichts zusammenläuft, setzte schnell wieder die allgemeine Verunsicherung ein.

Aber die schwache Leistung im ersten Abschnitt hatte auch fußballtechnische Gründe. Das Spiel der Eintracht war von Anfang an nicht flexibel und variantenreich genug. Das lag an dem fortwährenden Pressing der Wolfsburger, die die Eintracht früh und energisch attackierten. Eigentlich ein Stilmittel, das sich die Hessen wieder auf die Fahne schreiben wollten. Doch von Pressing oder frühem Angreifen waren sie weit entfernt. Im Gegenteil: Sie hielten immer Sicherheitsabstand und kamen so meistens zu spät. Sie agierten nicht, sie reagierten nur. Die Wölfe hatten immer genügend Platz, um den Ball zu kontrollieren.

Es zeigte sich erneut, dass die Eintracht es nicht schafft, eine Kompaktheit herzustellen. Viel zu häufig liefen die Wolfsburger in Überzahl auf die Deckung zu – obwohl die Eintracht ja nicht mal das Spiel bestimmte. Das ist nicht nur, aber auch ein Problem des defensiven Mittelfelds. Marc Stendera denkt eher offensiv, und Marco Russ ist nun mal alles, aber kein Mittelfeldspieler. Er ist nicht ballsicher und flink genug – und hat nicht genügend strategische Gabe. Das heißt nicht, dass er nicht wertvoll ist: Durch seine lautstarke Art, seine Präsenz und seine Torgefahr ist er wichtig. Aber nicht auf dieser Position – schon gar nicht gegen eine Spitzenmannschaft.

Natürlich bleibt die Besetzung des rechten Verteidigers eine große Baustelle. Makoto Hasebe hat erneut gezeigt, dass dies nicht seine Position ist. Er gehört ins Mittelfeld, Aleksandar Ignjovski stattdessen nach hinten rechts. Vor allem aber muss die Mannschaft darauf achten, das Spielfeld nicht zu groß werden zu lassen. Das muss nicht heißen, dass man defensiv spielt. Man kann auch die Räume verengen, wenn man vorne draufgeht. Doch das funktioniert nur mit Vertrauen in die Mitspieler, Entschlossenheit in der Aktion – und im Verbund. Auch hier kann so ein Sieg wie gegen Wolfsburg eine Art Brustlöser sein.

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