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Eintracht Frankfurt Mächtiges Sinnbild mit Vokuhila

Wie Zvezdan Pejovic bei Eintracht Frankfurt doch ein paar Spuren hinterließ. Die Geschichte des etwas anderen Innenverteidigers.

29.05.2013 21:28
Zvezdan Pejovic hatte die Haare immer schön. Der Profi blieb vor allem wegen seiner Urgewalt in Erinnerung. Foto: dpa

Es ist jetzt nicht so, dass Zvezdan Pejovic besonders tiefe Spuren in Frankfurt hinterlassen hat. In Wahrheit hat er gar keine hinterlassen. Zumindest sportlich nicht. Pejovic, der etwas andere Innenverteidiger, kam im Sommer 1996 zur Eintracht, nach diesem niemals für möglich gehaltenen Abstieg. Er brachte es auf 14 Einsätze, spielte achtmal durch, sah fünf Gelbe Karten und erzielte kein Tor. Nach einem Jahr war seine Zeit in Frankfurt wieder beendet. Und doch erinnert sich manch einer noch an an diese skurrile Erscheinung, diese Fußball-Axt, diesen Schrat, der vor allen Dingen durch die schon damals aus der Mode gekommene Vokuhila bestach: Pejovic hingen die Fransen hinten bis auf die Schultern, der Pony war akkurat gestutzt, die Ohren ausrasiert. Saubere Sache.

Der Serbe, der bis heute überall als Kroate geführt wird, bestach durch sein ausgeprägtes Anti-Talent. Er konnte in etwa so gut mit dem Ball umgehen wie eine Holz-Marionette im Eintracht-Trikot, manchmal schien es, als habe er sich zwei Bügeleisen in die Schuhe gesteckt. Mag sich böse anhören. Ist aber die Wahrheit. Unvergessen, wie er eines kalten Dezembertages auf dem Lauterer Betzenberg schwindelig gespielt wurde. Nach 66 Minuten erlöste ihn Trainer Dragoslav Stepanovic, da stand es schon 0:4. Es war der Anfang vom Ende seiner Eintracht-Zeit.

Pejovic bleibt trotzdem in Erinnerung, weil er ein Typ war, 196 Zentimeter Power und Urgewalt, ein früher Kyrgiakos irgendwie. Er war furchtlos, angsteinflößend, mächtig. Legendär, wie er am dritten Spieltag in Mannheim den Waldhof-Stürmer Thomas Epp mit einer Mörder-Grätsche in die Bande hämmerte, sich danach über ihm aufbaute und ihm noch ein paar Nettigkeiten ins Ohr brüllte. Pejovic war es auch, der nach dem 2:1-Sieg auf den Zaun vor dem Fanblock stieg und den Eintracht-Adler ungefähr 48-mal abknutschte. Da war er noch nicht enttarnt, da lag ihm eine ganze Kurve zu Füßen.

Pejovic, einst achtmal für Düsseldorf in der Bundesliga am Ball, taugte zum Sinnbild: Der schöne Fußball, der Zauber der Eintracht war endgültig verflogen, die Zeit der Maloche, der Unzulänglichkeiten, der bleiernen Schwere war nun angebrochen. Für lange Zeit. Aber das war damals nur zu erahnen. (dur.)

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